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Weltgesellschaft: Indigene Völker

Von Christina Mikalo / 18. Mai 2018
Credits: Pixabay/ MonicaVolpin; Lizenz CC0

Schätzungen zufolge sollen in bis zu 90 Staaten der Welt rund 5.000 indigene Völker leben, denen zwischen 370 und 450 Millionen Menschen zugerechnet werden. Doch was bedeutet eigentlich „indigen“? Wo leben sie? Welche Bräuche und Sitten pflegen sie? Und wer bedroht sie?

Was bedeutet „indigene Völker“?

War früher von „Eingeborenen“ oder „Naturvölkern“ die Rede, so wird heute vorwiegend von „indigenen Völkern“ (d. h. „die in einem Land Geborenen“) gesprochen. Um jedwede Konnotation mit Primitivität zu vermeiden.

Indigene unterscheiden sich durch ihre Sprache, Religion oder Gesellschaftsordnung von der Mehrheitsgesellschaft. Die meisten Ethnien sind stolz auf ihre kulturelle Eigenständigkeit und wollen sie bewahren. Leicht ist das nicht: Indigene haben nur wenige Rechte, die sie vor Eingriffen in ihre Lebensweise schützen. Es gibt zwar ein „Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern“ (1991) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und eine UN-Resolution (2007) zum Schutz der Eigentums- und Besitzrechte indigener Völker – ersteres haben jedoch nur wenige Staaten ratifiziert, letzteres ist völkerrechtlich nicht bindend.

Beispiele indigener Völker Nordeuropas und Russlands

Die Nagaibaken, eine Untergruppe der Wolga-Ural-Tartaren, leben in Paris (sprich: „Parisch“) und Kassel. Richtig gelesen: Kleine Dörfer im Süd-Ural tragen die Namen dieser europäischen Städte, in denen die russische Armee während der Napoleanischen Kriege militärische Siege errang.

Am „Ende der Welt“ leben noch zwischen 1000 und 2000 Rentier-Nomaden des Volks der Nenzen auf der sibirischen Halbinsel Jamal. Im Winter trotzen sie bei ihrer Wanderung nach Süden Temperaturen bis zu minus 50 Grad.

Die Samen, früher als „Lappen“ bezeichnet, leben im nördlichen Skandinavien und Russland. Viele der einstigen Nomaden sind heute sesshaft, doch ihre Kultur bleibt in Bewegung: Der samische Joik-Gesang ist weit über Europas Grenzen bekannt und mit dem Rentierrennen verbinden die Samen eine jahrhundertealte Tradition mit dem modernen Skilaufen.

Zwischen 6000 und 13000 Angehörige der Wepsen, eines finno-ugrischen Volks, leben in Nordwestrussland; ihre Kultur und Sprache sind akut vom Aussterben bedroht.

Indigene anderer Kontinente und Länder

Aborigines: Die Ureinwohner Australiens lebten jahrtausendelang als Jäger und Sammler. Ackerbau, Privateigentum und Schrift kannten sie nicht. Die Aborigines waren überzeugt, dass Menschen ein Teil der Natur sind. 1788 eroberten die Engländer das Land und behandelten die Aborigines wie Tiere. 2008 bat der australische Premierminister Kevin Rudd bei den Indigenen für das ihnen zugefügte Leid um Entschuldigung – ein erster Schritt auf dem noch langen Weg der Versöhnung.

Indigene Völker Nordamerikas: eine Sammelbezeichnung für die Navajos, Apachen, Cree und andere Ureinwohner Nordamerikas. Siedler entzogen den Indigenen Land, Kultur und Rechte, zwangen sie, in Reservaten zu leben und schlugen Aufstände blutig nieder. Viele Indigene kämpfen bis heute um ihre kulturelle Eigenständigkeit und Anerkennung.

Indigene Völker Südamerikas: Die meisten indigenen Gruppen leben am Amazonas. Man schätzt ihre Anzahl auf 1.000.000 Personen, die sich auf 150 Völker verteilen. In Bolivien und Peru bilden Indigene die Mehrheit der staatlichen Bevölkerung. Aymara und Quechua, die Sprachen der gleichnamigen indigenen Völker, sind hier staatlich anerkannt. Mit Evo Morales hat Bolivien seit 2006 einen indigenen Präsidenten.

Die Inuit leben in Kanada und Grönland. Früher jagten sie Karibus (Rentiere), Robben und Wale. Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs der Einfluss nordamerikanischer Kultur und Wirtschaft jedoch derart, dass viele Inuit ihre ursprüngliche Lebensweise aufgeben mussten und von staatlichen Hilfen abhängig wurden. Noch heute leben sie in abgeschiedenen Gegenden. Das und der Verlust ihrer Traditionen sind meist die Ursache für Alkoholmissbrauch und eine hohe Selbstmordrate.

Imajeghen/ Kel Tamasheq: ein Volk in der Sahara, das im Westen meist als „Tuareg“ bekannt ist, sich aber selbst nicht so nennt. Verwendet werden, je nach Region, die Begriffe „Imajeghen“ oder „Kel Tamasheq“. Traditionell leben die Imajeghen/Kel Tamsheq als Hirtennomaden. Die Männer dieses Volkes verschleiern ihr Gesicht und reiten auf Kamelen.

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