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Neue Konzepte nicht behindern

Von Sagwas-Redaktion / 3. November 2016
Credits: Pixabay/ isi159; Lizenz CC0

Interviewreihe zum Thema Arbeit, Teil 4: Die Arbeitswelt verändert sich radikal. Metasuchmaschinen wie joblift.de, die Anzeigen verschiedener Jobbörsen listen, wollen Arbeitgebern und Arbeitssuchenden helfen, mit den neuen Anpassungen Schritt zu halten. PR-Expertin Julia Karlstetter erklärt, wie genau das vor sich gehen soll und welche Aufgabe die Politik dabei hat.

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Glaubt an die Sharing Economy: PR & Content Marketing Managerin Julia Karlstetter

Joblift hat als sehr junges Unternehmen bereits Büros in Hamburg und Berlin, bietet aber nicht nur in Deutschland, sondern auch Holland und Frankreich Jobs an. Was hat es damit auf sich?

Da wir mit unserer Plattform neben Deutschland auch in Frankreich und Holland vertreten sind, ermöglicht uns eine entsprechend große Datenbasis, verschiedene Analysen zur Arbeitsmarktsituation durchzuführen. Im Bereich Sharing Economy etwa versuchen wir herauszufinden, wo welche Berufsprofile verstärkt nachgefragt werden.

Warum ist gerade Sharing Economy in den Fokus von Joblift geraten?
Ich durchforste täglich arbeitsmarktbezogene Nachrichten und versuche, Tendenzen herauszulesen. Neu ist das Konzept an sich natürlich nicht. In Deutschland wirft es allerdings aktuell einige Fragen auf. Insbesondere, weil zum Beispiel deutsche Sharing-Anbieter, die in die Krise geraten sind und einige Mitarbeiter entlassen mussten, fusioniert haben und sich neu positionieren müssen. Gleichzeitig versucht die Politik, mitzureden. Da wäre beispielsweise Sigmar Gabriels „12-Punkte-Plan“ zu nennen, der vorsieht, die Sharing Economy zu beflügeln. Das hat mich neugierig gemacht und mich dazu bewogen, den Stellenmarkt in diesem Bereich näher zu betrachten.

Folgt daraus mehr Einmischung?
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wie man dem öffentlichen Diskurs entnehmen kann, gesteht sich die Politik nun ein, dass Deutschland einen recht regulierten Markt vorsieht und versucht, zurückzurudern und das Ganze zu liberalisieren, um international nicht hinterherzuhinken.

Andererseits hört man Kritiker der Sharing Economy von einer „legalen Grauzone“ sprechen. Warum ist Reglementierung offenbar trotzdem ein Problem?
Schlupflöcher gibt es definitiv im Car-Sharing-Bereich oder bei AirBnb-Angeboten. In Berlin ist es inzwischen verboten, seine Wohnung an Fremde zu vermieten, ohne dieses gewerbemäßige Vorgehen als solches zu kennzeichnen. Wie Sharing von statten gehen soll, darüber wird hier noch viel diskutiert. Meine Recherchen haben ergeben, dass in Deutschland eine generelle Skepsis gegenüber der allgemeinen Sharing Economy herrscht. Das hält internationale Unternehmen nicht davon ab, auch hierzulande Fuß zu fassen.

Nachhaltige Jobs entstehen dadurch jedoch nicht, haben Sie herausgefunden.
Ja, das stimmt leider, zumindest ist das laut unserer Analyse aktuell der Fall. Internationale Anbieter schaffen hierzulande kaum neue Arbeitsplätze, besetzen aber im Vergleich die obersten Plätze bei der Nachfrage seitens der Kunden. Sprich, sie verdienen am meisten hier, ohne lokale Niederlassungen dafür zu benötigen, und beanspruchen damit dennoch die größte Marktmacht.

Was bedeutet diese Online-Expansion für die deutschen Sharing-Firmen?
Wenn die heimische Branche nicht ausreichend Unterstützung erfährt, um sich zu etablieren, dann könnte die internationale Konkurrenz womöglich schwer einzuholen sein. Es sei denn, man schafft sich eine Nische.

Und was kann die Politik konkret tun?
Es wäre wahrscheinlich hilfreich, den öffentlichen Diskurs etwa dahin zu lenken, dass das Sharing-Konzept zwar kritisch hinterfragt, aber vorrangig auch positiv wahr genommen wird. Auch weil diese neue Art des Geldverdienens wohl sowieso Einzug halten wird.

Wie lässt sich erkennen, dass es sich hierbei um ein nachhaltiges Phänomen handelt und nicht etwa um einen Hype, zumal es scheint, als würden vorrangig Großstädter die Angebote nutzen?
Sicherlich gibt es in einigen Bereichen wie etwa dem Car-Sharing überwiegend städtische Konsumenten. Aber Plattformen und Netzwerke oder Initiativen wie Kleiderkreise funktionieren auch auf dem Land sehr gut. Außerdem stehen wir da in Deutschland ohnehin noch sehr am Anfang. Die Idee hat noch mehr Potential zu bieten. In den Großstädten zeigen sich lediglich die ersten Erfolgsgeschichten.

Inwiefern kann joblift.de der Branche unterstützend zur Seite stehen?
Wir sind mit unseren rund 30 Mitarbeitern erst seit ca. einem Jahr am Markt und entwickeln wir unser Produkt konsequent weiter. Unsere Arbeitsmarkt-Analysen lassen Rückschlüsse auf Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt zu, wie etwa auf aktuell stark nachgefragte Profile. Auch das kann uns dabei helfen, unser Produkt entsprechend auszurichten, damit die User schnell an die Informationen kommen, die sie suchen, und die Unternehmen zu den Arbeitnehmern, die sie brauchen.

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