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Nicht einmal ignorieren?

Von Timotheus Tiger / 8. Januar 2014

Vor ein paar Jahren hätte man sich über Horst Seehofers Gesundheit noch aufgrund seines schwachen Herzens Sorgen gemacht. Vielleicht hat er sich das einfach ganz entfernen lassen – jedenfalls wirkt er inzwischen physisch „pumperlg’sund“, wie man in Bayern sagen würde. Wenn überhaupt, riskiert er in diesen Tagen, vor Selbstzufriedenheit zu platzen. Das merkt man beim […]

Vor ein paar Jahren hätte man sich über Horst Seehofers Gesundheit noch aufgrund seines schwachen Herzens Sorgen gemacht. Vielleicht hat er sich das einfach ganz entfernen lassen – jedenfalls wirkt er inzwischen physisch „pumperlg’sund“, wie man in Bayern sagen würde. Wenn überhaupt, riskiert er in diesen Tagen, vor Selbstzufriedenheit zu platzen.

Das merkt man beim Seehofer-Horst immer daran, dass er sich mit vollem Leibe selbst auf die Pauke wirft, anstatt sich mit purem Draufschlagen aufzuhalten. Im konkreten Falle geht es um die so genannte „Armutszuwanderung“ – allein das Wort ist schon wieder Stammtischsprache.

Seehofer prescht im Post-Wahlsiegestaumel und Prä-Kreuth-Muskelprotzen vor und verkündet: „Wenn es alle machen, dann ist es State of the Art, und wenn die CSU was sagt, wird es plötzlich Rechtspopulismus.“ Ich würde sagen: Wenn es alle machen, ist es Faschismus. Wenn es nur die CSU sagt, kann man’s noch verhindern.

Eine Sekunde lang dachte ich, Seehofer hätte sich selbst gefangen, als er im Radio hinterher schob: „Die CSU hat in Bayern den Rechtspopulismus über Jahrzehnte kultiviert.“ – Gesagt hatte Seehofer allerdings „verhindert“.

„Nicht einmal ignorieren“, sagt der Bayer, wenn er ein Problem oder eine Person wirklich abgrundtief ärgerlich findet und mit dem höchstmöglichen Maße an Verachtung strafen will. Bei der vergangenen Landtagswahl dachten das immerhin schon 36 Prozent, die erst gar nicht mehr zur Wahl gegangen sind. Auch ein patriotisches Verdienst.

In Kreuth darf die Staatspartei jetzt aber erstmal weiter reinbrezeln und hat sich „Wer betrügt, der fliegt“ in eine Beschlussvorlage geschrieben. Ein Satz, so krachledern wie dämlich und deshalb unter Garantie mehrheitsfähig. Gut, im Fall zu Guttenberg ist die CSU bereits konsequent selbst voran marschiert. Man könnte zwar unterstellen, dass dieser Raus-Flug seinerzeit Seehofer durchaus in die Taschen gespielt hatte. Aber sei’s drum.

Nicht, dass in Kreuth im Laufe der Jahrzehnte sonderlich viel Platz für Argumente gewesen wäre. Aber ich erlaube mir dennoch den Hinweis: das Überleben unseres Sozialsystems und die Nachhaltigkeit des Standortes Deutschland als Innovationsmotor ist ohne eine massive Zuwanderung auch nicht annähernd zu halten. Unser Boot ist nicht voll, sondern demnächst manövrier-unfähig, weil der Treibstoff ausgeht.

Und als kleines Bajuwaren-Quiz hinterher: Welcher Anteil an allen HartzIV-Leistungen fließt eigentlich momentan an die „Armutsflüchtlinge“ aus Rumänien und Bulgarien – ach nein, sagen wir gleich: aus ganz Osteuropa? Es sind 0,6 Prozent. Wie gut, dass die CSU da jetzt mal richtig aufpasst.

Die CSU, die den Rechtsstaat bewahrt, indem sie die Lücke nach Rechts konsequent selbst bedient. Der Alte schrieb einmal: „Wenn ein Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben,
es auszufüllen. Dabei fällt er meistens hinein.“

Titelbild: Wildbad Kreuth, historische Postkartenansicht (Quelle: facebook.com/snapshotsofthepast)

Eine Antwort zu “Nicht einmal ignorieren?”

  1. Von juergen wagner am 13. Januar 2014

    Zum Glück poltert´s nur vor der Komunalwahl, man stelle sich mal vor es ginge auch noch um den bayr. Landtag.

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