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Kunstgriff 2: Homonymie.

Von Sagwas-Redaktion / 11. Januar 2012

Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat, dies dann lukulent widerlegen, und so sich das Ansehn geben, als habe man die Behauptung widerlegt. Anmerkung: Synonyma sind zwei Worte für denselben Begriff: – Homonyma zwei Begriffe, […]

Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat, dies dann lukulent widerlegen, und so sich das Ansehn geben, als habe man die Behauptung widerlegt.

Anmerkung: Synonyma sind zwei Worte für denselben Begriff: – Homonyma zwei Begriffe, die durch dasselbe Wort bezeichnet werden. Siehe Aristoteles, Topik, I, 13. Tief, Schneidend, Hoch, bald von Körpern bald von Tönen gebraucht sind Homonyma. Ehrlich und Redlich Synonyma.

Man kann diesen Kunstgriff als identisch mit dem Sophisma ex homonymia betrachten: jedoch das offenbare Sophisma der Homonymie wird nicht im Ernst täuschen.

Omne lumen potest extingui (Alles Licht kann ausgelöscht werden)
Intellectus est lumen (Der Verstand ist ein Licht)
Intellectus potest extingui (Der Verstand kann ausgelöscht werden).
Hier merkt man gleich, daß vier termini sind: lumen eigentlich und lumen bildlich verstanden. Aber bei feinen Fällen täuscht es allerdings, namentlich wo die Begriffe, die durch denselben Ausdruck bezeichnet werden, verwandt sind und in einander übergehn.

Exempel 1: A: „Sie sind noch nicht eingeweiht in die Mysterien der Kantischen Philosophie.“ B: „Ach, wo Mysterien sind, davon will ich nichts wissen.“

Exempel 2: Ich tadelte das Prinzip der Ehre, nach welchem man durch eine erhaltene Beleidigung ehrlos wird, es sei denn, daß man sie durch eine größere Beleidigung erwidere, oder durch Blut, das des Gegners oder sein eigenes, abwasche, als unverständig; als Grund führte ich an, die wahre Ehre könne nicht verletzt werden durch das, was man litte, sondern ganz allein durch das, was man täte; denn widerfahren könne jedem jedes. – Der Gegner machte den direkten Angriff auf den Grund: er zeigte mir lukulent, daß wenn einem Kaufmann Betrug oder Unrechtlichkeit, oder Nachlässigkeit in seinem Gewerbe fälschlich nachgesagt würde, dies ein Angriff auf seine Ehre sei, die hier verletzt würde, lediglich durch das, was er leide, und die er nur herstellen könne, indem er solchen Angreifer zur Strafe und Widerruf brächte.

Hier schob er also, durch die Homonymie, die Bürgerliche Ehre, welche sonst Guter Name heißt und deren Verletzung durch Verleumdung geschieht, dem Begriff der ritterlichen Ehre unter, die sonst auch point d’honneur heißt und deren Verletzung durch Beleidigungen geschieht. Und weil ein Angriff auf erstere nicht unbeachtet zu lassen ist, sondern durch öffentliche Widerlegung abgewehrt werden muß; so müßte mit demselben Recht ein Angriff auf letztere auch nicht unbeachtet bleiben, sondern abgewehrt [werden] durch stärkere Beleidigung und Duell. – Also ein Vermengen zwei wesentlich verschiedener Dinge durch die Homonymie des Wortes Ehre: und dadurch eine mutatio controversiae, zu Wege gebracht durch die Homonymie.

Beispiele: „…Kündigung nur um das Objekt in die Verwertung zu treiben, um dieses selbst zu nutzen“ ist eine Verallgemeinerung mit allen Banken , wir sind aber eine Sparkasse, die helfen will zu sparen – kein Polyp.
Dass „Sachbearbeiter Interesse am zu verwertenden Sicherungsgut“ hätten (z.B. neues Fahrzeug der Luxusklasse) nicht widerlegen, würde zu lange dauern. Statt dessen Gegenangriff: „…ist ein Angriff auf die Ehre des Kaufmanns“ (Homonymie – Beleidigung).
Hingegen statt Homonymie im Wort „Regenschirm bei gutem Wetter“ Synonym einsetzen: Schirm ist nicht nur Regenschirm sondern auch Sonnenschirm, d.h. Schutz bei jedem Wetter.

Kurz: Die vom Gegner aufgestellte Behauptung übermäßig auf das ausdehnen, was außer dem Wort nichts mit der Sache gemein hat; dies dann widerlegen und sich selbst den Anschein geben, als habe man die Sache widerlegt.

Quelle: http://www.rhetorik-netz.de

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