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Gib mir Dein Herz!

Von Sagwas-Redaktion / 30. September 2011

Jeden Tag sterben drei Menschen, die gerettet werden könnten. Sie sterben, weil kein Spenderorgan für sie zur Verfügung steht. Es gibt einfach nicht genug Herzen, Lebern oder Nieren, die transplantiert werden könnten. Nur etwa 4.000 Organe stehen den Ärzten pro Jahr zur Verfügung. Die Warteliste aber zählt etwa 12.000 Menschen. Sind die Deutschen einfach nicht […]

Jeden Tag sterben drei Menschen, die gerettet werden könnten. Sie sterben, weil kein Spenderorgan für sie zur Verfügung steht. Es gibt einfach nicht genug Herzen, Lebern oder Nieren, die transplantiert werden könnten. Nur etwa 4.000 Organe stehen den Ärzten pro Jahr zur Verfügung. Die Warteliste aber zählt etwa 12.000 Menschen.

Sind die Deutschen einfach nicht bereit, Organe zu spenden? Ganz im Gegenteil! Das zumindest belegt eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr. Danach sind beinahe 75 Prozent der Deutschen bereit dazu, ihre Organe nach ihrem Tod zu spenden. Aber nur 25 Prozent von ihnen haben einen Spenderausweis.

Da kommt der Vorschlag von Gesundheitsminister Daniel Bahr, FDP ja gerade recht. In einem Änderungsantrag zum Transplantationsgesetz, schlägt er vor, dass alle Bürger von ihren Krankenkassen über ihre Organspendebereitschaft befragt werden sollen. Alle fünf Jahre sollen sie „Ja“, „Nein“ oder „Ich möchte mich noch nicht entscheiden“ ankreuzen. Das Ergebnis wird auf der Gesundheitskarte festgehalten. Eine Pflicht zu antworten soll es nicht geben.

Im Bundestag hat dieser Vorschlag für große Irritationen gesorgt. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen Bahrs Vorgehensweise. Denn eine parteienübergreifende Initiative hat sich dem Thema längst angenommen, und wirft dem Gesundheitsminister jetzt vor mit seinem schellen Vorpreschen lediglich die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu wollen.

Dabei sollten die Politiker sich vielleicht doch besser noch einmal mit dem Inhalt der Neuregelung beschäftigen. Warum eigentlich keine Pflicht zur Antwort? Auch zu anderen Handlungen verpflichtet der Staat seine Bürger. Viele davon sind unangenehm. Nehmen wir nur einmal das Steuern zahlen. Außerdem sind wir verpflichtet zu helfen. Fahren wir zum Beispiel an einem Unfall einfach vorbei ohne Hilfe zu holen, so machen wir uns strafbar.

Wieso also keine Pflicht zur Beantwortung der Frage, ob wir bereit sind Organe zu spenden? Ist „Nein“ ankreuzen wirklich zu viel verlangt, wenn man keine Organe spenden will? Eine Pflicht würde die Auseinandersetzung mit dem Thema erzwingen. Da es um den eigenen Tod geht, sicherlich keine leichte Kost. Aber ist das die Gemeinschaft den 12.000 wartenden Todeskadidaten nicht schuldig? Sollten die Parteien – übergreifend – nicht gerade über diesen Aspekt diskutieren, als darüber, wer das Gesetz als erster eingebracht hat?

3 Antworten zu “Gib mir Dein Herz!”

  1. Von Claudia am 30. September 2011

    ich finde eine Pflicht sich zu äussern, nicht gut. Ich will bei diesem Thema neutral bleiben.

    Niemand kann eine Antwort aus einem heraus zwingen, wenn er es nicht möchte. das ist mein gutes Recht

    über meinen Körper bestimme ich selbst, auch über meinen Tod hinaus

    LG

  2. Von HECTOR am 4. Oktober 2011

    Wenn es keine Wahlpflicht gibt, kann es auch keine Pflicht geben, die Frage nach der Verwendung der eigenen Organe nach dem Tod zu beantworten.

    Es sollte mEn beides selbstverständlich sein.

  3. Von Aga am 5. Oktober 2011

    Also ich muss ehrlich gestehen, ich fände eine Pflichtantwort in Ordnung. Viele Menschen setzen sich nicht dem Thema gar nicht erst auseinander, denn natürlich möchte niemand gerne über den eigenen Tod nachdenken, aber wo ist der Sinn darin, dass ein kranker Mensch sterben muss, nur weil ein Älterer Angst hat, darüber nachzudenken, was mit seinem Körper passiert wenn ihn nicht mehr nutzen kann?
    Es ist auch die Aufgabe der Politik, Mensch für unangenehme Themen zu sensibilisieren und eine Pflichtantwort in Sachen Organspende würde dies allemal schaffen. Immerhin hat jeder auch die Option anzukreuzen, dass er/sie noch unentschlossen ist – nachdenken müsste aber jeder.

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