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Samba di Würzburg

Von Judith Dauwalter / 16. Oktober 2014

Wie gut passen deutsche Eifersucht und brasilianische Leichtlebigkeit zusammen? Ziemlich gut, wenn man ein paar Kompromisse eingeht, zeigt eine deutsch-brasilianische Liebesgeschichte aus Würzburg. Winter 2012, die Glühweinstände, Lebkuchenhütten und bunten Christbaumkugeln verwandeln den Würzburger Markt in ein heimeliges Vorweihnachtsparadies. Die Temperaturen sind eisig, Schal, Mütze und dicke Jacke sind ein Muss, um nicht zu frieren. […]

Wie gut passen deutsche Eifersucht und brasilianische Leichtlebigkeit zusammen? Ziemlich gut, wenn man ein paar Kompromisse eingeht, zeigt eine deutsch-brasilianische Liebesgeschichte aus Würzburg.

Winter 2012, die Glühweinstände, Lebkuchenhütten und bunten Christbaumkugeln verwandeln den Würzburger Markt in ein heimeliges Vorweihnachtsparadies. Die Temperaturen sind eisig, Schal, Mütze und dicke Jacke sind ein Muss, um nicht zu frieren.

Larissa und Mateus verbindet die gemeinsame Leidenschaft fürs Tanzen. (Foto: privat)
Larissa und Mateus verbindet die gemeinsame Leidenschaft fürs Tanzen. (Foto: privat)

Mateus Adolfi friert trotzdem. Normalerweise trägt er um diese Jahreszeit T-Shirt und Badehose, zu Hause in Brasilien, wo er Weihnachten am Strand feiert. Mateus ist erst ein halbes Jahr in Deutschland. Dass der bärtige Student aus der Millionenstadt São Paulo freiwillig mit eiskalten Füßen auf dem Weihnachtsmarkt steht, hat einen Grund: Larissa Gebert aus Heilbronn.

„Bei unserem ersten Date habe ich ziemlich wenig von dem verstanden, was Larissa gesagt hat“, sagt Mateus rückblickend. Mittlerweile ist er seit eineinhalb Jahren mit Larissa zusammen.

„Am Anfang dachte ich, Mateus will nur deutsche Frauen abchecken“, erzählt Larissa, heute 24, die in Würzburg ihren Master in Bildungswissenschaften macht. Der heute 28-jährige Biologie-Doktorand hatte Larissa auf einer Party angesprochen und sie zum Salsatanzen eingeladen, weil er herausgefunden hatte, dass sie gerne tanzt. Heute ist Larissa froh, dass sie ihr anfängliches Misstrauen überwunden hat.

(foto: privat)
(foto: privat)

Streit und Herzlichkeit

Ziemlich bald zog Mateus in Larissas winziges Wohnheimzimmer. Weihnachten 2013 verbrachte Larissa schon bei Mateus Eltern – und wurde sehr herzlich empfangen. Ihre eigenen Eltern hatten zunächst Vorbehalte gegenüber „dem Brasilianer“. Als sie ihn schließlich persönlich kennenlernten, mochten sie ihn sofort.

„Er kommt einfach überall gut an“, schwärmt die 24-jährige Studentin – nicht zuletzt wegen seines offenen Wesens. Das hat ihnen am Anfang viel Streit bereitet – Larissa hat sich darüber aufgeregt, wie Mateus mit anderen Frauen scherzte und tanzte.

Was davon nun brasilianische Kultur und was einfach Mateus Adolfi ist, lässt sich nicht so leicht unterscheiden. „In Brasilien ist ein kleiner Tanz oder Flirt ganz normal“, erzählt Mateus. Dass das seiner deutschen Freundin gar nicht gefällt, kann er nicht nachvollziehen.

Trotzdem zeigte er sich kompromissbereit und änderte sein Verhalten ihr zuliebe. „Durch Larissa bin ich verständnisvoller und vielleicht auch ein bisschen ruhiger geworden“, sagt der Doktorand. „Ich habe gemerkt, dass es sich nicht lohnt, wegen jeder Kleinigkeit zu streiten – vielleicht auch, weil es mir manchmal auf Deutsch zu kompliziert ist“, fügt er zwinkernd hinzu.

Larissa hat sich von Mateus herzlicher Freundlichkeit eine Scheibe abgeschnitten. „Früher bin ich lieber zu Freunden gegangen. Heute haben wir fast jedes Wochenende Leute hier bei uns, was mir sehr gefällt“, erzählt sie.

Kultur oder Charakter?

Mateus und Larissa finden, dass die Probleme und Besonderheiten ihrer Beziehung kaum mit ihren unterschiedlichen Nationalitäten zusammenhängen. „Die Charaktere an sich spielen eine viel größere Rolle“, so Mateus.

Ein paar Jahre auf dem brasilianischen Land? "Warum nicht?" - findet Larissa. (Foto: privat)
Ein paar Jahre auf dem brasilianischen Land? „Warum nicht?“ – meint Larissa. (Foto: privat)

Dennoch: Neben verschiedenen Muttersprachen und kulturellen Ansichten müssen die beiden über einen weiteren Aspekt anders nachdenken als ein deutsch-deutsches Paar: über die Zukunft.

Bevor Mateus Larissa kennenlernte, war für Mateus klar, dass er nach seiner Promotion wieder nach Brasilien ziehen würde, vielleicht in die Megastadt São Paulo mit ihren Menschenmassen und Hochhäusern. „Inzwischen hat Larissa für mich eine höhere Priorität als meine Heimat“, sagt Mateus heute.

Für Larissa, die „Neschtlebauerin“, wie sie sich selbst auf Schwäbisch bezeichnet, war Ausland nie ein Thema vor jenem Weihnachtsmarkt-Date. Große Städte schreckten sie ab, Würzburg mit seinen gut 120.000 Einwohnern war schon eine Zumutung für sie. Auch Larissa hat ihre Meinung geändert: „Ein paar Jahre auf dem brasilianischen Land kann ich mir mittlerweile durchaus vorstellen.“

Herausforderungen werden zu Chancen

Wenn Larissa und Mateus über ihre Beziehung reden, sprechen sie oft über die gleichen Sorgen und Ängste, Glücksmomente und Leidenschaften wie jedes andere Paar auch.

Dennoch haben Eigenschaften wie Geduld, Verständnis und Kompromissbereitschaft in ihrer Beziehung einen ungewöhnlich hohen Stellenwert, weil sie sich intensiver damit auseinandersetzen als vielleicht ein deutsch-deutsches Pärchen mit gleicher Muttersprache und selbstverständlicher Zukunft in einer süddeutschen Kleinstadt.

Die speziellen Herausforderungen ihrer Beziehung bieten ganz einzigartige Chancen – das haben Mateus und Larissa in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt.

Eine Antwort zu “Samba di Würzburg”

  1. Von Nicht die Mutti am 27. Januar 2018

    Dt. gebildete Frauen und das Exotische. Alles andere ist ja so normal.

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