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debattePRO: TV-Duell – ein Gewinn für Europa

Von kamilachilewski / 8. Mai 2014

Wer gehört werden will, kommt ums Fernsehen nicht herum. Ein Wahlduell im TV liefert den Spitzenkandidaten eine Bühne, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Von Dorit Kristine Arndt 242 Minuten pro Tag schaut ein Deutscher im Schnitt Fernsehen, so das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsinstituts Media Control aus dem Jahr 2013. Politik will und soll […]

Wer gehört werden will, kommt ums Fernsehen nicht herum. Ein Wahlduell im TV liefert den Spitzenkandidaten eine Bühne, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.

Von Dorit Kristine Arndt

242 Minuten pro Tag schaut ein Deutscher im Schnitt Fernsehen, so das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsinstituts Media Control aus dem Jahr 2013. Politik will und soll die Menschen erreichen – was liegt da näher, als sie im Fernsehen zu thematisieren? Wir sollten die potenzielle Reichweite von Fernsehsendungen nutzen und auch Wahlduelle im TV ausstrahlen.

Bei der Europawahl können die Parteienverbände in diesem Jahr zum ersten Mal eigene Kandidaten bestimmen, die sie ins Rennen um den Posten des EU-Kommissionspräsidenten schicken. Die Wahl wird damit persönlicher, bekommt Gesichter. Wir sollten zumindest die Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker von der Europäischen Volkspartei und Martin Schulz von der Sozialdemokratischen Partei Europas kennenlernen – auch durch das TV-Duell.

Warten auf den Schlagabtausch

Bei einem Wahlduell treten die Spitzenkandidaten an und sagen, was sie zu sagen haben. Im besten Fall präsentieren sie sich schlagfertig, witzig, kompetent, charmant und sympathisch. Zugegeben: Meistens ist das nicht so. Meist ist der beste Moment der, in dem alle gleichzeitig reden. Oder in dem der Moderator an seiner Krawatte nestelt. Diese Momente werden überhaupt erst wahrgenommen, weil der Zuschauer voll dabei ist. Weil er den Moment nicht verpassen möchte, in dem der eine dem anderen Kandidaten fieser als erwartet in die Parade fährt. Oder eben doch mal mit den Konventionen gebrochen wird. Darauf fiebert der Zuschauer hin.

Wahlduelle können Bewegung in den müden Wahlkampf bringen, wenn sie auch als Duell begriffen werden. Die Spitzenkandidaten sollen sich einen Schlagabtausch liefern und nicht in ein Duett einstimmen. Die generell starren Regeln eines TV-Duells behindern zwar eine treffliche Diskussion, unmöglich ist ein Streitgespräch jedoch nicht. Es wäre schön, wenn die Kandidaten ihre Anmutung als Sprechautomaten verlassen und aus der Reihe tanzen würden. Sie sollen nicht nur Standard-Antworten aus ihren Köpfen abfeuern, sondern aus dem Herzen schießen, Visionen ausmalen, mitreißen, Hoffnung machen. US-Präsident Barack Obama hat gezeigt, dass auch Politikerreden fesseln und begeistern können.

TV-Duelle als Win-Win-Win-Situation

Wahlduelle im Fernsehen haben viele Kritiker. Es heißt, sie seien starr und unangepasst, unnütz und abgedroschen. Doch allein die messbare Wirkung weist den Schlagabtausch im Fernsehen als Erfolg aus. Das TV-Duell zur vergangen Bundestagswahl zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück verfolgten knapp 18 Millionen Fernsehzuschauer. Hunderttausend Tweets wurden abgesetzt, zahllose Journalisten und Spin-Doktoren rangen um die Deutungshoheit und verliehen dem TV-Ereignis zusätzlich Gewicht.

Wahlforscher Thorsten Faas von der Universität Mainz sagte dazu in einem Tagesschau-Interview: „Wahlduelle steigern die Wahlbeteiligung. Allein das ist ein hohes Gut, und da sollten Duelle wertgeschätzt werden.“ Das TV-Duell schafft eine Win-Win-Win-Situation. Alle profitieren: Politiker, Medien, Bürger. Fernsehduelle könnten sich zum Blockbuster des Wahlkampfes mausern.

Fernsehen kann Gefühle übertragen und Botschaften überbringen. Fernsehen haftet noch immer eine gewisse Seriosität an. Und noch mehr: Heute geht Fernsehen auch nach der Sendung weiter. Wenn das TV-Duell vorüber ist, dann bedeutet das nicht das Ende der Auseinandersetzung. Vielmehr gibt das Duell einen neuen Impuls für Blogbeiträge, Tweets und Facebook-Kommentare, für Unterhaltungen beim Stammtisch und Telefonate mit dem besten Freund. Das bestätigt auch die Forschungsgruppe Wahlen: „Bei Debatten dieses Formats erfolgt die Meinungsbildung meist auch anschließend über indirekte Rezeption der Bürger, und somit über die Medien, Gespräche oder andere Kommunikationskanäle.“

Brücken bauen für Politik-Uninteressierte

Studien haben belegt, dass TV-Duelle gerade Unentschlossenen helfen, ihre Wahlentscheidung zu treffen. Sie schätzen die Möglichkeit, die antretenden Persönlichkeiten zu vergleichen. Der Vorwurf, man erfahre bei einem TV-Duell wenig Neues und es ginge nur um alte Kamellen, ist damit entkräftet. Gerade zu Menschen, die sich sonst nicht besonders für Europa und Politik interessieren, können solche Fernsehformate eine Brücke schlagen.

Bei der kommenden Europawahl geht es um so viel wie nie. Das Europäische Parlament hat sich zu einem Machtfaktor gemausert. Gleichzeitig ist es für den Wähler eine ganz schöne Herausforderung, bei der Fülle an Meinungen und Stimmungen zu Europa den Überblick zu behalten. In Zeiten, in denen die Skepsis vieler Bürger gegenüber den Institutionen in Brüssel und Straßburg groß ist und europafeindliche Parteien starken Zulauf haben, ist es wichtig, Aufklärung und Struktur in den Wahlkampf zu bringen. Wahlduelle sind ein Mittel, auf das wir nicht verzichten sollten, gerade weil sie so kompakt sind, inszenieren und Meinungen auf den Punkt bringen.

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