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proDrei Punkte für die WM

Von Julian Heck / 12. Juni 2014

Eine WM schweißt die Menschen zusammen, lässt Unterschiede unbedeutend werden, kann eine Verbesserung der Umstände im Ausrichterland bedeuten. Ein Plädoyer für das Großereignis. Spötter sagen, Fußball, da rennen 22 Menschen einem Ball hinterher. Tatsächlich zieht Fußball die Menschen in seinen Bann, begeistert sie. Genau diese Begeisterung ist es, welche die Fußball-Weltmeisterschaft zu dem Großereignis werden […]

Eine WM schweißt die Menschen zusammen, lässt Unterschiede unbedeutend werden, kann eine Verbesserung der Umstände im Ausrichterland bedeuten. Ein Plädoyer für das Großereignis.

Spötter sagen, Fußball, da rennen 22 Menschen einem Ball hinterher. Tatsächlich zieht Fußball die Menschen in seinen Bann, begeistert sie. Genau diese Begeisterung ist es, welche die Fußball-Weltmeisterschaft zu dem Großereignis werden ließ, das sie jetzt ist: Ein Großereignis, das Menschen zusammenschweißt. Kaum etwas ist so gut geeignet wie der Sport, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen – in guten wie in schlechten Zeiten.

Für mehr Respekt und Freundschaft

Viele Millionen Menschen warten lange vor einer WM auf die Entscheidung, welches Land Ausrichter wird, und auf die Gruppenauslosung. Wenn die Weltmeisterschaft dann näher rückt, die Geschäfte Fan-Material anbieten, an den Häusern Landesflaggen hängen und die Autos dekoriert sind, dann spürt man im gesamten Land eine Vorfreude, die ansteckend ist. Selbst Menschen, die sonst keinen Fußball schauen, sind von der Manie betroffen. Wenn die ersten Spiele dann angepfiffen werden, gibt es kein Halten mehr.

Die Spiele werden in Kneipen übertragen, Freunde versammeln sich Zuhause vor dem Fernseher oder an einer der vielen Public-Viewing-Stätten. Ob man sich kennt oder nicht: Als Fan hat man in dieser Zeit nur wenig Berührungsängste. Die Menschen trinken zusammen, lachen und haben Spaß. Religion, Herkunft, Geschlecht oder andere Unterschiede spielen so gut wie keine Rolle. Im Regelfall herrscht ein respektvoller und freundlicher Umgang miteinander, der in Nicht-WM-Zeiten in der Form eher nicht anzutreffen ist.

Erfolge werden gemeinsam gefeiert, Niederlagen gemeinsam ertragen. Plötzlich entwickelt man ein ausgeprägtes Identitätsgefühl zum eigenen Land. Das alles schafft die WM.

Bei der WM werden Erfolge werden gefeiert, Niederlagen gemeinsam ertragen. (Foto: Wandersmann, pixelio.de)
Bei der WM werden Erfolge gefeiert, Niederlagen gemeinsam ertragen. (Foto: Wandersmann, pixelio.de)

Werbung für den Sport

Aber auch aus anderen Gründen sind solche sportlichen Großereignisse zu befürworten. Sie sind auch Werbeträger für den Sport. Immer wieder hört man von Fußballvereinen, dass die Mitgliederzahlen unmittelbar nach einer Europa- oder Weltmeisterschaft steigen. Eine Fußball-WM lockt die Menschen nicht nur vor den Fernseher oder vor die Leinwand, sondern auch auf den Fußballplatz. Bewegung, Teamgeist, Ausgleich – die Vorteile sind gar nicht alle auszumachen. Sie sind aber auf jeden Fall wertvoll für den Einzelnen und für die Gemeinschaft.

Profiteure sind auch die Menschen vor Ort

Nicht zu unterschätzen sind auch die Entwicklungen im Austragungsland. Um dieses Großereignis zu ermöglichen, werden hohe Summen investiert. Die Sinnhaftigkeit der Investitionen wird zwar oft angezweifelt, aber ganz sinnlos sind sie sicherlich nicht. Die Menschen profitieren von der Infrastruktur, die im Rahmen der WM-Vorbereitungen deutlich optimiert wird. Diese Effekte sind bedeutsamer als der Fakt, dass neugebaute Stadien nach der WM nicht immer in vollem Umfang genutzt werden

Eine WM bringt den Vorteil, dass international auf die gesellschaftlichen und politischen Missstände vor Ort aufmerksam gemacht wird. Das hat sich zum Beispiel im Jahr 2012 bei der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine gezeigt. Dort wurden massenweise Hunde und Katzen getötet. In den Medien war diese Thematik sehr präsent – mit dem Ergebnis, dass auf einmal der Bau von Tierheimen diskutiert wurde. Auch in Brasilien wurde beispielsweise über die Arbeitsbedingungen vor Ort berichtet und diskutiert. Diese angestoßenen Debatten müssen für das austragende Land und seine Gesellschaft als eine wohlwollende Anregung verstanden werden und nicht als hemmungslose Kritik von außen – zumal es oft die Menschen im Land selbst sind, welche die internationale Medienöffentlichkeit für die Durchsetzung ihrer Belange nutzen.

Der Mehrwert überwiegt

Selbstverständlich kann man an einer Fußball-WM auch Kritik üben: Das Austragungsland wird für einige Zeit auf den Kopf gestellt, die Kosten sind immens. Dennoch ist der Mehrwert einer Fußball-Weltmeisterschaft um ein Vielfaches höher als der Schaden, den sie womöglich anrichten könnte. Dafür sind natürlich einige Voraussetzungen nötig, die das Event zu einem positiven Ereignis werden lassen. Dazu gehören unter anderem eine vernünftige Auswahl des Landes, in dem die Weltmeisterschaft stattfinden soll, sowie ein sorgfältiger Umgang der jeweiligen Regierung im Hinblick auf die umzusetzenden Maßnahmen.

Gelingt dies, steht dem Großereignis Fußball-WM nichts mehr im Wege. Um in der Fußball-Sprache zu bleiben: Drei Punkte für die WM.

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