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proErneuerbare Energien – Immerhin ein Schlüssel am Bund

Von Sven Drebes / 30. September 2021
picture alliance / Westend61 | Robijn Page

Der Konsum grüner Energie ist ein Schlüssel zu einer nachhaltigen, lebenswerten Zukunft. Aber das alleine reicht nicht. Was ökologisch sinnvolle Energiequellen ausmacht, muss man sich genau anschauen. Und dann aktiv werden.

Die Nutzung, von Energie aus fossilen Quellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas sowie die Nutzung von Atomenergie sind nicht nachhaltig. Ein Grund dafür ist die schlichte Tatsache, dass Kohle, Öl, Gas sowie die für Kernkraftwerke geeigneten Brennstoffe wie Uran endlich sind. Noch entscheidender ist jedoch, dass die Nutzung dieser Quellen auf verschiedene Arten den Menschen und der Umwelt schadet. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas setzt CO2 und andere Stoffe frei, die die Erdatmosphäre gefährlich erhitzen. Das Nutzbarmachen von Kernenergie wiederum geht mit der Gefahr von Kraftwerkshavarien einher, die große Gebiete um diese Werke herum für lange Zeit unbewohnbar machen. Und wir wissen längst, dass die schädlichen Abfälle aus Kernkraftwerken über viele Jahrhunderte aufwändig gelagert werden müssen. Die Nutzung erneuerbarer Energieträger – Sonne, Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Erdwärme und Wasserstoff – ist dagegen weitaus nachhaltiger.

Unendliche Energie

Es sind also erneuerbare Energiequellen, die entweder von selbst immer (wieder neu) verfügbar sind oder, wie Biomasse und Wasserstoff, schnell neu erzeugt werden können. Auch wenn die Sonne nicht immer überall scheint und der Wind nicht immer überall weht sowie Wasserkraft und Erdwärme nicht überall verfügbar sind, kann mit einer Kombination verschiedener erneuerbarer Energien der Bedarf überall, immer und auf unabsehbare Zeit gedeckt werden. Nötig sind dafür lediglich Speicher und Leitungen. Den meisten Regionen hilft ein Mix aus verschiedenen Energieträgern, um darin enthaltene, benötigte Ressourcen in Kombination nutzbar zu machen. Im weiteren Umland von Berlin gibt es zum Beispiel viele Flächen, die für die Gewinnung von Wind- und Solarstrom im großen Maßstab geeignet sind, kleinere Solaranlagen können auf vielen (Privat-)Dächern installiert werden. Ergänzend dazu können die vielen landwirtschaftlichen Betriebe einen Teil ihrer Abfälle an Biomasse-Kraftwerke liefern.

Enkeltaugliche Energie

Die Umwandlung von Wasserkraft, Erdwärme, Wind und Sonne in nutzbare Energie setzt keine Treibhausgase frei. Beim Verbrennen von Biomasse wird zwar CO2 freigesetzt. Da aber relativ frisch geerntete Pflanzen verheizt werden und auf den Flächen wieder neue Pflanzen wachsen, wird etwa so viel Kohlendioxyd frei wie wieder gebunden wird. Mir ist zudem im Zusammenhang mit grünen Energien kein Abfallstoff bekannt, der über Jahrhunderte unter großen Sicherheitsvorkehrungen gelagert werden muss.

Biomasse ist dann als wirklich nachhaltig anzusehen, wenn Reste von solchen Pflanzen verbrannt werden, von denen andere Teile als Nahrung oder Rohstoffe, zum Beispiel für Kleidung, verwendet werden. Der ausschließliche Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Energie ist dagegen problematisch, weil dadurch Land blockiert wird, das sonst der Erzeugung von Nahrung dienen kann.

Die Nutzung von Wasserstoff ist nachhaltig, wenn erneuerbare Energien eingesetzt werden, um diesen aus Wasser zu gewinnen. Dazu ist allerdings sehr viel Energie nötig. Deshalb bin ich der Auffassung, dass Wasserstoff nur dort eingesetzt werden sollte, wo man die anderen, vorhandenen Energieträger nicht verwenden kann.

Erneuerbare Energien sind darüber hinaus weit weniger giftig als diejenigen, die bis vor kurzem unseren Energiemix dominierten. Hier ist zwar noch viel Luft nach oben, vor allem was die Herstellung von Batterien, Chips und Solarzellen betrifft. Batterien werden allerdings auch zum Speichern konventionell hergestellter Energie und Chips für viele andere Zwecke benötigt. Die derzeit existierenden Probleme sollten daher zum Anlass genommen werden, umweltschonende Technologien zur Erzeugung erneuerbarer Energie zu entwickeln, statt sie zu verwerfen. Das gilt für den Ersatz problematischer Metalle und „seltener Erden“ genauso wie für die Herstellung von Stahl und Beton.

Explosionen und geschredderte Vögel

Über Nachteile müssen wir auch reden. Wasserstoff ist hoch explosiv. Bei nicht sachgemäßem Umgang können im direkten Umfeld von Anlagen, die aus Wasserstoff nutzbare Energie gewinnen, große Schäden entstehen. Auf der anderen Seite stellen die Rotoren von Windkraftanlagen eine Gefahr für Vögel dar. Ich verschließe meine Augen nicht vor diesen Problemen. Vielmehr sehe ich darin weitere Betätigungsfelder, die den Bedarf an Weiterentwicklung der Technologien anzeigen. Die Explosivität von Wasserstoff ist für mich ein zusätzlicher Grund, ihn nur dort einzusetzen, wo die anderen grünen Energiequellen nicht einsetzbar sind.

Geht es noch nachhaltiger?

Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ist also nachhaltiger als die Nutzung fossiler Energie und von Kernenergie. Noch nachhaltiger ist es allerdings, keine Energie zu nutzen. In vielen Regionen der Erde ist es aber schon von jeher nicht möglich oder mindestens sehr unbequem, ein Leben zu führen, ohne Energie zum Heizen, Vorankommen oder Betrieb irgendwelcher Geräte zu nutzen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, weniger Energie zu verbrauchen und den Energiekonsum so weit wie möglich zu reduzieren. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, Gebäude, Fahrzeuge und andere Geräte deutlich energiesparender zu konzipieren und zu bauen. Hier sind die Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft. Das gilt ebenso für die Verbesserung von Erzeugung, Transport und Speicherung von Energie. Und natürlich müssen wir die Menge der Treibhausgase, die wir in den letzten Jahrzehnten in die Atmosphäre geblasen haben, reduzieren, etwa durch Aufforstung und die Renaturierung von Mooren.

Der Konsum erneuerbarer Energien ist mit Sicherheit ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. Wir müssen allerdings weitere Schlüssel in die Hand nehmen, um nicht nur diese Tür langfristig für alle zu öffnen.

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