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Dann mach doch!

Von Paula Hannemann / 4. November 2013

Wie oft haben Sie schon eine echte Ungerechtigkeit erlebt oder empfunden? Und wie oft haben Sie daraufhin beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen? Die Antwort auf die erste Frage lautet bei den meisten Menschen “ganz oft” und die auf die zweite “fast nie”. Warum eigentlich? Weil wir denken, wir können nichts ändern. Stimmt aber nicht – […]

Wie oft haben Sie schon eine echte Ungerechtigkeit erlebt oder empfunden? Und wie oft haben Sie daraufhin beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen? Die Antwort auf die erste Frage lautet bei den meisten Menschen “ganz oft” und die auf die zweite “fast nie”. Warum eigentlich? Weil wir denken, wir können nichts ändern. Stimmt aber nicht – ist zumindest die These dieses Beitrags.

In Zeiten des Internets muss niemand auf den Staat warten. Es muss auch niemand auf Greenpeace warten, damit die Welt besser wird. Mittels Online-Petitionen hat heute (fast) jeder ein kostenloses Organisationsinstrument zur Hand, um das uns die Bürgerinitiativen der 70er und 80er Jahren mit Zettel, Stift und Telefon glühend beneidet hätten.

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Online-Petitionen bringen nichts? In Indien schaffte ein Dorf die Kastenzugehörigkeit ab; in den USA sorgten drei Teenager dafür, dass zumindest eines der Rededuelle zwischen Barack Obama und Mitt Romney von einer Frau moderiert wurde; in St. Petersburg kämpfte ein Junge erfolgreich gegen die exklusive Nutzung eines Kinderkrebs-Krankenhauses nur für privilegierte Beamte, in Südafrika schaffte es eine Frau, die jahrelange Untätigkeit ihrer Regierung gegenüber so genannten “korrigierenden” Vergewaltigungen zu beenden. Ich könnte so weiter machen.

Natürlich: In Gesellschaften und in der Politik ist sehr selten irgendetwas monokausal. Doch Menschen, die behaupten, Online-Petitionen bringen nichts, haben ihre Funktion nicht verstanden. Petitionen allein ändern nichts; Menschen tun es. Die Online-Petition ist das Veranschaulichungsmedium und Organisationszentrum des Protests. Sie wird von einem echten Menschen mit einem realen Anliegen betreut. Es braucht ein Zusammenspiel aus vielen Protestbausteinen, um erfolgreich zu sein: die Medienberichterstattung zu einem Problem, die E-Mails besorgter Bürger, die von dem Vorgang erfahren haben oder der dringende Rat eines Beraters nach einer Analyse von Umfragen. Aber was an den eben genannten Beispielen auffällt: ihre Protagonisten sind Menschen, die in einer medialen Mechanik vor 10-15 Jahren nicht zu Hauptdarstellern geworden wären. Sie hätten keine Stimme gehabt. Woran liegt es, dass sie in diesen Fällen als Einflussgröße wahrgenommen wurden?

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Online-Petitionen haben den Vorteil, dass sie zur Unterschrift eine E-Mail-Adresse verlangen. Man kann mit den Unterstützern damit also wieder in Kontakt treten und Folgeaktionen vorschlagen (bei Change.org liegt die Folge-Mitmachrate z.B. zwischen 50 bis 70 Prozent). Und: Online-Petition verbreiten sich über soziale Netzwerke sehr schnell. Sie passen also sehr gut in die heutige, netzgestützte Art und Weise, mit der sich Nachrichten und Geschichten verbreiten. Und sie kommen einem neuen, höheren Mitsprachebedürfnis entgegen. Aber es kommt noch etwas hinzu: Change.org und Andere stellen Know-How und technische Mittel zu digitaler Kampagnenführung kostenlos und als offene Plattform zur Verfügung. Damit ermöglichen sie individuelle, oftmals auch rein lokale oder regionale Vorstöße zu Themen, die die Nutzerinnen und Nutzer selbst bestimmen und kollaborativ verbreiten. Der Anstoß eines Anliegens durch eine Privatperson bedeutet, dass der Protest eine individuelle Geschichte und ein individuelles Gesicht erhält.

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Wir stehen am Beginn einer Welle neuer, digitaler Partizipation. Immer mehr Menschen werden entdecken, dass das Internet ihnen Instrumente und Wissen an die Hand gibt, mit denen sie selbst zu Akteuren politischer Mitsprache werden und Zustimmung fü