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proDie unerwartete Gemeinschaft

Von Lea Goeppert / 29. Juli 2016
Credits: Shannon/ flickr: "Go Pokeball!"; Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

Als Individuen einer Gesellschaft sind wir ihren Umständen und damit auch Trends ausgesetzt. Das muss nicht immer schlecht sein: Manchmal entsteht dadurch dort Gemeinschaft, wo wir sie nicht vermuten. Und das ist gut so.

Viele Menschen sitzen unter einem Baum im Park, das Smartphone in der Hand, die Blicke darauf geheftet. Was sie machen? Sie spielen Pokémon Go. Die versammelte Mannschaft unterhält sich dabei, aus verschiedenen Ecken wird gejubelt, andere schauen grimmig. Vor fünf Minuten hat sich noch keiner von ihnen gekannt.

An der App kommen Smartphone-Nutzer derzeit kaum vorbei, die kleinen pocket monster sind fast überall im Alltag präsent. In der Smartphone-App gestaltet jeder Spieler seinen eigenen Avatar, wählt ein Team und kann dann Pokémons ausbrühten, züchten und in Arenen kämpfen lassen. Die Fundorte der Monster und der Arenen sind an öffentlichen Straßen und Plätzen.

Die ganze Aufregung kann durchaus nerven, aber durch dieses simple Spiel passiert auch viel Positives. Neben Bewegung an der frischen Luft entstehen spontane Gemeinschaften dort, wo wir sie nicht erwartet hätten – an fast jeder Straßenecke.

Anpassen an die Internetgesellschaft

„Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen“, meint der polnische Dichter Piotr Czerski. Kein Wunder, dass wir anders leben als die vorangegangenen Generationen. Für uns ist das Internet kein Ort oder virtueller Raum, es ist immer da. Wir passen uns dem Internet an, sind ein Produkt der Internetgesellschaft. Als solches sind wir determiniert durch unsere Umstände.

Unsere Gesellschaft ist durch ihr Lebensumfeld geprägt. Ändert sich dieses, passen wir uns an und verändern unsere Gewohnheiten. Neue Trends prägen uns – und das ist völlig in Ordnung.

Die neue App, die Menschen über Fahrradwege und Kreuzungen irren lässt, schafft sogar eine Art Parallelgesellschaft, eine neue Gemeinschaft. Sie wird gebildet durch einander fremde Menschen, die im Park nebeneinandersitzen oder auf der Straße an derselben Stelle stoppen, weil sich dort laut ihrer App Pokémons aufhalten.

Gemeinschaften finden, und zwar überall

Es ist nicht nur diese App, die neue Gemeinschaften schafft. Die Digitalisierung vereinfacht die Kommunikation massiv. So treten wir über Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram und zahlreiche andere Anwendungen mit Menschen in Kontakt, die wir vermutlich weder real treffen noch anrufen würden.

Zum Festival komme ich mit einer Reisetruppe aus München, die ich vorher im Internet gefunden habe. Auf dem Festival finde ich meinen verlorenen Schwimmring dank eines Facebook-Posts. Nach dem Festival schwelge ich auf dem Youtube-Festival-Kanal zusammen mit anderen Besuchern in Erinnerungen, wir teilen noch einmal die musikalischen Höhepunkte.

Wir sind vernetzt und können diese Verbindungen mit geringem Aufwand halten. Die Umstände, die uns bestimmen, haben ziemlich viele Vorteile.

http://media2.giga.de/2016/07/tumblr_m3kd5g8DXc1rp62zio1_500-rcm800x0.gif

http://giphy.com/gifs/pokemon-friendship-high-five-10LKovKon8DENq

http://giphy.com/gifs/MX6AzL91jpE9G

 

Lies weiter bei…

Debatte | Individuell oder gemeinsam?

Contra | Keine Opfer der Umstände

 

Eine Antwort zu “Die unerwartete Gemeinschaft”

  1. Von Anonymous am 18. Mai 2017

    Cool

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