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Islamistische Radikalisierung – und was man dagegen tun kann

Von Sagwas-Redaktion / 22. November 2017

Die Angst vor einem Terroranschlag ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – zu Recht, wie der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 gezeigt hat. Parallel dazu erleben wir eine breite öffentliche Debatte um islamistischen Extremismus, Salafist/innen und die Gefahren, die von zurückkehrenden deutschen IS-Kämpfern ausgehen können. Diese Debatte wird oft schrill geführt und von vielen Muslim/innen als stigmatisierend empfunden. Rechtspopulist/innen nutzen die Angst vor islamistischem Extremismus für ihre politischen Zwecke und bestärken damit die Sorge vor einem zunehmend ressentimentgeladenen gesellschaftlichen Klima.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Präventions- und Ausstiegsarbeit, die in den vergangenen Jahren vor allem von zivilgesellschaftlichen Trägern geleistet wird. Mittlerweile engagieren sich bundesweit etliche Vereine und Initiativen, die in unterschiedlichen Handlungsfeldern tätig sind und in unterschiedlichen Phasen möglicher Radikalisierungen ansetzen. Dabei geht es nicht allein um die Verhinderung von Ausreisen nach Syrien oder in den Irak oder um den Ausstieg aus salafistischen Szenen, sondern auch um eine präventive Arbeit, in der Jugendliche und junge Erwachsene im Vorfeld von möglichen Radikalisierungsprozessen gestärkt und für extremistische Ansprachen sensibilisiert werden. Über die Hintergründe und aktuelle Entwicklungen in Deutschland sowie Möglichkeiten der Präventionsarbeit in Bezug auf islamistischen Extremismus möchten wir mit Ihnen und euch in Form einer Online-Live-Debatte diskutieren.

Datum

1. Dezember 2017 13:00–14:00Uhr

Veranstaltung

LIVE-DEBATTE

Teilnehmer

Dr. Götz Nordbruch, Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus
Dr. Behnam Said, Islamwissenschaftler und Mitarbeiter beim Verfassungsschutz Hamburg
Moderation: Dr. Dietmar Molthagen, Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin


6 Antworten zu “Islamistische Radikalisierung – und was man dagegen tun kann”

  1. Von Süleyman Ateş am 30. November 2017

    Wir müssen uns in Deutschland mit Islam auseinander setzen.
    Politische Islamismus bekämpfen.
    Nicht der Islam sondern die Islamismus ist gefährlich, hinter der Islamismus stehen politische Organisationen wie Ditip, Milliarden Görüş , Gülenisten usw.deren Einfluss muss verhindert werfen.
    Die Kinder und Jugendliche sollen in Sinne Menschenrechte und Demokratie ausgebildet werden.

    1. Von Flx am 1. Dezember 2017

      Das stimmt vollkommen, aber dazu müssten politische Entscheidungsträger aufhören, immer nur die Symptome bekämpfen zu wollen, sondern die Ursachen zu tilgen: Deutschland beteiligt sich dir ekt und indirekt an Kriegen.

      Zudem fühlen sich immer mehr Menschen isoliert und gesellschaftlich nicht integriert und verlieren somit an „Halt“. Kommt dazu noch eine Perspektivlosigkeit (beruflich, privat,…), entstehen all diese schrecklichen Wörter mit der Endung -ismus.

      Ich finde es zudem verwerflich, dass ein Großteil der Menschen, sich immer erst dann Gedanken macht, wenn die Gefahr für einen selbst unmittelbarer wird.
      So heißt es ja auch nicht ohne Grund:“…soundso viele Opfer bei Terroranachlägen, darunter 4 DEUTSCHE.“
      Warum diese Anmerkung sein muss, sollte sich jeder selbst beantworten.

      Aber ja, -ismus bekämpfen…

  2. Von Flx am 1. Dezember 2017

    Welche Rolle spielt die auf Sensation ausgerichtete mediale Berichterstattung (auch die der öffentlich-rechtlichen)? Ich habe oft das Gefühl, dass so Ängste geschürt und auf ein zu großes Maß erhöht werden. Spaltet das nicht noch mehr?

  3. Von Ahmet Algan am 1. Dezember 2017

    „Der Westen (Amerika und Europa) darf keine Waffen in die Konfliktherde liefern. Sich nicht in die innere Angelegenheiten der islamischen Länder einmischen. Nicht die Despoten in diesen Ländern unterstützen. Weder direkt (durch Soldaten/Söldner) noch indirekt (durch Waffenlieferungen) Muslime töten“.
    Mit diesen Argumenten werben die Radikalen in den islamischen Ländern junge Muslime als Rekruten.
    Seien wir aufrichtig, können wir im Westen darauf verzichten, weiterhin Waffen zu verkaufen. Unsere Wirtschaft würde nicht funktionieren, wenn wir keine Waffen verkaufen.

  4. Von Gerit Probst am 1. Dezember 2017

    Ein sehr wichtiges Instrument zur Radikalisierungsprävention und den Kampf gegen religiösen Fanatismus ist meines Erachtens flächendeckender islamischer Religionsunterricht. Durchgeführt von an hiesigen, staatlich geprüften Islam-Fakultäten ausgebildeten Lehrern wohlgemerkt, unabhängig von Ditip & Co.
    Denn es ist offenichtlich, wie viele junge Muslime sehr wenig Ahnung oder nur eine verzerrte Wahrnehmung von ihrer Religion haben. Fundiertes Wissen um die eigene religiöse Identität macht die jungen Menschen weniger angreifbar für die Einflüsterungen Radikaler.
    Sie sollten lernen, wie unislamisch das Morden von Menschen ist und daß der Islam mit unserem Wertesystem sehr wohl vereinbar ist.

  5. Von Albert Reinhardt am 1. Dezember 2017

    Der Weg aus der „Risikogesellschaft“, in eine nachhaltige „Resilienzgesellschaft“, ist ein Ziel, welches wir nur erreichen können, wenn wir Jugendlichen gestatten, sich während ihrer Identitäts- und Bewusstseinsbildung mit dem politischen System verbinden zu können, 
    um sich selbst damit „vertraut“ zu machen.

    Um Bildung zu einem nachhaltigen, weil kultur-evolutionären, Lern- und Erkenntnisprozess von Jugendlichen zu machen, sollte neben dem bisherigen, curricular vorbestimmten Schulunterricht, per Gesetz, ein zweiter, also nicht-curricularer Bereich, in freien Trägerschaften
    – jedoch auch innerhalb von Schulen, institutionalisiert werden.  
    Durch einen, mit der politischen Ebene verbundenen, emanzipatorischen Sozialisationsprozess, würde sich ein nachhaltiger Kulturentwicklungs-Horizont eröffnen, welcher den augenblicklichen gesellschaftlichen Verfallstendenzen (zu Stämmen?) entgegen wirken könnte.

    Das PSI-21-Prozedere 
    Gestaffelt nach Altersstufen der Schüler, stehen ihnen Politiker auf den
    verschiedenen politischen Verantwortungsebenen gegenüber: 
    • den jüngsten (12-14-jährigen) Schülern Politiker auf kommunaler Ebene, 
    • den älteren (15-16-jährigen) Schülern Politiker auf Landesebene und 
    • den ältesten Schülern Politiker auf Bundesebene, oder perspektivisch 
    • sogar auf europäischer Ebene.

    Projektablauf: 

    1. Entlang der Ressorts der jeweiligen politischen Ebene, wählt die Mehrheit der Schüler das „Haupt-Themengebiet“ aus. 
    2. Zum gewählten Thema stellt jede Fraktion fünf bis zehn Fragen an die Schüler. 
    3. Entsprechend der Anzahl der vertretenen Fraktionen, erstellen die Schüler Präsentationen, um sich wechselseitig über die notwendigen
        Hintergrundinformationen aufzuklären. 
    4. In kleinen Dialoggruppen (vergleichbar mit „Zukunftswerkstätten“ oder „Sokratischen Gesprächsgruppen“) werden „Schülerfragen“ gestellt,
        im Intranet veröffentlicht und diskutiert. 
        In einem Rankingverfahren bestimmen die Schüler die „Top Ten“ ihre Fragen.
    5. Anonym eingeloggt, kann nun jeder Schüler einer Partei sein Feedback geben, sowie die „Top-Tens“ der Schüler-Fragen bewerten. 
    6. Die Auswertung der Feedbacks an die Fraktionen wird im Internet veröffentlicht. 
    7. Die Auswertungen der Feedbacks, auf die Schülerfragen, werden zu Anträgen formuliert und den jeweiligen Gremien zur Entscheidung vorgelegt.

    “ ‚Die Evolution ist ein Bastler, kein Ingenieur.‘ 
    Sie arbeitet mit allem, was zur Verfügung steht, wenn sich der Selektionsdruck verändert, und erzielt damit ein Ergebnis, das nicht das adaptivste ist, aber zufriedenstellend, gemessen an dem Ausgangsmaterial.” 
    (Gewalt und Mitefühl, S. 493; Sapolsky, Robert M. ; 2017; http://www.hanser-literaturverlage.de/9783446256729)

    PSI-21, sollte schnellstmöglich im Rahmen eines Pilotprojektes ausprobiert, und wenn es sich bewährt, gleichwertig zu den den bestehenden Schulstrukturen, implementiert werden. So könnte sich die Qualität, von emotionaler Rückbindsungsfähigkeit, über den Erfahrungsraum von
    Kleingruppen („Stämme“), auch auf die Meta-Ebenen übertragen und erweitern lassen.
    Der digitale Wandel erzeugt sonst wachsende Erosionsprozesse.

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