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contraGefangen in der eigenen Freiheit

Von Desislava Markova / 18. März 2016
Credits: Frank Mago/ flickr; Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

Der moderne Feminismus wird Frauen nicht stärker machen, egal, ob er sich weiter modernisiert und inklusiver wird, oder nicht. Die Wut der heutigen Frauenbewegung ist zu weit entfernt von dem Wunsch der Frauen vor 100 Jahren, unabhängig zu sein.

Der Feminismus verlangt: Frauen sollen emanzipiert sein. In einer Welt voller männlicher Feinde müssen sie mächtiger und sicherer wirken, um respektiert zu werden. Sie müssen Familie und Job unter einen Hut bringen, um zu beweisen, dass sie besser als die Männer sind. Gleichzeitig sollen sie sich möglichst viel von der Rolle der typischen Hausfrau distanzieren, da diese nicht mehr in das Bild der modernen Frau passt. Dieser Druck führt zur Wut und Unzufriedenheit und macht Frauen zu Opfern ihrer eigenen vermeintlichen Unabhängigkeit.

Ein großer Teil der Frauen übernimmt die feministische Ideologie, ohne ihre Ideen kritisch zu hinterfragen. Feminismus solle das Richtige sein, um ihre Welt besser zu machen. Sie bräuchten ihn, weil sie immer noch weniger als die Männer verdienten und seltener in Führungspositionen seien. Immer noch seien sie diskriminiert und eingeschränkt in ihren Freiheiten.

Das große Paradox

Eins kann der moderne Feminismus gut: vorwerfen. Seine Vorwürfe an die Gesellschaft sind aber meistens stark übertrieben. Eine seiner verbreitetsten Kritiken ist immer noch der Geschlechterunterschied beim Verdienst von Frauen und Männern. Aber die Ursachen dafür sind längst von Wissenschaftlern erklärt worden. Die Wahl des Studiums, der Ersatz der Arbeitszeiten durch Familientätigkeiten und die geringe Neigung der Frauen dazu, ein höheres Gehalt zu verhandeln, wirken sich auf die Karriere der Frau aus.

Die moralischen und juristischen Abstufungen männlicher Übergriffe auf Frauen sind für den Feminismus irrelevant, wodurch allmählich eine Überkriminalisierung der Männer entsteht. Die empfindlichen Teile der Frauenbewegung sind laut, paranoid und nicht im Entferntesten an einer Welt, in der die Geschlechter friedlich und ebenbürtig miteinander leben, interessiert.

Es geht ihnen hauptsächlich darum, einen Konflikt zu verursachen, und dafür scheinen ihnen auch niedere Anlässe wie das Tragen eines unpassenden T-Shirts1 willkommen. Der gefährliche Missbrauch des Themas Gewalt durch diese Frauen führt nicht zu mehr Solidarität mit den Opfern, sondern im Gegenteil zu mehr Skepsis gegenüber Berichten über Gewalterfahrungen. Der moderne Feminismus macht damit Frauen leichter verletzbar, anstatt sie zu schützen.

Extremer Feminismus

Das Denken und Handeln der modernen Feministinnen entwickelt sich in sehr extreme Richtungen. Das ist nach den Ereignissen von Köln noch klarer geworden. Nach den sexuellen Massenübergriffen auf Frauen in der Silvesternacht hätten wir eigentlich mehr denn je einen „gesunden“ Feminismus gebraucht. Den gab es aber nicht. Die Frauenbewegung zeigt sogar eine antihumanistische Seite, da manche modernen Feministinnen sogar willens sind, ihre Babys abzutreiben, sofern sie männlich sind.2(http://www.focus.de/familie/kuenstliche_befruchtung/traum-von-einer-welt-ohne-monster-weil-es-ein-junge-war-feministin-treibt-ihr-baby-ab_id_4470408.html)

Zeigen statt Handeln

Der Feminismus hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren, er ist viel passiver geworden. Sein Ziel ist eher zu demonstrieren als sich mit Problemen der Gewalt und Gleichberechtigung auseinanderzusetzen.

Die Künstlerin und Feministin Margarita Omar3 (http://margaritaomar.blogspot.de/2016/02/interview-this-why-i-dont-shave-my-legs.html) hat zum Beispiel nicht das Bedürfnis, attraktiv für die Männer auszusehen und lässt ihre Haare überall auf den Körper monatelang frei wachsen, ihre Körperhaare für Männer zu rasieren. Darüber macht sie eine Fotoausstellung und ist stolz auf ihre kleine Revolution. Fraglich ist es, ob ihre Haare dazu beigetragen haben, die Welt der Frauen besser zu machen. Der Erfolg einer Gesellschaftsbewegung hängt nicht nur von ihrem Selbstverständnis, sondern in besonderem Maße auch von ihrer Außenwirkung ab.

1 (http://www.sueddeutsche.de/panorama/rosetta-mission-physiker-entschuldigt-sich-fuer-hemd-1.2222409)

2 (http://www.focus.de/familie/kuenstliche_befruchtung/traum-von-einer-welt-ohne-monster-weil-es-ein-junge-war-feministin-treibt-ihr-baby-ab_id_4470408.html)

3 (http://margaritaomar.blogspot.de/2016/02/interview-this-why-i-dont-shave-my-legs.html)

 

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Debatte | Der Fortschritt des Feminismus

Pro | Der privilegierte Feminismus

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