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Die Erfindung des Geldes: von der Muschel bis zum Euro

Von Lea Deuber / 27. Mai 2016
Credits: Songkran/ flickr; Lizenz CC BY-NC-SA 2.0

Geld spielt in unserem Alltag eine zentrale Rolle. Trotzdem wissen nur wenige, woher es kommt, und warum bunt bedrucktes Papier so mächtig werden konnte.

Taschengeld ist das Größte. Zumindest für ein Kind. Ein paar Münzen pro Woche geben einem Kind das Gefühl, ihm gehöre die Welt. Das wenige Geld wirkt wertvoller als die Spielsachen, die die Oma mitbringt, oder die Weihnachtsgeschenke der Eltern. Denn Kinder erkennen das Attraktive am Geld: die Möglichkeit, eine eigene Wahl zu treffen, wie und wann sie wollen.

Der Volksmund sagt, Geld regiere die Welt. Tatsächlich spielt es in vielen Bereichen unseres Lebens eine zentrale Rolle. Über die Jahrtausende ist es fast in jeder Kultur erfunden worden. Schätzungen gehen davon aus, dass heute mehrere Quadrillionen Dollar im Umlauf sind. Also tausende Trilliarden, eine Zahl mit mehr als 24 Nullen. Der Erfolgszug des Geldes hat vor allem etwas mit den Eigenschaften von Geld zu tun. Denn selbst wenn es nicht die Welt regiert, macht es sie deutlich einfacher.

Mit der Spezialisierung kommt der Tausch

Bevor Geld erfunden wurde, haben die Menschen lange Zeit nur das konsumiert, was sie selbst herstellen konnten. Damals produzierte ein Bauer beispielsweise Brot, Gemüse, Fleisch und Eier. Später begannen Bauer, nur noch bestimmte Produkte herzustellen, sich zu spezialisieren und damit den Ertrag zu steigern. Was sie selbst nicht herstellen konnten, tauschten sie gegen die eigenen Produkte. Dies funktionierte allerdings nur, wenn beispielsweise in der Nähe eines Gemüsebauers ein Obstbauer Bedarf an Gemüse hatte und gleichzeitig Obst abtreten konnte. Weil sich dies als schwierig herausstellte, einigte man sich bald auf Tauschmittel. Der Gemüsebauer tauschte dann sein Gemüse zum Beispiel gegen Salz, ein Produkt, das länger hielt und langfristig interessant blieb.

Die Tauschmittel waren von Kultur zu Kultur unterschiedlich: Es konnte Salz sein, Kakaobohnen, aber auch Speerspitzen, Gold und Silber. Die Mittel waren meist leicht, robust, einfach zu transportieren und nur begrenzt vorhanden. China entwickelte bereits vor 4.000 Jahren mit der Kaurimuschel ein solches Tauschsystem. Die Kaurimuschel ist eine seltene Meeresschnecke aus der Region. Hinweise darauf finden sich noch heute in der chinesischen Sprache. Wörter wie Schatz, Handel oder Gewinn setzen sich zu Teilen aus dem chinesischen Schriftzeichen für Muschel zusammen.

Papiergeld als Versprechen

Effizienter wurde das Tauschsystem durch das Gießen von Münzen. Diese waren genormt und deshalb leichter abzählbar. Später kam das Papiergeld, welches noch heute unsere alltägliche Finanzwelt dominiert. Auch hier war China Vorreiter: Bereits um 1000 nach Christus soll das Papiergeld dort erfunden worden sein, 500 Jahre vor den Europäern.

Heute wird das Geld von Zentralbanken ausgegeben, gedruckt, gepresst sowie in digitaler Form erschaffen. Wenn die Europäische Zentralbank 10 Milliarden Euro an Krisenländer vergibt, steigt in Frankfurt niemand in den Keller, um die Geldscheine zu holen. Es reichen ein paar Klicks mit der Maus, fertig. Im Gegensatz zu den Natural- und Warengeldern wie den Kakaobohnen in Südamerika, die man im Zweifel auch essen kann, ist Papiergeld vor allem eins: ein Versprechen.

Die Menschen glauben an den Wert des sogenannten Fiatgeldes – auf der britischen Pfundnote steht nicht ohne Grund „I promise to pay the bearer on demand the sum of one pound.”. Das zeigt sich vor allem auch in Krisenzeiten. Verlieren die Menschen den Glauben an das bunte Papier, droht das Bankensystem ins Wanken zu geraten. In Griechenland ist das während der Finanzkrise gleich mehrfach passiert. Menschen warteten stundenlang vor ihren Banken, weil sie fälschlicherweise annahmen, die Bank habe ihr Geld gelagert. Wer Geld auf sein Konto einzahlt, vergibt jedoch gewissermaßen einen Kredit an die Bank. Diese nimmt das Geld und handelt damit. Sie muss nur einen bestimmten Prozentsatz von dem Geld zurücklegen.

Dies hat eine erstaunliche Folge, wie das folgende Beispiel zeigt. Die Europäische Zentralbank kauft meistens Aktien, wenn sie Geld ausgibt. Nehmen wir also an, sie gibt 100.000 Euro aus und kauft Wertpapiere. Der Verkäufer ist ein Unternehmer. Dann verdient dieser 100.000 Euro und zahlt sie bei seiner Sparkasse ein. Diese legt 10.000 Euro zurück und vergibt einen Kredit über die restlichen 90.000 Euro an einen Bäcker, der eine neue Backstube kaufen will. Das Ergebnis dieses Vorgangs ist, dass nun plötzlich 190.000 Euro im Umlauf sind, denn der Unternehmer sieht die 100.000 Euro nach wie vor als Guthaben auf seinem Konto, auf das er auch zugreifen kann.

Denkt man länger über dieses System nach, wundert man sich kaum, dass es viele Kritiker anzieht. So alt wie die Erfindung selbst ist die Forderung nach ihrer Abschaffung. Denn Papiergeld und die Möglichkeiten der Digitalisierung entfremden Geld immer mehr von seinem Wert und von den Waren, die man dafür kaufen kann. Am besten trifft es wohl der Reisende Marco Polo, der bei einem Besuch des Kaisers von China beobachtete, wie dieser Geldnoten ausgab. Erstaunt notierte Polo: „Das Ausgabeverfahren ist sehr förmlich, als ob die Substanz reines Gold oder Silber wäre.“

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