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	<description>Eine neue Streitkultur</description>
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		<title>sagwas stellt vor! - Bilkay Öney</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 11:27:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bilkay Öney</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; &#160; Bilkay Öney&#8230;  &#8230;sagt was? Als Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg bin ich verantwortlich für eine aktive und moderne Integrationspolitik, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4757" title="Bilkay_Oeney_Portrait" src="http://sagwas.net/wp-content/uploads/2013/05/Bilkay_Oeney_Portrait.jpg" alt="" width="220" height="314" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7830"><em><strong id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7829">Bilkay Öney&#8230;</strong></em></p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7828"><strong> </strong><em><strong id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7844">&#8230;sagt was?</strong></em></p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7827">Als Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg bin ich verantwortlich für eine aktive und moderne Integrationspolitik, die die Vielfalt unserer Gesellschaft als Chance betrachtet.</p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7825"><em> <strong>&#8230;tut was?</strong></em></p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7816">Seit Mai 2011 bin ich im Südwesten im Amt. In dieser Zeit haben wir viele Dinge umgesetzt oder auf den Weg gebracht. Wir haben Einbürgerungen erleichtert und setzen uns für die Hinnahme von Mehrstaatigkeit und die Abschaffung der sogenannte Optionspflicht ein,  wir gestalten die Flüchtlingsaufnahme und -unterbringung für die Kommunen flexibler und für die Menschen humaner, wir reden am Runden Tisch Islam mit den Muslimen und nicht über sie, wir engagieren uns gegen Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der sogenannten Ehre, wir arbeiten daran, dass sich die Vielfalt der Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger auch in den Behörden, Vereinen und Verbänden widerspiegelt, wir testen in Unternehmen und Verwaltungen anonymisierte Bewerbungsverfahren und wir kämpfen gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.</p>
<p><em><strong>&#8230;will was?</strong></em></p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7818">Integration vollzieht sich im Dreiklang aus Wollen, Können und Dürfen. Die Menschen müssen auf beiden Seiten Integration wollen und dazu einen aktiven Beitrag leisten. Motivation und Engagement der Zuwanderinnen und Zuwanderer ist wichtig. Die Migranten müssen sich über Bildung und Ausbildung integrieren können. Und sie müssen sich integrieren dürfen, ohne dass ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Hier ist Politik und jeder einzelne gefragt. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die Benachteiligungen verhindern, wir brauchen aber auch in der Gesellschaft ein Commitment gegen Diskriminierung und Rassismus. Ziel von Integration muss sein, allen Menschen gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen.</p>
<p id="yui_3_7_2_1_1368785506584_7819">
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		<title>Loyalität ist keine Einbahnstraße - Bilkay Öney über Mehrstaatigkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 11:26:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bilkay Öney</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Staatsangehörigkeitsrecht muss einbürgerungsfreundlicher werden. Deshalb hat die Landesregierung von Baden-Württemberg beschlossen, einen Gesetzentwurf zur Liberalisierung der Regelungen in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Staatsangehörigkeitsrecht muss einbürgerungsfreundlicher werden. Deshalb hat die Landesregierung von Baden-Württemberg beschlossen, einen Gesetzentwurf zur Liberalisierung der Regelungen in den Bundesrat einzubringen. Es ist höchste Zeit, Einbürgerungshemmnisse, die in vielen westlichen Staaten längst kein Thema mehr sind, auch in Deutschland zu beseitigen. Dazu gehört das Dogma, wonach ein Deutscher neben seinem deutschen Pass keine weiteren Nationalpässe besitzen darf. Selbst einzelne Unions- und FDP-Politiker drängen in diesem Punkt auf Änderungen.</p>
<p>Unsere Bundesratsinitiative hat zum Ziel, Mehrstaatigkeit zuzulassen und die Optionspflicht abzuschaffen. In anderen Ländern ist die Hinnahme von Mehrstaatigkeit weder für den Staat noch für die Betroffenen ein Problem. So wird in den USA toleriert, dass Neubürger ihre alte Staatsangehörigkeit beibehalten. Auch in Europa ist der Trend eindeutig: Frankreich, die Niederlande, Belgien und andere Staaten sind hier liberaler. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland am Ende der Skala. Als Global Player und Einwanderungsland sollten wir gleichziehen.</p>
<p>Das Argument der Konservativen, dass Zuwanderer nur einem Land gegenüber loyal sein können, ist überholt: Der Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatigkeit wird bereits vielfach durchbrochen, zum Beispiel bei EU-Bürgern. Seit Jahren erfolgen rund 50 Prozent der Einbürgerungen in Deutschland unter Hinnahme von Doppelpässen. Auch bei unmöglichen, willkürhaften oder unverhältnismäßig aufwendigen Entlassungsverfahren der Nicht-EU-Staaten ist Mehrstaatigkeit zugelassen. Damit hängt es oftmals an anderen Ländern, ob in Deutschland jemand zwei Pässe haben darf oder nicht. Das ist eine Ungleichbehandlung und diskriminierend für diejenigen, die ihren bisherigen Pass abgeben müssen.</p>
<p>Auch die Optionspflicht entspricht nicht der Realität einer modernen Einwanderungsgesellschaft. Sie schafft nicht nur Deutsche erster und zweiter Klasse, sondern auch Staatsbürger auf Zeit. Seit dem Jahr 2000 erwerben Kinder mit zwei ausländischen Elternteilen durch die Geburt in Deutschland die deutsche Staatsbürgerschaft &#8211; vorausgesetzt ein Elternteil hat seit acht Jahren seinen dauerhaften und rechtmäßigen Aufenthalt hier und besitzt ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. In der Regel haben diese Kinder zudem die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern. Sie müssen sich zwischen dem 18. und 23. Geburtstag für eine Staatsangehörigkeit entscheiden und verlieren automatisch die andere.</p>
<p>Es ist richtig, dass die meisten Optionspflichtigen den deutschen Pass wählen und nur relativ wenige gleichzeitig ihre ausländische Staatsangehörigkeit behalten wollen. Das darf aber nicht zu dem Schluss verleiten, dass diese Entscheidung ohne innere Konflikte abgeht. Im Zweifel entscheiden sich die jungen Menschen für das Land, in dem sie aufgewachsen sind und ihre sozialen Bindungen haben. Wir wissen aber aus Studien des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dass rund die Hälfte der Optionspflichtigen gerne auch die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern neben der deutschen behalten würden. Die familiären Wurzeln und Traditionen sind ein Teil ihrer Identität. Warum sollen wir ihnen diese absprechen? Hinzu kommt: Die Optionsregelung verursacht viele weitere Probleme. So hat die erwähnte BAMF-Studie ergeben, dass rund einem Drittel der Optionspflichtigen nicht bewusst ist, wie weitreichend die Folgen sein können, wenn sie sich auf Schreiben der Behörden nicht melden. Es gibt schon erste Fälle, bei denen die deutsche Staatsangehörigkeit ungewollt verloren gegangen ist. Auch aus Verwaltungssicht ist die Optionsregelung problematisch. Sie verursacht einen enormen Beratungs- und Bürokratieaufwand in den zuständigen Staatsangehörigkeitsbehörden.</p>
<p>Wir leben heute nicht mehr in einer Welt abgegrenzter Nationalstaaten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Realität sind Staaten, deren Menschen sich nicht an Grenzen orientieren, sondern an grenzüberschreitenden Lebensmöglichkeiten. Die Loyalität gegenüber einem Staat richtet sich dabei nicht per se gegen einen anderen Staat. Andere Länder machen uns dies vor &#8211; ohne Probleme. Investieren wir in die Chancen und nicht in die Ängste.</p>
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		<title>Leben mit der Lüge - Bekennen wir uns zu unseren schwulen Fußballstars!</title>
		<link>http://sagwas.net/leben-mit-der-luge/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 09:23:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Stahl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst hätte ich die Nachricht fast überlesen, die am 29. April um 17h38 von der Huffington Post als Breaking News [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erst hätte ich die Nachricht fast überlesen, die am 29. April um 17h38 von der <a href="http://www.huffingtonpost.com/2013/04/29/nba-players-react-jason-collins-comes-out_n_3178683.html">Huffington Post</a> als Breaking News auf mein Smartphone geschickt wurde. Dann dachte ich mir: Gossip, mir doch egal. Und erst beim dritten Gedanken wurde mir die Dimension der Eilmeldung klar. „NBA Player Jason Collins comes out as Gay.“</p>
<p>Zuhause habe ich dann sofort in der Huffington Post nachgelesen, deren Titel lautet:</p>
<p>„I’m a 34-year old NBA Center&#8230;. I am black. And I am Gay“</p>
<p>In einem sehr persönlichen Text in der Zeitschrift <a href="http://sportsillustrated.cnn.com/magazine/news/20130429/jason-collins-gay-nba-player/">Sports Illustrated</a> bekennt sich der Basketballprofi Jason Collins zu seiner Sexualität. Collins ist der erste männliche Spitzensportler weltweit, der offen sagt, dass er schwul ist.</p>
<p>Wie enorm der Druck gerade für männliche Spitzensportler ist, Jahre, manchmal jarzehntelang mit der Lüge zu leben, schildert <a href="http://sportsillustrated.cnn.com/magazine/news/20130429/jason-collins-gay-nba-player/#ixzz2RvNveCmK">Collins</a> eindrucksvoll:</p>
<p><em>„No one wants to live in fear. I&#8217;ve always been scared of saying the wrong thing. I don&#8217;t sleep well. I never have. But each time I tell another person, I feel stronger and sleep a little more soundly. It takes an enormous amount of energy to guard such a big secret. I&#8217;ve endured years of misery and gone to enormous lengths to live a lie. I was certain that my world would fall apart if anyone knew. And yet when I acknowledged my sexuality I felt whole for the first time.“</em></p>
<p>Und weiter schreibt er:</p>
<p><em>„I didn&#8217;t set out to be the first openly gay athlete playing in a major American team sport. But since I am, I&#8217;m happy to start the conversation.“</em></p>
<p>Glücklich darüber, die Debatte anzustoßen. Ich hoffe inständig, dass es eine wird. Eine politische Debatte. Auch in Deutschland. Denn das Wissen um schwule Fußballprofis, die aus Angst schweigen auf der einen Seite und das Verhalten des Deutschen Fußball Bundes (DFB) auf der anderen Seite sind beschämend. Im Strafrecht würde man von unterlassener Hilfeleistung sprechen.</p>
<p>Als Dortmunds Torhüter<a href="http://www.taz.de/!76848/"> Roman Weidenfeller</a> aus Frust, nicht in die Nationalelf berufen worden zu sein, herausposaunte, Bundestrainer Löw berufe wohl nur hübsche und zierliche Jungs in die DFB-Elf, gab es nicht nur keine saftige Geldstrafe. Es gab gar keine Reaktion.</p>
<p>Stattdessen wurden sowohl Bundestrainer <a href="http://www.n-tv.de/sport/kommentare/Joachim-Loew-packt-aus-article3184586.html">Joachim Löw</a> als auch sein Kapitän <a href="http://www.bild.de/sport/fussball/arne-friedrich/philipp-lahm-nicht-schwul-20720220.bild.html">Philipp Lahm</a> mehr oder minder gezwungen, in Interviews zu beteuern, dass sie NICHT schwul und mit echten Ehefrauen verheiratet wären.</p>
<p>Als ein deutscher Fußballprofi im Jugendmagazin <a href="http://www.fluter.de/de/114/thema/10768/">Fluter</a> erstmals anonym über den Druck, die Angst und die Homophobie im deutschen Fußball sprach, gab es wieder keine Reaktion.</p>
<p>Als <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/article113627291/Rolf-Toepperwien-kennt-schwule-Nationalspieler.html">Ex-Fußballreporter Rolf Töpperwien</a> vor kurzem bei Markus Lanz kundtat:</p>
<p><em>&#8220;Ich kenne Nationalspieler, die mit Frauen zusammengebracht wurden, bis hin zur Ehe, obwohl sie schwul sind&#8221;, </em>berichtete zwar das <a href="http://www.bild.de/sport/fussball/rolf-toepperwien/kennt-schwule-fussballer-die-scheinehen-fuehren-28524364.bild.html">Boulevard</a> ausführlich, die Debatte in DFB und Gesellschaft blieb aus.</p>
<p>Totschweigen statt Toleranz leben.</p>
<p>Dabei wäre es höchste Zeit. Für einen ‚Aufstand der Anständigen’ im Deutschen Fußball Bund, in der schwarz-gelben Bundesregierung und in den Sportredaktionen deutscher Medienhäuser. Denn es geht nicht um Schwulenrechte, es geht um Menschenrecht.</p>
<p>Und wie sehr das im deutschen Spitzensport, dessen Vorbildfunktion für die Jugend doch immer und gern betont wird, mit Füßen getreten wird, zeigt das bereits zitierte anonyme Interview mit dem <a href="http://www.fluter.de/de/114/thema/10768/">schwulen Bundesliga-Profi</a> im Fluter deutlich.</p>
<p><em>„Du kommst gerade aus einem Interview für einen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Was wäre, wenn dort deine Homosexualität zur Sprache käme?<br />
</em><em></em></p>
<p><em>Ich würde leugnen, ganz klar. Versuchen, das Thema komplett aus der Öffentlichkeit zu halten. Je mehr geredet wird, desto höher ist auch der Druck auf mich. Die große Diskussion um meine Person kann ich mir einfach nicht erlauben.</em></p>
<p><em>Ist der Druck nicht ohnehin schon immens?</em></p>
<p><em>Natürlich. Der Preis für meinen gelebten Traum von der Bundesliga ist hoch. Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen. Am Anfang war es ein großes Spiel und kein Problem, doch mit der Zeit zehrt es sehr an mir. Ich weiß nicht, ob ich den ständigen Druck zwischen dem heterosexuellen Vorzeigespieler und der möglichen Entdeckung noch bis zum Ende meiner Karriere aushalten kann.</em></p>
<p><em>Aber was wäre so schlimm daran, wenn es rauskommt? Es schaltet auch niemand ab, wenn im Showgeschäft Hape Kerkeling eine Sendung moderiert.</em></p>
<p><em>Ich denke, Fußball und die Medien sind komplett verschieden. Auch wenn ich es natürlich dumm finde, passt das Klischee des &#8220;Standard-Schwulen&#8221; irgendwie in die bunte Welt des Fernsehens. Fußballer dagegen sind das männliche Stereotyp schlechthin. Sie müssen Sport lieben, aggressiv kämpfen und gleichzeitig das große Vorbild sein. Schwule sind das alles einfach nicht. Punkt. Oder soll jemand eine aufgebrachte Menge von Fans vor dem Spiel aufklären, dass &#8220;die Schwulen&#8221; eigentlich auch nur ganz normale Männer sind und gleich mitspielen? Unvorstellbar. In der Situation im Stadion oder nach dem Spiel wird jeder kleine Anlass in der Gruppe zu einer ganz großen Angelegenheit. Ich wäre nicht mehr sicher, wenn meine Sexualität an die Öffentlichkeit käme.“</em></p>
<p>Für die Sicherheit der Bundesbürger ist eigentlich der Bundesinnenminister zuständig. Aber der käme, trotz einem schwulen Kollegen im Außenamt, nie auf die Idee, sich für den Schutz schwuler deutscher Fußballprofis stark zu machen. Die Kanzlerin, die sich so gern im Glanz der DFB-Jungs sonnt, schon gar nicht. Obwohl sie quasi alle heiligen Kühe der Christdemokratie geschlachtet hat. Abschaffung der Wehrpflicht? Klar. Raus aus der Atomkraft? Na gut. Mindestlohn? Auch das. Homo-Ehe? O Gott, igitt, also wirklich &#8230;.</p>
<p>Es wird nicht einfach. Der ZEIT-Autor Steffen Dobbert hat zu Recht argumentiert:</p>
<p><em>„Der Kampf gegen Homophobie ist ähnlich wie jener gegen Antisemitismus und Rassismus oft einer gegen Windmühlen. Im Fußball gilt das mehr als in anderen Gesellschaftsteilen. Bestrafte der <a href="http://www.zeit.de/schlagworte/organisationen/dfb">DFB</a> jede homophobe Äußerung von Spielern, Trainern, Funktionären und Fans, müsste an jedem Wochenende wohl mindestens jedes zweite Fußballspiel unterbrochen werden.“</em></p>
<p>Aber es ist höchste Zeit. Und ein unerträglicher Zustand, dass die gesamte Republik Männern zujubelt, wenn sie im Trikot auflaufen, die sie gleichzeitig dazu zwingt, mit der Lüge zu leben.</p>
<p>Wir haben in Berlin einen schwulen Bürgermeister, einen schwulen SPD-Landeschef, einen schwulen Außenminister und offen lesbische Fußballnationalspielerinnen. Was wäre, wenn wir auch offen schwule Bundesligatrainer oder -spieler haben könnten?</p>
<p>Es wäre die wahre Einlösung des DFB-eigenen Werbespruchs: Màs integracion.</p>
<p>Mehr Integration.</p>
<p>Lasst uns Jason Collins beim Wort nehmen. Und die Debatte führen. Jetzt und hier.</p>
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		<title>Moraldebatte - Oder: Uli Hoeneß und das Mehr</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 07:20:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Timotheus Tiger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Richtig. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Auch korrekt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Richtig. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Auch korrekt. Im Steuerfall Uli Hoeneß stelle ich fest: Das Glas hat er selbst mutwillig zerstört. Also werfen wir auch mal ein bisschen. Und erstmal nicht gegen ihn.</p>
<p>Vorweg: Wie jeder aufgeklärte Mensch und Verteidiger der demokratischen Grundordnung habe ich meine Probleme mit Bayern München. Daher nahm ich die ersten Meldungen über die Steueraffäre Hoeneß und seine Selbstanzeige, veröffentlicht im <a href="http://www.focus.de/sport/fussball/verdacht-der-steuerhinterziehung-bayern-praesident-uli-hoeness-und-das-konto-in-der-schweiz_aid_966788.html" target="_blank">Mitteilungsblatt des FC Bayern</a>, mit – sagen wir: mäßiger Bestürzung auf.</p>
<p>Gut, ich will ehrlich sein: In diesem Moment sitze ich mit einem Glas Münchner Wodka vor einem Berg Sonntagspresse, den ich mit großem Genuss lesen wollte. Ich war gespannt, was die Sportjournalisten und Edelfedern aus der Affäre machen würden. Mehr Steilvorlagen als Uli Hoeneß kann man für eine solche Story nicht liefern.</p>
<p><a href="http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article115467887/Als-Hoeness-von-Steuern-und-Gefaengnis-sprach.html" target="_blank">WELT ONLINE</a>, dpa und andere stellten die schönsten verbalen Schuhplattler des Bayern-Präsidenten zusammen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es ist doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen.&#8221; (Uli Hoeneß, 2002, auf die Frage nach Schwarzgeld-Fällen in der Bundesliga)</p>
<p>&#8220;Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.&#8221; (Uli Hoeneß, 2005)</p>
<p>&#8220;Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.&#8221; (Uli Hoeneß, 2011)</p></blockquote>
<p>Und dann ist da noch der Fall Christoph Daum. Der sollte nach der EM 2000 neuer Bundestrainer werden, was Uli Hoeneß nachhaltig nicht gefiel. Legendär sein Call-in beim <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sport1#Geschichte" target="_blank">FC-Bayern-Fernsehen</a>. Mit sich mehrfach überschlagender Stimme legte Hoeneß nahe, dass es sich bei Christoph Daum um einen drogenabhängigen Irren handle, der sich anschicke, eines der höchsten deutschen Staatsämter zu erklimmen. Und das in einer der moralisch saubersten Instanzen neben dem Bundesverfassungsgericht, nämlich dem DFB. (Das sagte Hoeneß nicht, ist aber trotzdem witzig.) Fein zurecht gelegt auch die Pointe seines Anrufs: Was denn die Kinder denken sollten, wenn man sowas einfach hinnehme.</p>
<p>Noch spannender ist in diesem Zusammenhang – und deshalb erwähne ich die Geschichte – wie Hoeneß selbst in einem <a href="http://www.t-online.de/sport/id_19579736/uli-hoeness-erneuert-feindschaft-zu-christoph-daum.html" target="_blank">Fernseh-Interview im Jahr 2009</a> auf seinen Telefonangriff zurückblickte: &#8220;Wenn Christoph Daum nicht so bescheuert gewesen wäre, eine Haarprobe zu machen, hätte ich dieses Spiel nie gewinnen können.“</p>
<p>Darf ich das mal eben übersetzen? Hoeneß gesteht damit ein, dass er NICHTS in der Hand hatte bis auf einen persönlichen Verdacht. Und dass er auf dieser Basis mit seiner Moralinsäure-Attacke Ruf und Existenz von Christoph Daum in den Keller ätzte – das war: ein „Spiel“?!</p>
<p>Der langjährige Manager und jetzige Präsident des FC Bayern stand bei mir seit diesem Telefonat unter einem gewissen Vorbehalt, er saß quasi in einem Glashaus mit mindestens fünf hintereinander liegenden Fensterfronten. Dreizehn Jahre nach Hoeneß’ Telefonat war ich gespannt auf die Abrechnung und den satten medialen Aufprall bei einer rekordmeisterlichen Fallhöhe.</p>
<p>Es ist aber nur leider nichts passiert. Der Sport-Aufmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lacht dem mehrfach und zu Recht ausgezeichneten Ressort Hohn. Und gäbe es nicht Sylvia Schenk von Transparency International, hätte es an diesem Wochenende vermutlich überhaupt keine kritischen Stimmen gegeben. Sieht man von der SPD ab, die von der nachgerade symbiotischen Beziehung zwischen FC Bayern und der CSU zu profitieren hofft. (Die <a href="http://taz.de/Wuerstchen-und-Wertpapiere/!114897/" target="_blank">taz</a> erinnert heute an Bayerns ehemaligen Finanzminister und späteren CSU-Chef Erwin Huber. Der hatte in den 70er-Jahren wegen Ermittlungen gegen Franz Beckenbauer interveniert: &#8220;Franz, wenn was ist, nur melden.&#8221;)</p>
<p>Ich werde mir dieses Jahr wohl zum ersten Mal ansehen, wie der FC Bayern samt Uli Hoeneß auf dem Münchner Rathausbalkon die deutsche Meisterschaft feiert, eingeleitet von einer kurzen Ansprache durch Münchens OB Christian Ude. Seines Zeichens überzeugter 1860-er und zudem Spitzenkandidat der Bayern-SPD bei der Landtagswahl im Herbst.</p>
<p>Die sonst sehr selbstbewussten Sportjournalisten legten sich kaum fest. Keine wirklich scharfen Worte, keine eigenen Recherchen. Zu Recht verwiesen einige Redakteure darauf, dass noch lange nicht alle Fakten bekannt sind. Viele schrieben auch, zum jetzigen Zeitpunkt könne man nur eine moralische Debatte führen.</p>
<p>NUR? Es mag am Wodka liegen oder einer gewissen emotionalen Vorbelastung. Aber wie groß muss die Angst vor der Macht-Instanz Bayern München im allgemeinen und Uli Hoeneß im besonderen sein, wenn an einem Wochenende – und damit in der Hoch-Zeit der analytischen Presse – diese Moraldebatte NICHT deutlich hörbar angepfiffen wird?</p>
<p>Die Argumente hat Hoeneß selbst schließlich frei Haus geliefert, zuletzt auch in einer Banker-Schelte zu Spekulationsgeschäften: &#8220;Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?&#8221;</p>
<p>Günther Jauch änderte am Sonntag kurzfristig das Thema der Sendung und titelte mit &#8220;Der Fall Uli Hoeneß&#8221;. Nächster Aufprallpunkt ist der kommende Donnerstag. Ich bin gespannt auf den &#8220;stern&#8221; und auf den BUNTE-Titel &#8220;Susanne Hoeneß: Wie sie jetzt ihrem Mann beisteht&#8221;.</p>
<p>Und vielleicht hat bis dahin auch wieder jemand Dienst, der mit Leidenschaft auf den Platz geht.</p>
<p>An die Tasten, Freunde!</p>
<p><em>[Bild: By Александр Корчик, via <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)" target="_blank">Wikimedia Commons</a>]</em></p>
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		<title>DSDS - Die Kirche des Kapitalismus</title>
		<link>http://sagwas.net/dsds/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Apr 2013 07:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Saxer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Jede Woche wieder ziehe ich mir „Deutschland sucht den Superstar“ rein. Ja, ja, ich weiß, DSDS ist zynisch, manipulativ, heuchlerisch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jede Woche wieder ziehe ich mir „Deutschland sucht den Superstar“ rein.<br />
Ja, ja, ich weiß, DSDS ist zynisch, manipulativ, heuchlerisch, eigentlich eine Farce.</p>
<p>Und dennoch: Ich brauche den Junk wie ein Heißhungriger seinen Burger. Was ist so faszinierend an einer Fernsehshow, die mit großem Getöse junge Menschen selektiert, lächerlich macht, aussaugt und kurze Zeit später wieder in die Bedeutungslosigkeit entlässt, aus der sie gekommen sind?  DSDS ist die Kirche des Kapitalismus. Hier werden Werte vermittelt, Leitbilder geschaffen, Rollen definiert &#8211; kurzum: Ideologie reproduziert. Vor Millionenpublikum werden die großen Fragen der Nation verhandelt: Wer ist einer von uns? Und was bedeutet das eigentlich? Wer erhält eine Chance, seine Träume zu verwirklichen? Und was muss man dafür tun? Identität und Teilhabe, Aufstieg oder Exklusion, Schuld und Vergebung in der kapitalistischen Ethik.</p>
<p>Häh, wie das? Schauen wir genauer hin.</p>
<p><strong>Vom Menschen zum Humankapital: Das neoliberale Leistungsethos</strong></p>
<p>Der Hohepriester des Neoliberalismus Dieter Bohlen hämmert seinen Jüngern das Glaubensbekenntnis mit jedem Satz ein: Du musst hart an Dir arbeiten, Du musst Leistung bringen, Du musst hier jedes Mal abliefern. Scheißegal ob Deine Frau ein Kind bekommt, ob Du heute krank bist oder Dein Vater Dich verprügelt hat – alles was zählt ist Deine Leistung hier und jetzt.  Das ist nicht der bürgerliche Verdienstbegriff, der danach urteilt, ob einer ‚wirklich gut singen kann‘. Das ist auch kein sozialer Leistungsergriff, der die Lebensumstände berücksichtigt. Das ist der kalte Leistungsbegriff des Neoliberalismus, der sämtliche Lebensrisiken den Individuen aufbürdet.</p>
<p>Aus neoliberaler Perspektive hat ein Arbeitsloser sich nicht genug angestrengt, ein Kranker sich falsch ernährt und ein Gebrechlicher sein Fitnessprogramm vernachlässigt. Das ganz auf sich gestellte Individuum, das ohne zu murren hart an sich arbeitet, ohne Hilfestellung Leistung bringt und bei Wind und Wetter abliefert. So wird aus Menschen Humankapital, das der globalisierte Kapitalismus beliebig verschieben, aussortieren, und verschleißen kann.</p>
<p><strong> Vom Tellerwäscher zum Superstar? Das Heilversprechen des Kapitalismus</strong></p>
<p>Warum unterwerfen sich die Kandidaten diesem Martyrium? Warum lassen sie sich vor großem Publikum beleidigen, maßregeln und lächerlich machen? Wofür arbeiten sie Tag und Nacht, verzweifeln und kämpfen sie? Für das Heilversprechen des Kapitalismus: dass jeder es schaffen kann. Dass jeder es vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Problemschüler zum Superstar bringen kann. Wenn man nur, wir haben‘s ja schon kapiert: hart an sich arbeitet, Leistung bringt und abliefert.</p>
<p><strong>All Menschen werden Brüder? Gleichheit im Konsum</strong></p>
<p>Da ist sie wieder, die alte Janusköpfigkeit des Kapitalismus. Rund um den Erdball wälzt er Gesellschaften um, ebnet alte Trennlinien ein, und schafft zugleich neue Unterschiede. Slavoj Zizek hat auf das emanzipatorische Potential dieses multi-kulturellen Kapitalismus&#8217; hingewiesen. Hier blitzt das Händlerethos auf: Egal wer Du bist oder woran Du glaubst, Dein Geld ist gleich gut. Alle Menschen werden Brüder? Nein, aber zumindest shoppen sie friedlich Seite an Seite.</p>
<p>Gleichzeitig macht das multi-kulturelle Prekariat die neuen Trennlinien des Kapitalismus sichtbar. Ob nun seit Jahrhunderten ansässig oder gerade erst zugewandert: Ein Kind aus dem „bildungsfernen Milieu“ hat nicht allzu viele Lebenschancen. Oft bleiben nur drei Wege nach oben: die Armee, der Sport, und das Showgeschäft. Willkommen bei DSDS.  Es ist daher kein Zufall, dass die DSDS-Kandidaten ein Potburri an Bindestrichdeutschen sind. Und es überrascht nicht, dass hier ehrgeizige und talentierte junge Menschen die Chance, die ihnen (vermeintlich) gegeben wird, mit beiden Armen umklammern. Die Tränen der Gescheiterten, der Enthusiasmus der Sieger sind daher echt. Und gleichzeitig der eigentliche Treibstoff der Unterhaltungsindustrie.</p>
<p><strong>Die kunterbunten Messdiener des Kapitalismus</strong></p>
<p>Und doch geht es hier um mehr als um Gladiatoren, die zur Unterhaltung des Publikums um eine Lebenschance kämpfen. Junge Menschen, die um ihren Patz in der Gesellschaft ringen, waren zu allen Zeiten die idealen Fackelträger der jeweils herrschenden Ideologie. Ihr Enthusiasmus und ihre Naivität machen sie zur leichten Beute. Ihr heiliger Ernst, ihre verzweifelte Entschlossenheit macht Ideologie fühlbar. Von den Messdienern wird also ein Gesellschaftsideal vorexerziert. Es ist das Gesellschaftsideal des globalisierten Kapitalismus. Weinende Muttis im Kopftuch, dunkelhäutige Leistungsträger, Araberinnen im Bikini, farbenfrohe Trachten am Bühnenrand: Hier wird das Bild einer kunterbunten Gesellschaft zelebriert, in der jeder einen Platz hat, der eben ansicharbeitetleistungbringabliefert.</p>
<p><strong>Schuld und Vergebung im Kapitalismus</strong></p>
<p>Bei allem Zynismus über die Halbjahreskarrieren der Vorjahressieger: In der Kirche des Kapitalismus geschehen auch echte Wunder. Die Ausgeschlossenen erhalten die Chance, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn, ja wenn sie sich nur an die Gebote ihres Herren halten und hart an sich arbeiten, Leistung bringen, abliefern. Und den Gefallenen wird Vergebung ihrer Sünden gewährt, wenn sie sich in kleinen Einspielfilmchen tränenreich für ihre vergangenen Fehltritte um Vergebung bitten.</p>
<p><strong>Der Mensch bleibt Mensch</strong></p>
<p>Nur das Publikum, das ungezogene Gör, spielt nicht mit. Verweigert den Jury-Favoriten die Anrufe. Stimmt nach Sympathie ab, nicht nach Leistung. Denn oft wirken gerade die Kandidaten, die am abgeklärtesten die Logik der Show befolgen, kalt und berechnend. Und das Publikum will sich lieber identifizieren, verlieben, mitfiebern statt Leistung zu belohnen. Aber warum soll es der Kirche des Kapitalismus besser gehen als ihren Vorgängern. Der Mensch bleibt Mensch, und pfeift auf die Gebote.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;">Artikelbild: kallejipp / photocase.com</p>
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		<title>sagwas stellt vor! - Jan Rößner</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 08:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Rößner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[… sagt was? Ich sage etwas, um zum Nachdenken anzuregen und weil ich denke, dass man Dinge &#8211; aber auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-4659" title="Jan_Roessner_NEU" src="http://sagwas.net/wp-content/uploads/2013/04/Jan_Roessner_NEU-310x310.jpg" alt="" width="310" height="310" /></p>
<p><em>… sagt was?</em></p>
<p>Ich sage etwas, um zum Nachdenken anzuregen und weil ich denke, dass man Dinge &#8211; aber auch Sachen &#8211; immer erst einmal ausdiskutieren sollte, bevor man sich ein voreiliges Urteil bildet. Das Leben hält ja schließlich so viele schöne Facetten bereit und dumm sind, meiner Meinung nach, nicht wirklich viele &#8211; nur…. anders! Auf jeden Fall freue ich mich nach dem Sagen immer auf eine Reaktion und einen angeregten Diskurs &#8211; möge er lieb oder nicht so lieb sein. Aber bitte sachlich! <img src='http://sagwas.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><em>… tut was?</em></p>
<p>Sich mit möglichst vielen Menschen auseinandersetzen. Ich weiß, das Leben ist zu kurz, um jeden kennenlernen zu können. Aber definitiv ist es auch zu kurz, um nur in der ewig eigenen Schiene bleiben zu dürfen. Ich möchte gerne mehr Kommunikation anfachen, mit möglichst unterschiedlichen Menschen… deswegen bin ich auch so ein großer Social Media Fan! Gerne gebe ich beim Kommunizieren auch Starthilfe oder Wegbegleitung.</p>
<p><em>… will was?</em></p>
<p>Dass die Menschen sich wieder mal ein wenig mehr eigenständig informieren. Der Fernseher ist sicherlich ein probates Mittel, schnell und mundgerecht Informationen zu konsumieren. Aber das wirkliche Leben &#8211; also das echte &#8211; findet doch draussen zwischen Menschen statt. Leider haben die Ereignisse jüngster Zeit gezeigt, dass die Medien an sich nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sind. Deswegen befürworte ich MEHR DISKUSSIONEN, damit man auch mal andere Standpunkte hört. Ich bin auch stets gewillt, dazu zu lernen.</p>
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		<title>Wenn Drohnen drohen - Eine Pro-Contra-Debatte über den (deutschen) Einsatz von Drohnen</title>
		<link>http://sagwas.net/wenn-drohnen-drohen/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 23:58:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sagwas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pro-Contra-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie sind flinke, ausdauernde und angeblich sehr präzise Instrumente in Konfliktgebieten rund um den Globus: Drohnen. Für die eine Seite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie sind flinke, ausdauernde und angeblich sehr präzise Instrumente in Konfliktgebieten rund um den Globus: Drohnen.<br />
Für die eine Seite bedeuten sie eine Erweiterung des Lagebildes, um effektiver und sicherer &#8220;zuschlagen&#8221; zu können, fast schon das Ende des Kollateralschadens. Für die andere Seite bedeutet ihr Einsatz, dass sich die Büchse der Pandora geöffnet hat. Lautlos und fernab menschlicher Hemmschwellen im Rahmen eines Einsatzes lassen sich Drohnen für heikle und vor allem tödliche Missionen einsetzen, ohne dass jemand vor Ort, wie in einem bemannten Flugzeug, mit der Wimper zucken muss.</p>
<p>Welche Vor- und Nachteile bringen Einsätze von bewaffneten wie auch unbewaffnete Drohnen mit sich? Welche Rolle sollte und könnte dabei Deutschland spielen? Wird die Welt durch Drohnen sicherer und wenn ja, für wen? Oder kann man durch ihren Einsatz von einer Eskalation der Kriegs- und Gewaltspirale sprechen?<br />
Diesen Fragen stellen sich unsere Blogger Jan Rößner und Christian Stahl in der Pro-Contra-Debatte: Wenn Drohnen drohen &#8211; Ist der weltweite Einsatz, auch unter deutscher Beteiligung, ein wichtiges Mittel in der Krisenbewältigung und Kriegsführung?</p>
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		<title>Zombiekapitalismus</title>
		<link>http://sagwas.net/zombiekapitalismus/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 00:43:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Saxer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf Trent de Jongs Zombie Blog (http://trentdejong.com) wimmelt es nur so von Vampiren, Werwölfen und Untoten. Die Monster saugen hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf Trent de Jongs Zombie Blog (<a href="http://trentdejong.com/">http://trentdejong.com</a>) wimmelt es nur so von Vampiren, Werwölfen und Untoten. Die Monster saugen hier aber kein Blut und fressen keine Hirne. Ganz im Gegenteil: Der Autor legt uns selber auf seine Couch. Alle Großen des Monster Dekonstruktivismus (jawohl, so etwas gibt es) kommen hier zu Wort, um zu klären welche Funktion Monster für uns haben. Nicht umsonst waren die Mythen und Legenden aller Völker zu allen Zeiten von Untoten, Übermenschen und Halbwesen bevölkert. Im Kern geht es um das menschliche Bedürfnis, die eigene Identität in Abgrenzung zum „Anderen“ zu definieren. Erst die Unmenschen erlauben es uns, das Menschliche in uns zu erkennen. Im Gegensatz zum Tier sind die Monster allerdings Halbwesen, die immer einen Teil Menschliches in sich tragen. Frankenstein ist noch nicht, der Werwolf nur manchmal, die Zombies nicht mehr Mensch. Wir erkennen uns in diesen Spiegeln und erschrecken. Es ist exakt diese Verwischung der Grenzen zwischen Mensch und Bestie, zwischen Leben und Tod, zwischen Individuum und Massen, zwischen Selbst und Anderen, zwischen Körper und Technik, die das Schaudern ausmacht. Die Terminatoren, Aliens und Vampire Hollywoods spielen mit dieser Ambivalenz und provozieren in Super 3D unsere ältesten Urängste.</p>
<p>Soweit, so amüsant. Man könnte den alten Monster ein neues Leben in der Popkultur wünschen und sich anderem zuwenden, wäre da nicht die Frage, worum einige von ihnen plötzlich zu, naja, Popstars aufsteigen. Begonnen hat alles mit den Aliens, die nach Jahrzehnten als skurile Spinnerobsession den X Akten entstiegen und gleich hordenweise unsere Heimat Erde angriffen. Die irrationale Furcht vor Außerirdischen, Fremden, Andersartigen, Aus-ländern verweist auf die Krise der eigenen Identität. In Kombination mit den Weltuntergangsphantasien um die Jahrtausendwende hatte diese Krise etwas Paranoides. In dutzenden von Filmen wurden wieder und wieder die Symbole des Kapitalismus und Amerikas – die Zwillingstürme, das Weiße Haus &#8211; zerstört. Nur ein Jahr später machte eine Gruppe von Anti-Amerikanern, Anti-Modernen, Anti-Christen aus den Fieberträumen grausame Wirklichkeit. Und die Amerikaner jagten Monster in den Höhlen von Tora Bora und im Sand des uralten Zweistromlandes.</p>
<p>Als nächste wurden die Vampire aus ihren Särgen geholt. Vampire waren immer Symbole sexueller Leidenschaft. Und doch lässt sich auch hier eine deutliche Bedeutungsverschiebung beobachten. Die alten Draculas waren konservative Monster, die sexuelle Sittlichkeit anmahnten: Gibt Dich Deiner Leidenschaft nur ein einziges Mal hin, und sei in alle Ewigkeit verbannt. Die neuen Vampire sind Sexsymbole, libertäre Casanovas, sexuelle Rebellen. Spiegelt sich darin die Emanzipation der weiblichen Sexualität? Oder die wachsende Akzeptanz von Queer Identities?</p>
<p>Der Vampirkult ist also ein Signifikant, ein Marker eines sozio-kulturellen Umbruchs. Gesellschaftliche Transformation und der damit verbundene Kulturwandel vollziehen sich oft schleichend und für den oberflächlichen Betrachter unbemerkt. Oft werden die Umwälzungen erst mit dem Abstand von Jahrzehnten sichtbar. Mitten im Getümmel lässt sich aber nur schwer in Worte fassen, was genau sich verändert. Popphänomene weisen daher immer über sich hinaus. Sie sind Symbole für schwer zu Benennendes, sie machen komplexe Fragen emotional erfahrbar und berühren genau deswegen plötzlich Millionen von Menschen. Im Zeitalter der sozialen Medien verbreiten sich solche intuitiven Aussagen über alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg in Windeseile um die Welt.</p>
<p>Womit wir bei den Zombies wären. Warum wanken auf einmal Untote durch hunderte von Filmen, Fernsehserien, Werbeclips und Videospiele? Wofür steht der Zombie, und warum ist er plötzlich so populär? Zunächst die Fakten. Bei einer Umfrage zur wahrscheinlichsten Form des Weltuntergangs nannten die Befragten die Zombie-Apokalypse an dritter Stelle. Mehr als die Hälfte aller Zombiefilme wurden nach der Jahrtausendwende gedreht. Mein Bauchgefühl sagt mir allerdings, dass die Zombie-Invasion zu einem anderen Datum begann: am 15. September 2008, dem Zusammenbruch der Lehman Brothers. Die Untoten symbolisieren das, was Colin Crouch das „befremdliche Überleben des Neoliberalismus“ genannt hat. Der globale Finanzkapitalismus ist klinisch tot, doch wir erhalten ihn mit künstlicher Beatmung weiter am Leben. Erinnern die Finanzmarktanalysten, Wirtschaftsexperten und Rettungsschirmspanner nicht an die bleichen Untoten, die grunzend ihren sinnentleerten Routinen folgen? Und ernähren wir nicht längst Zombiebanken und untote Unternehmen am staatlichen Tropf? Ist nicht die ganze Finanzkrise eine Farce, ein geschmackloses Remake der Great Depression von 1929? Erinnert vielleicht daher die Atmosphäre an einen Zombiefilm: der Einbruch der Katastrophe in unser alltägliches Leben, die immer neuen Schocks, und die Absurdität der ganzen Szenerie? Und dennoch, Zombies sind nicht nur komisch, sondern zum Fürchten. Lässt man sie zu nahe an sich heran, fressen sie Hirn und Herz, und man wird selber Teil der hirnlosen Masse. Wobei es nicht ohne Ironie ist, dass die hirnlose Zombiehorde die Urangst der Liberalen verkörpert: der Tod des Individuums in der Masse.</p>
<p>Wir wissen insgeheim alle, dass der Finanzkapitalismus nicht mehr lebendig werden kann. Und doch hoffen wir weiter, dass ein Wunder geschieht und die Untoten auferstehen. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir uns die Wahrheit eingestehen, dass man Tote ruhen lassen muss. Bis dahin führen uns die Zombies weiter vor, was wir in der Realität nicht wahrhaben wollen.</p>
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		<title>Die Brandkatastrophe in Baden-Württemberg - Eine emotionale Statusmeldung</title>
		<link>http://sagwas.net/die-brandkatastrophe-in-baden-wurttemberg/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 15:10:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bobby Rafiq</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist wieder da, dieses mulmig-ekelhafte Gefühl: Bitte lass es keine Neonazis gewesen sein! Immer wieder, wenn ich Bilder eines Hauses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist wieder da, dieses mulmig-ekelhafte Gefühl: Bitte lass es keine Neonazis gewesen sein! Immer wieder, wenn ich Bilder eines Hauses sehe, in dem das Feuer erbarmungslos wütete und Menschen verschlang, die zudem einen Migrationshintergrund besaßen, bettel’ ich darum.<br />
Mitgefühl und Beileid werden von diesem Gedanken kontaminiert.</p>
<p>Eine furchtbare Tragödie. Mein Beileid gilt den Angehörigen: Acht Menschen sind bei dem Brand im schwäbischen Backnang gestorben – verbrannt oder erstickt. Eine 40-jährige Mutter und sieben ihrer Kinder, das jüngste wenige Monate alt. Alle mit türkischem Background.Vielleicht war es ein tragischer Unfall, vielleicht aber eben auch nicht. Und wenn nicht, wer kann es gewesen sein? Möglicherweise irgendwelche hirnamputierten Jugendlichen, die Spaß am Zündeln haben, vielleicht eine nicht richtig ausgetretene Zigarette oder ein irrer Pyromane – in der Region soll es eine Reihe von Brandstiftungen gegeben haben. Vielleicht aber eben auch jene Leute, deren Taten ganze Aktenberge anhäufen, die seit Jahren von verwilderten Schreddern in so mancher Sicherheitsbehörde verschlungen werden. Das Schwarze Loch der Inneren Sicherheit. Es scheint ein braunes zu sein. Und es verursacht Vorurteile <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/brand-von-backnang-ein-neues-solingen/7911200.html" target="_blank">nicht nur bei mir</a>.</p>
<p>Heute wurde mir während eines Gesprächs mit einem Freund klar, wie selbstverständlich dieses mulmig-ekelhafte Gefühl für mich geworden ist. Genauso selbstverständlich wie man bestimmte Regionen in Deutschland meidet. Es ist ganz normal. Das muss man sich mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Es. Ist. Ganz. Normal.</p>
<p>Selbst wenn sich in den nächsten Tagen herausstellen sollte, dass es der Holzofen war oder die Stromleitungen, wird dieses Mulmig-Ekelhafte bleiben. Ein Gefühl von tiefem Misstrauen. Wird uns die Wahrheit mitgeteilt? Werden die Ermittlungen auch wirklich sorgfältig durchgeführt? Wer kontrolliert die, die für die Kontrolle der Ermittlungen zuständig sind?</p>
<p>Die Fakten der Vergangenheit führen zum spekulativen Kapriolenschlag in der Gegenwart. Trotz eines hervorragend arbeitenden Bundestagsuntersuchungsausschusses. Oder vielleicht auch gerade deshalb.</p>
<p>Man kann sich nicht dagegen wehren. Dieses Gefühl taucht bei ähnlich schrecklichen Meldungen schneller auf, als es einem lieb ist. Die Assoziationen sind einfach da. Die meisten Male verdrängt man sie irgendwie. Aber manchmal bleiben sie hängen. Erst recht in Zeiten des Schredder-Fetischs.</p>
<p>Gerade erst jährte sich der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mordanschlag_von_Mölln" target="_blank">Brandanschlag von Mölln</a> zum zwanzigsten Mal, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brandanschlag_von_Solingen" target="_blank">der von Solingen</a> wird im Mai zwei Jahrzehnte zurückliegen. Der Prozess gegen den NSU beginnt in wenigen Wochen. Aktuell <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-in-muenchen-richter-verweigert-tuerkischem-botschafter-festen-platz-1.1619010" target="_blank">beweist</a> der verantwortliche Richter, dass Fingerspitzengefühl nichts mit Sensibilität zu tun haben muss. Und letztes Jahr wurde mir klar, wenn Pannen in Serie gehen, dann nennt man es Sabotage!</p>
<p>Über meine Gefühlswelt zu schwadronieren, wird die Toten des Hausbrands nicht wieder lebendig machen und auch nichts zur Aufklärung beitragen. Sie steht aber exemplarisch für die sehr vieler Menschen in Deutschland. Unter ihnen sind auch etliche Deutsche ohne Bewegungshintergrund. Aber bei rassistisch motivierten Taten sehen sich vor allem diejenigen in der Gefahrenzone, die anders aussehen und anders heißen. Erst recht, seitdem die Ermittler der „SOKO Bosporus“ gezeigt haben, wie man sich <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rechtsextremismus/soko-bosporus-sehr-nah-dran-aber-leider-auch-weit-weg-11731794.html" target="_blank">mit Ansage</a> ver-mitteln kann.</p>
<p>Ich treffe immer wieder auf Personen mit Bewegungsmelder im Hintergrund, die einem vorwerfen, man solle sich nicht so sehr darauf fokussieren, sich nicht hineinsteigern, keine Paranoia entwickeln. Spätestens nach dem dritten Bierchen stellt sich dann aber heraus, dass diese Aufforderungen vor allem ihnen selbst galten. Auch sie haben Angst. Aber auf Dauer ist es zugegebenermaßen einfach uncool und vor allem anstrengend, als migrantischer Hasenfuß durch die Gegend zu hoppeln. Deshalb wird eifrig verdrängt.</p>
<p>Vielleicht ist Angst auch das falsche Wort. Mittlerweile ist es Wut. Schmerzvolle Wut.<br />
Man versucht sie zu ignorieren, aber sie ist ein Bumerang. Einer, der auf seinem Weg zurück stetig wächst.</p>
<p>Eines wurde mir heute aber klar: Nach Solingen stellte sich Frau Genç, Mutter, Großmutter und Tante der Opfer, wiederholt vor Kameras und sprach von Versöhnung. Nach den NSU-Morden und den jahrelangen falschen Verdächtigungen seitens der Ermittlungsbehörden sehnen sich die Angehörigen bis heute nach einer sorgfältigen und endgültigen Aufklärung der Taten. Keiner dieser Menschen hat zur Gewalt aufgerufen. Keiner spricht von Rache.<br />
In den „sozialen Brennpunkten“, für manche ein Synonym für dichtes migrantisches Leben, blieb es bisher weitestgehend ruhig.</p>
<p>Sehen so ständig beklagte, angeblich massenhaft vorhandene, Integrationsdefizite aus? Fühlt sich so die von Frau Schröder thematisierte Deutschenfeindlichkeit an? Weit und breit keine Massenkrawalle und Aufrufe zum Dschihad gegen Neonazis, Rechtspopulisten und ihre Steigbügelhalter, außer von den üblichen Verdächtigen.</p>
<p>Bis zur berühmten letzten Patrone kämpfte das NSU-Trio. Und die gefährlichste Parallelgesellschaft scheint es in wichtigen Teilen der deutschen Sicherheitsbehörden zu geben. Ich hoffe nicht, dass wir eines Tages Angst vor unserer eigenen Wut bekommen werden. Denn sie macht blind! Lieber wäre es mir, meine persönliche Spekulationsblase könnte bald platzen.</p>
<p style="text-align: right;"> Artikelbild: mandalla / photocase.com</p>
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		<title>Museum der Hoffnung - Warum auch der neue Papst nur in die Vergangenheit blicken wird</title>
		<link>http://sagwas.net/museum-der-hoffnung/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 11:08:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Krause</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogger-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Sagwas-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Benedikt XVI. war ein bedeutender Papst – denn aus Sicht seiner hermetischen Welt hat er alles richtig gemacht: die Muslime [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Benedikt XVI. war ein bedeutender Papst – denn aus Sicht seiner hermetischen Welt hat er alles richtig gemacht: die Muslime attackiert; die Distanz zum Judentum vergrößert; Fortschritte in der Ökumene zwar von den Protestanten eingefordert, eigene Schritte auf sie zu faktisch aber verhindert und die radikalkatholische Piusbruderschaft rehabilitiert. Wer sein Pontifikat als Ansammlung von Ungeschick, Pannen und mangelndem Einfühlungsvermögen abtut, macht es sich zu einfach. Denn in einer Zeit zunehmenden Bedeutungsverlustes der Kirchen in faktisch allen modernen Gesellschaften, handelte Benedikt seinen eigenen Überzeugungen und Ankündigungen entsprechend: Eher solle die Kirche ein kleiner Kreis wahrer Gläubiger sein, als ein, durch Kompromisse verwässertes, Massenphänomen.</p>
<p>Dass Benedikt eine wirkliche Aufklärung des monströsen, weitläufigen und teilweise systematischen Kindesmissbrauchs in vielen kirchlichen Institutionen nicht mit aller nötigen Konsequenz vorangetrieben hat, ist ein Zeichen seiner Führungsschwäche und vielleicht haben ja all jene Recht, die seinen Rücktritt als Eingeständnis der Hilflosigkeit angesichts der Vatileaks-Affäre betrachten, in deren Verlauf die Kirchenspitze als eine von Korruption, Günstlingswirtschaft und Amtsmissbrauch durchsetzte Organisation enthüllt wurde.</p>
<p>Benedikt XVI. hat nie verheimlichen können, welche Probleme er mit der ihn umgebenden Welt hat. Er hat die Moderne nie verstanden, sich mit allen Mitteln gegen den Relativismus gewandt und im Zeitalter der Deutungshoheit der Naturwissenschaften seine Hardliner für die bevorstehenden Ideologiekämpfe in Stellung gebracht. Schon allein deswegen hat er die größte, von ihm erwartete Aufgabe, eine wirkliche Reform der Kurie, nie in Angriff genommen. Und genau da liegt das Problem; es ist ebenso ein strukturelles wie ein substanzielles: Ein Establishment reproduziert sich immer selbst, umso mehr in einem quasi-absolutistischen System wie dem der katholischen Kirche.</p>
<p>Der Theologe und Papst Ratzinger war ebenso dogmatisch frauen-, homosexualitäts- und naturwissenschaftsfeindlich wie seine Vorgänger; und er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass die katholische Lehre keinerlei Interpretationsspielräume zulässt. Die Mitglieder der Kurie, inklusive aller papstfähigen Kandidaten, haben das abgeschlossene Gedankengebäude ihrer „reinen Lehre“ verinnerlicht. Wer vom nächsten Papst also ein Ende des Zölibats, ein Priestertum für Frauen oder einen Wiedereinstieg in die Schwangerenkonfliktberatung erwartet, wird enttäuscht werden. Benedikts zentrales Thema war sein Postulat, dass Glaube und Vernunft nicht nur vereinbar seien, sondern einander unabdingbar ergänzten. Was nämlich erfreulich aufgeklärt klingt, ist in Wahrheit nichts anderes als eine geradezu aberwitzige Beugung des Vernunftsbegriffs, wie sie in dieser Form wohl nur religiösen Menschen zu eigen ist.</p>
<p style="text-align: left;" align="center"><em>Religion und Vernunft?</em></p>
<p>Die Petersbasilika im Vatikan, hierzulande gerne und fälschlicherweise Petersdom genannt, ist ein atemberaubendes Beispiel für das immerwährende Streben des Menschen nach endgültigen Wahrheiten. Bramante, Maderno, Michelangelo, Raffael und Bernini waren nur einige der bedeutenden Künstler, die dieser Suche Ausdruck verliehen – doch wäre es nicht das Christentum gewesen, das sie zu ihren bedeutenden Beiträgen zur Kunst beflügelt hätte, sondern irgendein anderes Glaubensystem, sie wären nicht minder schöpferisch gewesen.</p>
<p>Denn die Entstehung des Christentums, seine Ausbreitung und heutiger Einfluss sind ebenso sehr von Zufall und Konvergenzen der Weltgeschichte getragen worden, wie die des Islams, des Judentums und aller anderen großen und kleinen metaphysischen Deutungssysteme. Sie alle stammen aus einer Zeit, in der die Vernunft im Sinne der Wissenschaftlichkeit noch nicht die tragende Bedeutung der Welterklärung innehatte, wie es heute zweifellos der Fall ist. Denn die wirklichen Antworten auf die Fragen nach der Substanz der Welt kommen schon lange nicht mehr von den Kanzeln – sie kommen aus den Labors der Physiker.</p>
<p>Auch hat die Wissenschaft längst die Funktionsmechanismen des Religiösen durchleuchtet: Menschen sind dort besonders religiös, wo die gesellschaftliche Ungerechtigkeit in Form einer Ungleichverteilung von Wohlstand und Perspektiven besonders ausgeprägt ist. Dort dienen Religionen den Habenden als Legitimation ihres Status’, den Nicht-Habenden als Trost und Erklärung ihrer Perspektivlosigkeit. Dass die Hirnforschung längst nachgewiesen hat, dass und wie religiöse Gefühle, bis hin zur kollektiven Psychose, vom Gehirn erzeugt werden, spielt für den getrösteten Gläubigen natürlich keine Rolle. Es ist die Gemeinschaftserfahrung, die die eigentliche Intensität religiöser Erlebnisse schöpft.</p>
<p>Kein gebildeter Mensch wird heute ernsthaft bestreiten, dass alle religiösen Schöpfungsmythen falsch sind. Der Kreationismus, in welcher Form auch immer, ist die letzte Bastion institutionalisierten Aberglaubens. Dennoch scheinen seine Verteidiger, all jene, die lieber glauben als wissen, lieber beten als denken wollen, weltweit auf dem Vormarsch zu sein. Sie gründen fundamentalistische christliche Schulen oder predigen salafistische Abgrenzungsideologien, erheben Alleinanspruch auf die Wahrheit – und das in einer Welt, in der ihr Irrtum längst bewiesen ist. Doch die Zunahme der Religiösen ist keine Zunahme durch Mission – sondern eine durch Demographie. Die Katholische Kirche ist die größte christliche Glaubensgemeinschaft der Welt. Rund 17,5 Prozent der Weltbevölkerung gehören ihr an, das sind fast 1,2 Milliarden Menschen. Doch die weit überwiegende Mehrzahl ihrer Angehörigen lebt in Ländern mit teils extrem ungleicher Verteilung des Wohlstands, was fast immer mit einer hohen Geburtenrate einhergeht. Allein deswegen werden Papstkandidaten aus Afrika und Südamerika diskutiert. Dass sich mit einem außereuropäischen Papst längst überfällige Modernisierungsschritte vollzögen, ist eine weitere, bereits jetzt, museumsreife Hoffnung. &#8220;Die Vorstellung, dass ein Papst aus Afrika die katholische Kirche weiter und weltoffener macht, ist schlicht eine Illusion&#8221;, sagt etwa der Münchner evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf, &#8220;da würde sich mancher deutsche Reformkatholik bald nach Papst Benedikt zurücksehnen.&#8221;</p>
<p>Wie dem auch sei, der nächste Papst wird ein schweres Erbe antreten: In Afrika werben verstärkt radikale wahhabitische Gruppen um Anhänger: Wo es früher ein gutes Miteinander von Muslimen und Christen gab, ist heute ein Dialog kaum mehr möglich. Bei den koptischen Christen in Ägypten etwa ist die Tendenz zu beobachten, selbst Parallelgesellschaften zu bilden. Das Ziel ist, eine stabile, nach außen abgeschlossene Gruppe zu bilden, um dem Ansturm der Islamisten gewachsen zu sein. Eine typische Reaktion religiöser Systeme – und ein Indikator  auch für das Handeln des Vatikan unter Benedikt XVI. und seinem Nachfolger.</p>
<p>Die Petersbasilika ist, wie alle anderen alten Tempel der Welt, ein Museum der Hoffnung auf Sinn, Antworten und Ewigkeit. Doch je mehr der Mensch über das Wesen der Natur weiß, desto mehr werden auch Kirchen, Moscheen und Synagogen den Weg der alten griechischen und römischen Tempel gehen. Religionen werden zu Mythen. Sie haben keine Deutungsmacht mehr, sind aber wichtiger und wertvoller Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Bis dahin ist es natürlich noch ein langer Weg. Doch der Weg ist beschritten, weltweit und unumkehrbar, wenn es auch noch Jahrhunderte dauern mag, dass die Vernunft letztlich die alten Mythen verdrängt.</p>
<p style="text-align: right;">Titelbild: kallejipp / photocase.com</p>
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