Twitter Icon Facebook Icon

Schuld sind die Anderen?

Von Sagwas-Redaktion / 31. Januar 2012

Bei den Jahresrückblicken 2011 waren sie wieder überall zu sehen: Bilder von durch Erdbeben und Tsunamis verwüs­teten Landschaften, von Hurrikanen, die Häuser zerstörten und von hungernden Menschen auf ausgedörrtem Land. Vorm Fernseher sitzend murmelt man dann „schrecklich, schrecklich“ vor sich hin, beißt ins Salamibrötchen, schaut in den grauen Winterhimmel und freut sich schon auf den […]

Bei den Jahresrückblicken 2011 waren sie wieder überall zu sehen: Bilder von durch Erdbeben und Tsunamis verwüs­teten Landschaften, von Hurrikanen, die Häuser zerstörten und von hungernden Menschen auf ausgedörrtem Land. Vorm Fernseher sitzend murmelt man dann „schrecklich, schrecklich“ vor sich hin, beißt ins Salamibrötchen, schaut in den grauen Winterhimmel und freut sich schon auf den baldigen Kurzurlaub im viel angenehmeren Süden.

So nicht!, sagt Martin Hausding, Pressesprecher und Leiter von Greenpeace Berlin. Gemeinsam mit circa 250 Ehrenamtlichen kümmert sich die Umweltschutzgruppe in der Hauptstadt unter anderem um Themen wie Landwirtschaft und Chemie, Gentechnik und eben Klimawandel. Es ist so leicht, auf andere zu zeigen: Sollen doch erstmal die Amerikaner, die Chinesen und die Inder das neue Klimaschutzabkommen unterschreiben. Sollen doch erst mal die ihren CO2 Haushalt in den Griff bekommen. Wir machen ja schon genug.
Tatsächlich? Der autolose Vegetarier Martin Hausding bezweifelt das. Bevor man andere in die Pflicht nimmt, sollte man erstmal bei sich selber anfangen. Verzicht üben lautet die ungern gehörte Forderung. Denn um die eigene Klimabilanz aufzupolieren, kann jeder noch einiges tun: Wie wäre es zum Beispiel mit dem Verzicht auf Fleisch? Oder statt Kurztrip mit dem Billigflieger auf die Bahn umsteigen?

Alles schon bekannt und alte Hüte? Schön wär’s. Die Zahlen von 2011 sprechen da eine andere Sprache. Vergangenes Jahr war der CO2 Ausstoß um 1900 Millionen Tonnen höher als noch 2009. Das ist ein Anstieg um satte sechs Prozent. Das müssen die Schwellenländer China und Indien gewesen sein. Ja, auch. Der Ausstoß in Deutschland im vergangenen Jahr ist aber ebenso angestiegen, schätzen Experten.

Höchste Zeit, etwas zu verändern. Wie zäh dieser Prozess ist, konnte man im Dezember auf der Klimaschutzkonferenz im südafrikanischen Durban beobachten. Im allerletzten Moment wurde sie noch vor dem totalen Scheitern gerettet. Zwar wurde kein neues Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen. Aber immerhin konnten sich die teilnehmenden Staaten darauf einigen, Kyoto ab dem 1. Januar 2013 zu verlängern. Wie viel CO2 eingespart werden soll und wie lange sich die Länder verpflichten werden, soll Ende 2012 in Katar verhandelt werden.

Es bleibt also abzuwarten, was uns der Jahresrückblick 2012 bringt. Werden wir wieder schreckliche Bilder von Naturkatastrophen und leidenden Menschen sehen müssen? Wird die Klimakonferenz von Katar gescheitert sein? Oder haben die Mächtigen der Welt bis dahin die drohende Gefahr verstanden? Und wir? Werden wir wieder vom Urlaub auf den Malediven träumen und dazu in ein Salamibrot beißen?

Wir freuen uns auf Eure Vorschläge und Kommentare: Verzicht ist gut. Oder ist das alles nur Quatsch?

*buttons*

Debattenfazit: Schuld sind die Anderen!

„Unterschätzt Euch nicht!“, lautet knapp zusammengefasst das Fazit von Martin Hausding zur sagwas-Debatte „Schuld sind immer die Anderen“. Der Sprecher der Greenpeace Gruppe Berlin beschäftigt sich seit Jahren mit Themen wie Umweltschutz und Energiepolitik. Immer wieder hört er dabei in zahllosen Diskussionen, die er mit Mitstreitern, Politikern und Andersdenkenden führt, das Argument, dass der Einzelne alleine nichts bewirken könne. In diese Richtung gingen auch viele der Kommentare unserer sagwas-User: Was nütze es schon, wenn man aufs Auto oder Fleisch­essen verzichte, wenn doch alle anderen nicht mitmachen. Ganz zu schweigen von so genannten Schwellenländern wie etwa Indien oder China, die noch nicht mal willens seien über eine Veränderung ihres Verhaltens zu diskutieren. Oft wurden auch strengere Regelungen vom Gesetzgeber gefordert, um langfristig ein umweltgerech­teres Handeln zu erreichen. Martin Hausding weiß um diesen Zwiespalt, aber er hält dagegen: Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung hilft. Jeder kann was zur Veränderung beitragen. Schaut Euch an, wie er die sagwas-Debatte zusammenfasst.

9 Antworten zu “Schuld sind die Anderen?”

  1. Von Charly am 11. Januar 2012

    So wird das nie funktionieren. Vielleicht beschränkt sich der ein oder andere freiwillig, weil er ein kluger, nachdenklicher Mensch ist. Aber die Masse, die wird nie einfach so auf ihren Urlaub in Mallorca verzichten oder den Gang zu McDonalds. Und erst recht nicht werden Männer nicht auf die Shoppingtour im Baumarkt verzichten…. Da helfen nur Gesetze und hohe Steuern. Wenn es ab den Geldbeutel geht, dann verstehen es die Menschen. Und nur dann.

  2. Von Antonia R. am 12. Januar 2012

    Grundsätzlich hat Herr Hausding recht. Wenn sich jeder an die eigenen Nase fassen würde und wenigstens ein bisschen was verändern würde, dann könnte das schon einen großen Effekt haben. Aber wenn ich mich dann selbst so ansehe, dann hält man das nicht durch. Das ist wie mit den Silvestervorsätzen, die halten auch nur ein paar Tage. Daher denke ich, dass es eine Illusion ist, dass man auf diese Weise langfristig das Klima rettet. Da müssen andere Geschütze aufgefahren werden. Leider.

  3. Von Fletch am 12. Januar 2012

    Also wenn ich ehrlich bin: Ich würde nie auf Fleisch verzichten wollen. Und auf meinen Urlaub auch nicht. Ich weiß zwar, dass das nicht gut ist für’s Klima, aber ich verdränge den Gedanken regelmäßig. Und wenn ich dann mitbekommme, wie alle meine Freunde in den Urlaub fliegen, dann kann ich erst recht nicht nein sagen. Mit der Bahn an die Nordsee ist nun mal was anderes als in der Karibik. Das klingt egoistisch. Aber es nützt doch auch gar nichts, wenn ich verzichte und alle anderen es nicht tun. Ich glaube, wenn man wirklich was erreichen will, dann muss man es gesetzlich regeln.

  4. Von Sophie B. am 13. Januar 2012

    Absolut richtig, Herr Hausding. Man muss bei sich und im kleien anfagngen. Und ich kann das Gerede, dass das nichts bringt, nicht mehr hören. Es geht vielleicht langsam und ein paar Querköpfe die nichts ändern wollen, wird es immer geben. Aber jeder ein bisschen, das ist dann schon jede Menge. Den Fleischkonsum reduzieren kann ja wohl jeder. Und das Auto so oft wie möglich stehen lassen auch. Zu einem Öko-Stromanbieter zu wechseln sollte auch ein leichtes sein – aber alleine das scheint vielen schwer zu fallen. Geht aber alles, geht alles recht einfach, wenn man nur will.

  5. Von Henryks Bruder am 13. Januar 2012

    Wie kann man Teil eines Systems bleiben und es dennoch ändern? Ist das nicht letztendlich die eigentliche Frage dahinter?
    Wir Konsumenten haben jede Menge Macht und von daher auch Gestaltungspotential. Aber in einer durch und durch individualisierten Gesellschaft ist es schwierig ein Gefühl der Kollektivität zu erzeugen. Ich bin pessimistisch. Aber vielleicht belehrt mich ja Occupy eines Besseren!!!!?

  6. Von Chango am 13. Januar 2012

    Sowas klingt im ersten Moment immer gut und sehr plausibel, aber die Umsetzung lässt doch arg zu wünschen übrig. Ohne gesetzliche Regelung lässt sich heutzutage doch kaum noch etwas durchsetzen. Erst wenn etwas per Gesetz teurer wird, lassen sich die Menschen auf etwas Neues, also auf Alternativen ein.

  7. Von Gerdens am 16. Januar 2012

    Alles richtig was Herr Hausding aufwirft und hier auch in vielen Kommentaren wiedergespiegelt wird.
    Man muss zuerts bei sich anfangen etwas zu ändern und dann auf das Große pochen. „Das bringt doch nichts wenn nur ich das mache“ kann ich mittlerweile auch nicht mehr hören. Wir alle gestalten unsere Welt, und das leider momentan zum negativen. Es fällt schwer Verzicht zu üben. Aber versuchen sollte man es trotzdem. Man muss es ja nicht gleich so rigoros, wie von Herr Hausding vorgeschlagen, praktizieren.
    Aber machen sollte, ja, muss man auf jeden Fall etwas. Die Natur wird es uns danken…

  8. Von Molinari am 18. Januar 2012

    Herr Hausding hat völlig recht. Ich kann das Gerede nicht mehr hören. Alle regen sich auf über den Klimawandel und die bösen Chinesen, aber auf ihr Schnitzel wollen sie nicht verzichten. Und ohne Auto geht gar nichts. Das sind alles Scheinargumente. Man kann ohne Fleisch, ohne Auto und meinetwegen auch ohne Werkzeugkiste prima und immer noch sehr luxuriös leben. Aber die meisten sind einfach zu bequem um etwas zu ändern. Das kann einen schon auf die Palme bringen. Und ich fürchte, das wird sich nicht ändern bis es zu spät ist.

  9. Von bastian am 25. Januar 2012

    Vegetarier werden, Auto abschaffen und mit Bahn an die Ostsee fahren, Werkzeug von Freunden leihen? Nö, echt nicht. Wieso soll ich das machen? Die Amis, Franzosen, Chinesen und Inder machen das doch auch nicht. Und außerdem, das bisschen, was ich da einspare, das ändert am Klimawandel auch nichts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnlicher Artikel

Europa-Blog

Immer noch ziemlich beste Freunde

Die deutsche Sozialdemokratie half den spanischen Sozialisten nach dem Franco-Regime, eine neue Ära zu begründen. Spanien wurde begeistertes Mitglied der EU. Bis heute verbindet die Sozialdemokraten …
Von Jonas Freist-Held / 6. Oktober 2015

Zufalls Artikel

Hintergrund

Stadt, Land, Flüchtling

Sie leben. Dass zahlreiche Geflüchtete in Europa leben können, ist gut. Weniger gut ist dagegen häufig die Art, ihr Leben hier zu gestalten. Aber darf man sich beschweren, wenn man Hilfe bekommt? …
Von Ahmed Abdelazeem / 3. Januar 2017

Meist Kommentierter Artikel

Hintergrund

Oh, du göttliche Frucht

Viele Menschen kehren sich vom traditionellen Glauben an Gott ab. Stattdessen wenden sie sich einer Art Gesundheitsreligion zu: Sie huldigen veganen Köchen, folgen Fitnessbloggern und glauben an die …
Von Sophia Hofer / 1. September 2016