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Mit dem Strom

Von Marlene Thiele / 26. Juni 2019
Credit: Alexander Bangula

Youtuber Alexander Bangula berichtet seit über drei Jahren über E-Mobilität. Kritik daran kann er nachvollziehen, hat aber für sich gute Gründe gefunden, um an dieser Form der Fortbewegung festzuhalten.

65.000 Abonnenten verfolgen Alexander Bangulas aktuellen Youtube-Kanal „Elektrisiert“, seine Videos verzeichnen teilweise hunderttausende Aufrufe. Darin zu sehen ist der agile 30-Jährige, wie er neue Elektroauto-Modelle testet, lange Strecken durch Europa fährt und von den alltäglichen Herausforderungen an den Ladesäulen erzählt.

Sagwas: Alex, unter uns: Wie viele Stunden verbringst du täglich an der Ladestation?

Alexander Bangula: Sehr viel weniger als man denkt! Mein Auto hängt ganze Nächte an der Steckdose, während ich natürlich in meinem Bett schlafe. Und wenn ich im Shoppingcenter eine Ladestation finde, lädt dort mein Auto, während ich etwas esse oder einkaufen gehe.

Wie ist es, wenn man längere Strecken, beispielsweise von München nach Berlin, mit dem Auto zurücklegen möchte?

Ich muss meinen etwa drei Jahre alten Tesla, Model S 90D, ca. zweimal für 30 Minuten laden. Allerdings gibt es neuere Tesla-Modelle, die auf eine Strecke von 600 Kilometer nur einmal 30 Minuten lang an der Ladestation stehen müssen. Bei Geschwindigkeiten unter 100 Stundenkilometern wäre eine Fahrt von München nach Berlin wohl auch ohne Ladestopp möglich. Elektroautos mit kleinerem Akku, die eher für innerstädtische Nutzung ausgelegt sind, müssen natürlich deutlich öfter und länger aufgeladen werden.

Gibt es einen allgemeinen Grundsatz, den man sich merken kann?

Hier kommt es wieder auf das jeweilige Modell an, wie auch auf die Stromquelle. Ein neues Elektroauto mit einem großen Akku kann an einer Schnellladestation in 30 bis 45 Minuten zu 80 Prozent seines Energiebedarfs decken. Bei einer normalen Ladestation in der Stadt oder mit Starkstrom zuhause dauert es ca. acht Stunden, also wesentlich länger.

Kannst du das etwas konkretisieren?

Ich gehe mal etwas ins technische Detail, so kompliziert ist das auch gar nicht. Es geht vor allem um die Unterschiede bei dem On-Board-Charger der verschiedenen Elektro-Automodelle: Manche lassen sich nur einphasig (wie an haushaltsüblichen Steckdosen, Anm. d. Red.) aufladen, sodass sie nicht die gesamte Kapazität der Ladestation nutzen und alles folglich nur sehr langsam lädt. Das dreiphasige Laden (d.h. mit der vollen Leistung von üblicherweise 22 Kilowatt, Anm. d. Red.) geht sehr viel schneller. Was im Übrigen auch für das System E-Mobilität als solches von Vorteil ist, weil die Autos nicht so lange die Ladestationen blockieren.

Wie steht es um das Netz der Ladestationen. Findest du überall problemlos eine?

Die Ladeinfrastruktur wurde in den vergangenen Jahren ganz gut ausgebaut und ist inzwischen auf einem soliden Niveau. Natürlich sollte man sich gerade in abgelegenen Regionen vorher informieren, wie man dort an seinen Strom kommt. Dank spezieller Apps ist das alles aber leicht planbar. Ich stelle allerdings fest, dass die Stationen nicht ausreichend gewartet werden – meiner Erfahrung nach liegt die Ausfallquote bei etwa 10 Prozent. Außerdem sind die Charger oft zugeparkt. Kommunen sollten besser darauf achten und konsequent Strafzettel verteilen.

Wir brauchen erschwingliche E-Autos

Um die Klimaziele einzuhalten, müssen laut der Arbeitsgruppe Klimaschutz bis zum Jahr 2030 sieben bis zehn Millionen Elektroautos die klassischen Modelle auf deutschen Straßen ersetzen. Bisher sind es etwa 83.000 Stück. Was muss getan werden, um die Nachfrage zu erhöhen?

Wir brauchen noch mehr erschwingliche E-Autos, da könnten sicher auch Förderprämien helfen. Und es sollten mehr Leute mit einem guten Beispiel vorangehen und den anderen zeigen, dass E-Mobilität funktioniert.

Dem Elektroauto an sich sprechen viele eine bessere Umweltverträglichkeit zu. Aber stimmt das auch? Gerade die Herstellung der Batterien ist ja sehr aufwendig.

Es gibt einige Studien dazu und die allermeisten kommen zu dem Schluss, dass Elektroautos besser sind als Autos mit Verbrennungsmotor. Die Studien, die zu einem anderen Ergebnis kommen, machen meiner Meinung nach Denkfehler. Etwa, indem sie den Energieverbrauch nicht mitrechnen, der anfällt, bis das Benzin aus dem Zapfhahn kommt. Es wird wahnsinnig viel Energie benötigt, um das Erdöl zu fördern, zu transportieren und in den Raffinerien aufzubereiten. Selbst an der Tankstelle leuchten noch viele Lichter und die Tankpumpe ist natürlich auch elektrisch betrieben. Darüber hinaus werden für das viele Öl Kriege geführt, unheilige Allianzen mit fragwürdigen Ländern eingegangen, Tankerunglücke im Meer in Kauf genommen… Dass Fracking und andere Fördermethoden nicht das Gelbe vom Ei sind, ist auch klar. All das fällt bei der E-Mobilität weg. Die Batterien sind natürlich ein Problem, aber auch bei normalen Autos werden Rohstoffe eingesetzt, die teilweise problematisch sind, wenngleich in kleineren Mengen.

Die positiven Wirkungen auf das Klima sind das eine. Doch die Forcierung von E-Mobilität hat auch Schattenseiten mit Blick auf die Arbeitsplätze.

Ja, das ist so. Während ein V8-Verbrennungsmotor über tausend Teile hat, hat ein Elektromotor unter hundert Teile. Man braucht also weniger Zulieferer, weniger Arbeitsschritte und insgesamt weniger Arbeitskräfte. Und für mich als Fahrer bedeuten weniger Teile auch weniger Werkstattbesuche. Das Getriebe und der Ölwechsel fallen beim E-Auto sowieso weg.

Du plädierst dennoch für Strom statt Öl. Aber nochmal: In Deutschland kommt der zu 45 Prozent aus dem Kohlekraftwerk. Das ist nicht besonders umweltfreundlich.

Zum einen stößt das E-Auto keine Abgase in der Stadt aus, wo eben die meisten Menschen sind und an der schlechten Luft leiden. Und weil ein Kohlekraftwerk einen guten Wirkungsgrad hat, der Elektromotor erst recht, wird die Energie effizient genutzt. Der Verbrennungsmotor ist nicht so effektiv darin, die im Benzin oder Diesel gespeicherte Energie in Bewegung umzusetzen.

Gibt es Lösungsvorschläge, um die verbleibenden negativen Aspekte der E-Mobilität langfristig verträglicher zu machen?

Die Akkutechnologie geht schnell voran. Hat der Akku nach vielen Jahren und hunderttausenden Kilometern im Auto ausgedient, kann er noch als stationärer Energiespeicher dienen. Ist auch diese Aufgabe nach mehreren Jahrzehnten erschöpft, sollte man den Akku recyceln. In dem Auto, das ich vor drei Jahren gekauft habe, sind weitaus mehr seltene Erden enthalten als in den aktuellen Modellen. Dieser Prozess wird weiter voranschreiten. Darüber hinaus muss natürlich weiter an den sozialen Standards gearbeitet werden.

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