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proRessourcen richtig verbrauchen – dem Klima zuliebe

Von Tom Albiez / 30. Dezember 2020
picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser

Nachhaltigkeit ist das Schlüsselwort des 21. Jahrhunderts. E-Autos, grüner Strom, Plastiksubstitute – das und vieles mehr soll uns und unseren Planeten retten. Raus aus der Umweltkrise durch grünes Wachstum ist die Devise. Das kann nicht ohne Auswirkungen auf die Umwelt bleiben.

Seitdem das E-Auto von Automobilherstellern als ernsthafte Alternative zu den Verbrennern betrachtet wird, nimmt die Kritik an der E-Mobilität zu. Das grüne Image verblasst angesichts der Vorwürfe: Wasserverschwendung beim Abbau von Lithium in Chile, Cobalt aus dem konfliktreichen Kongo, energieintensive Batterieproduktion und dann wäre da noch der Strommix, der selbst im reichen Deutschland noch immer ordentlich Kohlestrom enthält. Man könnte meinen, die grüne Mobilität ist wie viele andere Lösungen der grünen Wirtschaft am Ende doch nur eine Illusion, geschaffen von trickreichen Werbefachleuten, um den Unternehmensabsatz zu steigern. Warum also nicht einfach weitermachen wie bisher? Diesel oder Benziner kaufen, Steak statt Tofu essen und Strom vom Kohlekraftwerk beziehen.

Die tatsächliche Überlegenheit grüner Lösungen

Das Problem mit grünen Lösungen ist nicht, dass sie nicht wirklich besser sind als die bisherigen Mittel: Ein E-Auto schneidet wesentlich besser als ein Verbrenner bei den CO2-Emissionen ab, sofern dahinter ein ganzheitliches Konzept steht. Dazu zählt besonders der Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien bei der Produktion und dem Laden des Fahrzeugs. Vegetarier hinterlassen durch ihr Essverhalten einen kleineren CO2-Fußabdruck als Fleischliebhaber, auch wenn das Soja für den Tofu dazu beigetragen haben könnte, dass ein Stück Regenwald dafür gefällt wurde. Der Großteil des importierten Sojas wird nämlich nicht für vegetarische Produkte verwendet, sondern als Futter für die Tiermast.

Und, ja, selbst Solarzellen sind in der Herstellung sehr energieintensiv. Zudem kommen sie zum Großteil aus China, einem Land also, das die hiesige Solarindustrie mithilfe eigener staatlicher Subventionen vom Markt gedrängt hat. Doch knallharter Verdrängungswettbewerb wie in diesem Fall ist nur bedingt umweltfreundlich: Angesichts des hohen Anteils von Kohlestrom an der Gesamtstromproduktion in China zeichnen sich deutlich die Schattenseiten der billigen Produktionsbedingungen grüner Technologien ab.

Auch Windkraftanlagen, die stets weiterentwickelt werden und deren Recycling große Probleme aufwirft, sind nicht ohne CO2-Emissionen herstellbar. Den Schaden, den sie an der Umwelt anrichten, ist somit nicht zu vernachlässigen. Das Entscheidende ist aber, dass Solarzellen und Windkraftanlagen ihre Emissionen in wenigen Jahren amortisieren. Das passiert beim Kohlekraftwerk nie.

Zu hohe Erwartungen an Hoffnungsträger

Das Problem bei nachhaltigeren Alternativen ist schlichtweg, dass die Erwartungen viel zu hoch sind. Jedes Produkt bedingt den Abbau von Ressourcen. Für die Produktion ist Energie vonnöten und diese wird weltweit derzeit zum größten Teil aus fossilen Rohstoffen erzeugt. Hinzukommen die Umweltbelastungen durch Logistik und Vertrieb. In einem globalisierten Zeitalter verursacht die Liefer- und Produktionskette bei komplexen Produkten wie einem E-Auto oder einer Solarzelle zwangsläufig in irgendeiner Art und Weise Umweltschäden. Deswegen die Entwicklung stoppen?!

Nur ein neuer Lebensstil als nachhaltige Lösung

Solarzellen, Windkraftanlagen und E-Autos: Grüne Technologien können langfristig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten – den Planeten allein retten werden sie allerdings nicht. Würden alle Menschen wie wir Deutsche leben, bräuchten wir drei Planeten. Trotz aller bisherigen Bemühungen. Ein grundsätzlich neuer Lebensstil ist vonnöten: mehr bewusster Konsum, weniger Ressourcenverschwendung und vor allem mehr Verzicht.

Das muss keinen Verlust an Lebensqualität bedeutet, es bedeutet lediglich, sich von veralteten Maßstäben zu lösen. Wie zum Beispiel dem BIP, dessen stumpfe Steigerung immer noch viel zu oft als nationales Ziel ausgegeben wird. Das BIP misst aber nur die quantitative Steigerung der Wirtschaftsleistung, unabhängig davon, ob dieses Mehr an Waren und Dienstleistungen den Menschen ernsthaft nützt. Hauptsache, mehr Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. So lautet das Mantra aktueller Wirtschaftspolitik.

Dabei gibt es Alternativen wie den „Happy Planet Index“, der 2006 von der britischen New Economics Foundation aufgestellt wurde. Statt nur in Geldwerten zu messen, zählen die glücklichen Lebensjahre, die mit einem bestimmten Input von Ressourcen erzielt werden konnten. So kommt es, dass Costa Rica weit vor Deutschland liegt. Wie viel Energie wollen wir also noch verbrauchen oder hineinstecken, um – ja, was zu erreichen?! Geld ist doch nicht alles.

Leben im Einklang mit der Umwelt

Für eine nachhaltige Lebensweise müssen wir bald zu einer Wirtschaft finden, die die Bedürfnisse möglichst aller Menschen mit der Belastbarkeit der Umwelt in Einklang bringt. Das heißt auch, dort Umweltschäden in Kauf zu nehmen, wo sie nicht vermeidbar sind. Es gilt aber, diese Schäden so klein wie nötig zu halten und Kompensation durch nachhaltigere Lösungen und vor allem durch weniger Konsum zu schaffen. Nur so ergibt eine grüne Wirtschaft Sinn. Ansonsten läuft man Gefahr, sich und andere zu täuschen.

Und hier ein paar Einschätzungen aus der deutschen Bevölkerung zum Thema:

Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 4.-5.12.2020 ca. 2.500 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Einzelergebnisse findet sich unterhalb der jeweiligen Kategorien.

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