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contraFacebook – der Name ist Programm!

Von Nico Amiri / 28. Februar 2019
Credits: https://unsplash.com/photos/tRL_Rkh6D8o;

Nach 15 Jahren hat sich das vermeintlich harmlose digitale Fotoalbum zu einem scheinbar alternativlosen Technikmonopolisten gewandelt, der außer Kontrolle geraten ist. Die jüngste Meme-Aktion ist dabei alles andere als reiner Spaß.

Die Meme-Aktion #10YearChallenge war ein großer Erfolg, keine Frage. Unzählige Nutzer nahmen ihre Online-Freunde mit auf eine Zeitreise in Bildern: Neben ihr aktuelles Bild stellten sie eine zehn Jahre alte Aufnahme von sich. Facebook dementiert jede Beteiligung als Urheber an dieser Aktion. Die Frage allerdings, ob das Unternehmen die Bilder für eigene Zwecke nutzt, ist noch nicht beantwortet worden. Dem ersten Anschein nach wirkt dieser neue Trend ja recht harmlos.

Doch sind diese Memes wirklich unbedenklich und dienen die Vergleichsbilder tatsächlich nur einer spaßigen Zeitreise? Das darf man bezweifeln. Längst ist das ehemalige Harvard-Netzwerk ein breit aufgestellter Konzern geworden, der auf künstliche Intelligenz (KI) setzt. KI hilft Facebook wie kaum eine andere Technologie, seine Nutzer – freundlich ausgedrückt – noch besser kennenzulernen. Doch nicht ohne Grund markiert das System nach dem Fotoupload alle Gesichter und schlägt mögliche Übereinstimmungen vor. Gesichtserkennung gehört schon heute zum Standardrepertoire sozialer Medien. Und das sicher nicht aus Nächstenliebe.

Die Physiognomie jedes Menschen verändert sich mit zunehmendem Alter. Die #10YearChallenge kommt da gerade recht, um gängige KI-Algorithmen zu verbessern. Mithilfe des direkten Vergleichs kann die Technologie im Hintergrund auch feine Einzelheiten erkennen und mögliche Unterschiede untersuchen. Selbst wenn die Ergebnisse dieser Analysen momentan keine weitere Verwendung finden würden, so bleibt doch Fakt, dass die Dargestellten von der anderweitigen Nutzung ihrer Bilder keinerlei Kenntnis erhalten.

Ein Skandal jagt den nächsten

Facebook ist schon längst außer Kontrolle geraten, davon zeugen diverse Skandale. Die vermutlich schwerwiegendsten betreffen demokratische Prozesse: die US-Wahlen und das Brexit-Referendum. In beiden Fällen sollen Nutzerdaten unzulässigerweise an externe Dritte – Unternehmen zumeist – weitergegeben worden sein. Trotz einer halbe Million Euro Strafe machen die Verantwortlichen nicht den Eindruck, aus ihren Fehlern gelernt zu haben und es weist neben Lippenbekenntnissen allein auch nichts darauf hin, als ob signifikante Änderungen in Sicht wären. Selbst in den Protest von Kritikern und Aktivisten, also auch potentiellen Nutzern, mischte sich Facebook ein und diffamierte sie durch aggressive Lobbyarbeit.

Die Kontrolle eines sozialen Riesen wie Facebook durch die Politik ist bisher nicht gelungen, sondern kläglich gescheitert. Das Versprechen, zumindest nicht die Dienste der Tochterunternehmen, Whatsapp und Instagram, zusammenzuführen, brach Facebook-Mitbegründer Mark Zuckerberg kürzlich. Womit nun ganz offiziell Daten von Whatsapp an Facebook weitergegeben werden. Und, anders als zugesagt, wird Whatsapp künftig auch Anzeigen schalten. Ein Meilenstein auf dem Weg zu immer personalisierterer Werbung, mithin eine Goldgrube für das Unternehmen.

Die Währung des Jahrtausends: unsere Daten

Ist die Nutzung Facebooks nicht kostenlos? Ja, aber sie ist dennoch nicht umsonst! Die Währung sind unsere Daten. So simpel diese längst bekannte Feststellung ist – offenbar wollen sie einige Leute nicht begreifen. Spuren hinterlassen ständig und wir überall. Wenn wir Musik bei Spotify hören, geben wir unfreiwillig Daten an Facebook weiter. Das liegt an einer besonderen Schnittstelle, einem Code, den Facebook allen Tech-Konzernen unbeschränkt zur Verfügung stellt.

Fest steht, dass es von einem Großteil aller Konsumenten weltweit inzwischen einen digitalen Fingerabdruck gibt. Beängstigend ist dabei, dass auch Menschen ohne Profil in sozialen Medien nicht wirklich ohne Datensätze im Netz sind. Facebook selbst legt sogenannte Schattenprofile an. So werden zum Beispiel aus Kurznachrichten von Facebook-Nutzern Informationen über Nicht-Nutzer extrahiert, um auch diese zu registrieren und daraus gewonnene Erkenntnisse auszuwerten.

Die Frage nach den Grundrechten

Der Schutz der eigenen (digitalen) Privatsphäre ist ein Grundrecht in Europa. Kleine und große Unternehmen, Vereine sowie Regierungen und Behörden sind verpflichtet, vor allem heikle Personendaten vor Missbrauch zu schützen. Skandale wie in Facebooks Fall sollten deshalb nicht lediglich als Verstoß gegen die Spielregeln kategorisiert werden, die ohnehin noch einer genauen Definition und Einordnung bedürfen.

Die Digitalisierung erlaubt nie gekannte Innovationen und ermöglicht theoretisch jedem Menschen eine Vielzahl von Freiheiten. Frei kann aber nur sein, wer sich nicht zum Knecht seiner Online-Konten machen lässt. Ein Meme wie die #10YearChallenge unhinterfragt zu teilen ist kein guter Ausdruck von Selbstbestimmung und Autonomie.

Eine Antwort zu “Facebook – der Name ist Programm!”

  1. Avatar
    Von Alex am 24. März 2019

    Ich habe mir auch gedacht, dass Facebook schon längst außer Kontrolle geraten ist

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