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DebatteEigene Atomwaffen für Deutschland?

Von Friederike Bösener / 31. März 2025
picture alliance / Wolfgang Maria Weber | Wolfgang Maria Weber

Spätestens seit der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang dieses Jahres ist klar: In der Weltpolitik ist nichts mehr so, wie es noch vor einigen Monaten war. Deswegen werden auch Maßnahmen diskutiert, die noch vor kurzer Zeit undenkbar schienen. Dazu gehört die Frage, ob Deutschland eigene Atomwaffen besitzen sollte.

Das Wort „Atomwaffen“ löst in den meisten Menschen beängstigende Gefühle aus. Wir alle kennen die Bilder der verheerenden Atombombenabwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Und trotzdem: von verschiedenen Akteuren wird diese Möglichkeit der militärischen Abwehr für Deutschland ins Gespräch gebracht.

Zunächst: was sind Atomwaffen? Nuklearwaffen oder Kernwaffen, wie Atomwaffen auch genannt werden, generieren ihre enorme Explosionskraft durch Kernspaltung oder Kernfusion. Unterschieden wird zwischen strategischen und taktischen Atomwaffen. Während strategische Atomwaffen darauf ausgelegt sind, Ziele über sehr weite Distanzen hinweg zu zerstören, könnten taktische atomare Waffen bei Bodeneinsätzen und im Wasser zur Bekämpfung eingesetzt werden, da sie einen kleineren Zerstörungsradius besitzen. Durch ihre immense Sprengkraft und der Freisetzung von Radioaktivität bei der Explosion gelten sie als die gefährlichsten Waffen überhaupt. Sie stellen dadurch ein großes Risiko für das Leben auf der Erde dar.

Das Leben auf der Erde mehrere Male auslöschen

Die wohl bekanntesten Abwürfe von Atomwaffen sind die 1945 abgeworfenen Atombomben über die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Innerhalb von wenigen Sekunden löschten die US-Streitkräfte mit der gewaltigen Kraft dieser Atombomben tausende Menschenleben aus. Dies war das einzige und bisher letzte Mal, dass Nuklearwaffen in einem Kriegsgeschehen eingesetzt wurden. Atom- sowie Wasserstoffbomben gelten als die zwei Hauptexplosionsarten. Über Hiroshima wurde damals eine vier tonnenschwere Atombombe mit einer Sprengkraft von 12.500 Tonnen Trinitrotoluol (TNT) abgeworfen und zerstörte die Stadt komplett. Dazu kommen Langzeitfolgen der radioaktiven Strahlung für Mensch und Umwelt.

Heute, etwa 80 Jahre später, haben sich Atomwaffen und ihre Einsatzmöglichkeiten deutlich weiterentwickelt. Atomwaffen können heute gezielt für verschiedene Szenarien ausgestatten werden. Mit mehreren Sprengköpfen versehene Atombomben können mehrere Ziele und nicht nur ein konkretes präzise angreifen. Die heutige Anzahl an Atomwaffen in Besitz der sogenannten Atommächte könnte alles Leben auf der Erde vermutlich mehrere Male auslöschen. Es könnte also zu einem sogenannten “Overkill“ kommen, die Schäden danach sind nicht mehr behebbar.

Weltweite Stationierung von atomaren Waffen

1962 stand die Welt bereits einmal kurz vor dem Ausbruch eines atomaren Krieges, nämlich während der Kubakrise. Deeskalierend half damals der „Atomteststoppvertrag“. Aber wie ist der Stand heute? 12.331 Sprengköpfe gibt es laut der Federation of American Scientists zu Beginn des Jahres 2025 weltweit. Gerade einmal neun Länder verteilen diese unter sich. Mit offiziell 4.299 Stück besitzt Russland den größten Anteil, direkt gefolgt von den USA mit 3.700 Stück. Danach folgen China mit 600, Frankreich mit 290 und 225 Sprengköpfen in Großbritannien. Die restlichen Sprengköpfe verteilen sich auf die Länder Pakistan, Israel, Indien und Nordkorea.

Der russische Präsident Wladimir Putin droht immer wieder mit dem Einsatz von Atombomben, um Druck auf die westliche Welt aufzubauen. Wie wahrscheinlich es aber wirklich ist, dass es zu so einer atomaren Eskalation kommen könnte, ist nicht vorherzusagen. Um diesem Druck entgegenzuwirken, wurde ein atomares Aufrüsten in Deutschland wieder ins Gespräch gebracht, auch um die NATO zu stärken.

Deutscher Besitz von Atomwaffen vertraglich untersagt

Ein solches Aufrüsten ist aber aufgrund rechtlicher Bedingungen aus verschiedenen Verträgen nicht so einfach umzusetzen für die deutsche Regierung. 1968 trat der sogenannte “Atomwaffensperrvertrag“ in Kraft. Dieser gilt bis heute. Unterzeichnet haben ihn unter anderem die Sowjetunion, die USA und Großbritannien. Ziel dessen ist, die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern, die Aufrüstung zu stoppen und damit die globale Sicherheit zu steigern. Auch Deutschland unterschrieb diesen.

Der “Zwei-plusVierVertrag“ von 1990 untersagt Deutschland den Besitz von Atomwaffen. In Artikel 3 lautet es: „[…] Verzicht auf Herstellung und Besitz von und auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen. […]“. Durch den Beitritt in die NATO wurde Deutschland jedoch Teil der Nuklearen-Teilhabe. Die Nukleare-Teilhabe garantiert, dass die Atommächte der NATO, also Frankreich, USA und Großbritannien alle Länder ohne atomare Waffen im Verteidigungsfall unterstützt, also auch Deutschland.

Für eine atomare Aufrüstung in Deutschland müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt, beziehungsweise aufgehoben werden. Von der Bundesregierung müsste dann geklärt werden, wie viele Atomwaffen angeschafft werden, wo diese untergebracht und wie hoch gegebenenfalls die Anschaffungskosten und daraus resultierenden laufenden Kosten sein werden. Ob und in welcher Art Deutschland eigene Atomwaffen haben können wird, ist derzeit nicht bekannt. Diese Diskussion könnte aber wieder mehr Fahrt aufnehmen.



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