Twitter Icon Facebook Icon

proRelevanter denn je

Von Sarah Koeksal / 15. August 2016
Credits: kmckaskle/ pixabay; Lizenz CC0

Auslandsstudium, Praktika, allzeitige Erreichbarkeit über Grenzen hinweg: Jungen Menschen stehen in der globalisierten, digitalisierten Welt viele Optionen offen. Der Glaube als Orientierungshilfe ist deswegen hochaktuell – persönlich und politisch.

Oft habe ich Bauchschmerzen wegen der Zukunftsplanung, diskutiere stundenlang mit Freunden und liege nachts grübelnd wach. Im Vergleich zur Generation unserer Eltern sehen wir uns ununterbrochen vor neue Entscheidungen gestellt. Der eigene Lebenslauf wird zum Kunstwerk, das man aufwändig aus vielen farbenfrohen Bausteinen zusammenschustern muss.

Wo man Glück findet und wie man erfolgreich wird, dafür gibt es unendlich viele verschiedene Möglichkeiten, die wir gegeneinander abwägen: Vielleicht erst Mediendesign studieren, dann Work&Travel in Australien oder doch lieber den Job bei dem Start-up annehmen?

Die Familie kann kaum weiterhelfen, sie würde höchstens sagen: „Kind, überleg doch mal selber, du bist doch schon erwachsen genug!“ Bei den Freunden kommt man auch nicht weiter. Schließlich stehen viele vor dem gleichen Dilemma: Wie soll es weitergehen?

Glaube als Wegweiser des Lebens

Viele junge Menschen suchen deswegen im Glauben nach Antworten auf die vielen Fragen. Wäre das Leben eine Prüfung, so wäre der Glaube mindestens genauso hilfreich wie die Formelsammlung. Er kann Lösungen zwar nicht konkret vorgeben, aber immerhin Anhaltspunkte, an denen wir uns durch den Dschungel der Unsicherheiten hangeln können. Glaube kann dabei viele Gesichter haben, er muss nicht immer direkt eine religiös-kirchliche Konnotierung haben.

Weit entfernt von veralteten Moralvorstellungen, über die sich medienpräsent beschwert wird, bietet der Glaube uns allen etwas, das in der heutigen Gesellschaft oft zu kurz kommt: Reflektion. Während Tinder und Facebook hektische Oberflächlichkeit kultivieren, finden wir im Glauben einen Moment der Stille, des Innehaltens.

Wie fühle ich mich eigentlich? Bin ich zufrieden? Was wünsche ich mir wirklich, fern von Erwartungen oder Gruppenzwang? Wohin führt mich der Weg, auf dem ich gerade bin? Kann ich guten Gewissens weiter gehen?

Für die Beantwortung solcher Fragen reichen kaum soziale Medien oder die Zeit zwischen zwei Terminen. Ruhe und Geborgenheit sind nötig. Manches muss jeder mit sich selbst ausmachen – und mit Gott.

Für junge Christen geht es neben der Zukunftsplanung verstärkt auch um das Thema Beziehung. In den Freikirchen und Jugendkirchen finden sich viele zusammen, die desillusioniert sind von One-Night-Stands, offenen Beziehungen und fehlender Menschlichkeit. Sie brauchen Sicherheit zum Ankommen und zur Entfaltung. Sie suchen einen Ort, an dem es nicht um den nächsten besseren, schnelleren, geileren, schöneren Kick geht. Für viele ist dieser Ort immer noch die Ehe. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Zahl der Erst-Eheschließungen wieder ansteigt1.

Christliche Werte in der Flüchtlingskrise

Neben persönlichen Angelegenheiten kommt der Religion gerade in den politischen Auseinandersetzungen mit der Flüchtlingsthematik eine Schlüsselrolle zu. Die Öffnung der Grenzen für Menschen in Not entspricht einer christlichen Grundhaltung. Christliche Grundwerte sind auch da, wenn . Sie sind da, wenn tausende Ehrenamtliche am Münchner Hauptbahnhof mit Blumen und Brezeln auf die Neuankömmlinge warten. Sie sind da, wenn sich die Bürger im fränkischen Ochsenfurt von dem Axt-Anschlag nicht entmutigen lassen und sagen: „Jetzt erst Recht!“.

Der Glaube ist nicht unbedingt etwas, das auf Flaggen geschrieben oder worüber ununterbrochen im Fernsehen berichtet wird. Er ist nicht unbedingt laut oder offensichtlich. Er schreit nicht, er flüstert eher. Aber wer genau hinhört, der merkt ganz schnell, dass er da ist – damals wie heute. In diesem Sinne ist er absolut zeitgemäß.

Wenn sich mehr Leute die Ruhe nehmen würden, um zu reflektieren, wofür sie wirklich stehen, dann würden sie die Antwort schnell finden. Vielleicht nicht dort draußen – nicht in der wilden, hektischen Welt – aber in sich drinnen, ganz leise, aber immer präsent. Denn im Grunde müssen wir nicht alleine den Kampf gegen die vielen Fragezeichen in unserem Leben aufnehmen – wir müssen nur zuhören.

1 Statistisches Bundesamt: Eheschließungen (Erst-Ehen und Wiederverheiratung) (Stand: 10.8.2016) https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Eheschliessungen/Tabellen/ErstEhenWiederverheiratung.html

 

Lies weiter bei…

Debatte | Ist Glaube noch zeitgemäß?

Contra | Zeit für Selbstkritik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnlicher Artikel

Pro-Contra-Themen

Gerechter Roboter

Manche Bewerber kommen nicht ganz so einfach an einen Job als andere, denn Bewerbungsprozesse sind oft diskriminierend. Künstliche Intelligenz kann ohne die Vorurteile entscheiden, denen sich ein …
Von Katharina Mau / 1. Januar 2018

Zufalls Artikel

Europa-Blog

Ein großes Geschenk

Ein offizielles europäisches Bürgerbegehren gegen das Freihandelsabkommen TTIP scheiterte. Die Initiative Stop TTIP ließ sich davon nicht beirren und sammelte dennoch über drei Millionen …
Von Jonas Jordan / 9. Oktober 2015

Meist Kommentierter Artikel

#2017plus

Nicht erst, wenn es zu spät ist

Wer sich weiterbilden will, der könnte schon bald Geld dafür bekommen – eine neue FES-Studie zeigt, wie aus der Arbeitslosen- eine Arbeitsversicherung werden könnte. Eine …
Von Alex Wolf / 5. Mai 2017