Twitter Icon Facebook Icon

Und täglich grüßt der Umweltschutz

Von Sebastian Stachorra / 20. September 2016
Credits: Pixabay; Lizenz CC0

Ressourcenverbrauch. Geht es noch langweiliger? So richtig populär ist das Thema nicht. Sollte es aber sein, längst schon. Hier ein paar Ideen für den Gesprächseinstieg.

 

Wir machen Schulden. Schulden, die wir nicht zurückzahlen können. Seit 30 Jahren verbraucht die Menschheit mehr Ressourcen, als die Erde anhaltend bereitstellen kann.

In diesem Jahr war es am 8. August soweit. Die nachhaltig erzeugbaren Ressourcen der Erde für das Jahr waren erschöpft. Es bräuchte momentan also eigentlich 1,6 Erden, um den weltweiten Ressourcenverbrauch zu decken. Die Situation ist noch dramatischer, wenn man sich vor Augen hält:
Wäre der Verbrauch weltweit so wie in Deutschland, müsste es mehr als drei Erden geben. So einen Dispo gibt es bei keiner Bank.

Mit dem Finger auf andere zeigen reicht nicht

Auch das Bundesumweltministerium weiß: „Im Entwurf der Neuauflage der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie von 2016 bekennt sich die Bundesregierung zu einer Grundregel, der zufolge jede Generation ihre Aufgaben selbst lösen muss und diese nicht den kommenden Generationen aufbürden darf. (…) Eine Ressourcennutzung auf ‚Pump‘ ist damit nicht vereinbar.“, heißt es auf Anfrage. Das ist ein erster Schritt – denn diese Position ist keineswegs unumstritten. Schließlich argumentiert selbst der Umweltminister von Schleswig-Holstein in Bezug auf Atommüll, zukünftige Generationen könnten einen Weg finden, besser mit dem strahlenden Müll umzugehen als wir.1

Aber bringt es eigentlich was, in Deutschland besser mit Ressourcen umzugehen? Hier nutzt die Industrie Ressourcen schon relativ effizient. So sagte beispielsweise Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie nach dem Klimagipfel in Paris letztes Jahr, es sei vor allem wichtig, das versprochene Geld (100 Millionen €) für den Klimaschutz in Entwicklungsländern auszugeben: “Jeder Cent davon ist besser eingesetzt und bringt mehr Tonnen CO2 aus der Welt, als in Europa neue Einsparungsziele hinter dem Komma zu definieren.“2

Und auch Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert: „Deutschland darf in der Klimapolitik nicht vom Vorreiter zum Einsiedler werden. Es ist nicht die Zeit, überstürzt über neue EU- oder nationale Ziele nachzudenken.“3

Dieses Argument werde oft als Ausrede missbraucht, findet Julia Otten. Sie ist Referentin für zukunftsfähiges Wirtschaften bei Germanwatch (https://germanwatch.org/de/startseite), einer Organisation, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt: „Ich erlebe das häufig in der politischen Auseinandersetzung als ein Argument, hinter dem man sich versteckt, um keine Anstrengungen zu machen.“ Sie geht sogar noch weiter. „Das Problem mit einer globalen Lösung und einem einheitlichen Standard ist, dass wir das einfach nicht haben und aus verschiedenen Gründen auch gar nicht verlangen können.“ Doch in Deutschland könne sich beispielsweise zeigen, dass die Energiewende umsetzbar ist. „Und die Signalwirkung, die davon ausgeht, ist natürlich enorm“, glaubt Otten.

Es geht auch anders 

Welche Außenwirkung ein bewusster Umgang mit Ressourcen haben kann, zeigt etwa Westfalia Spielgeräte. 700 Tonnen Plastikmüll verarbeitet die Firma jährlich – Tendenz steigend.4

Das zeigt, es braucht nicht immer den großen Kampf in der Politik, um etwas zu verwenden. Beim Ressourcenschonen fängt es bereits im Kleinen an. Keine Sorge, es folgt hier kein Plädoyer für den eigenen Gemüsegarten in der Zweizimmerwohnung (obwohl auch das Spaß machen kann). Hier sind einfach einige Beispiele, die zeigen, wie es geht: reduzieren, reparieren, recyceln.

  • Stichwort Reduzieren: Wann hast Du das letzte Mal Cornflakes gekauft und dich darüber geärgert, dass nur so wenige Cornflakes in einer so großen Verpackung sind? Natürlich ist das auch ein Verkaufstrick. Umso schöner, dass es Supermärkte gibt, wo diese Masche nicht zieht: verpackungsfreie Läden. Statt in Plastiktüten füllt man Müsli, ja sogar Waschmittel, einfach in eigene Behälter ab. Und warum Obst und Gemüse in Plastik eingepackt werden muss, habe ich sowieso noch nie verstanden. Das ist in diesen Läden meist regionaler Herkunft und spart damit zusätzlich Sprit, also: Ressourcen. Hier kannst Du schauen, ob es einen verpackungsfreien Supermarkt in deiner Nähe gibt: https://utopia.de/ratgeber/verpackungsfreier-supermarkt/

  • Stichwort Reparieren: Meine Großeltern haben das meiste noch selbst repariert oder kannten jemanden, der ihnen etwas repariert hat. Meine Eltern haben das weitgehend verlernt und rufen bei jedem verstopften Abfluss den Klempner. Und ich? Kann mich dank YouTube-Tutorials entscheiden: lieber selbst probieren oder viel Geld ausgeben. Wenn es auch mit YouTube nicht geht, gibt es noch Repair-Cafés. Orte, an denen handwerklich Begabte denjenigen helfen, die mit zwei linken Händen zu Welt kamen. Und weil das im Moment im Trend ist (ähnlich wie Näh-Cafés und Fritz-Cola, die es wohl in beidem zu kaufen gibt), sprießen solche Repair-Cafés nur so aus dem Boden. ZeitOnline hat eine Übersicht erstellt. (http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/21/repair-cafe-selbsthilfewerkstatt-deutschlandkarte)

  • Stichwort Recyclen: Die „Panther Ray“ besteht aus Müll und fährt auf der Spree. Jedenfalls waren ihre Bestandteile mal Müll – nun bilden sie ein Katamaran. Recyceln kann also Spaß machen – unsere Autorin Jule hat ausführlich über die Panther Ray geschrieben. (http://www.sagwas.net/2016/09/praktisch-provokativ-panther-ray/)

Also: Es ist möglich, ressourcenschonender zu leben. Sowohl als Privatperson, aber als auch als Gesellschaft. Das mag kurzfristig etwas mehr Geld kosten. Aber Geld kann zurückgezahlt werden – anders als die Ressourcen, die verbraucht werden, obwohl der Planet sie nicht schnellstens wieder reproduzierenkann. Oder, in den Worten von Julia Otten, um im Bild zu bleiben: „Wir haben keine Möglichkeit, diese Schulden abzuzahlen.“

Grund genug für uns, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Indem wir unseren Müll beim Einkauf reduzieren, alte Geräte öfter einmal reparieren oder aus Müll einfach etwas Neues machen – und damit auch noch voll im Trend zu liegen.

1 http://www.deutschlandfunk.de/atommuell-lagerung-wie-schuetzt-man-kommende-generationen.697.de.html?dram:article_id=297886

2 https://www.igbce.de/presse/pressearchiv/xix-54-ergebnisse-cop-21/118968?highlightTerms=&back=true

3 http://bdi.eu/artikel/news/pariser-klimaabkommen/

4 http://www.deutschlandfunk.de/westfalia-spielgeraete-spielplatz-aus-dem-gelben-sack.1197.de.html?dram:article_id=366026

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnlicher Artikel

ts-grafik.de/photocase.de Hintergrund

Mehrheit und Markt

Der neue Hoffnungsträger der FDP heißt Hans-Dietrich Genscher. Und das kommt auch nicht so schrecklich überraschend. Der aktuelle Parteivorsitzende Philipp Rösler hat einen der letzten großen …
Von Tim Krause / 18. Oktober 2011

Zufalls Artikel

Hintergrund

Lebensgefährliche Suche nach der Wahrheit

In manchen Ländern ist die Arbeit von überaus kritischen Journalisten nicht gerne gesehen. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen setzt sich weltweit für die Pressefreiheit ein. Ein …
Von Madlen Schäfer / 12. Juni 2017

Meist Kommentierter Artikel

#2017plus

Nicht erst, wenn es zu spät ist

Wer sich weiterbilden will, der könnte schon bald Geld dafür bekommen – eine neue FES-Studie zeigt, wie aus der Arbeitslosen- eine Arbeitsversicherung werden könnte. Eine …
Von Alex Wolf / 5. Mai 2017