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contraEin Studium lohnt sich

Von Tom Albiez / 29. Dezember 2022
picture alliance / Cultura | Colin Hawkins

Studieren ist bekanntlich eine Investition in die Zukunft. Und zwar eine, die sich in der Regel auszahlt. Entgegen aller Zweifel wegen einer möglichen Überakademisierung der Gesellschaft.

„BWLer gibt es wie Sand am Meer.“

„Mit Naturwissenschaften findet man keinen Job.“

„Mit Sozialer Arbeit verdient man nichts.“

Mit solchen entmutigenden (und ungebetenen) Reaktionen müssen wohl einige Studierende während der weihnachtlichen Familienfeiern wieder rechnen.

Die aktuelle Inflation lässt noch mehr am Konzept Studium zweifeln. Denn besonders Studierende leiden unter den steigenden Lebensmittelpreisen und Mieten.

860.000 Euro mehr Einkommen und die niedrigste Arbeitslosenquote

Schnell kann so der Eindruck entstehen, ein Studium lohne sich nicht mehr. Dabei sprechen die Fakten eindeutig für eine akademische Laufbahn: Die Arbeitslosenquote unter Akademiker:innen lag im Jahr 2021 mit 2,4 Prozent deutlich unter der allgemeinen Arbeitslosenquote in Höhe von 5,7 Prozent. Und laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verdienen Akademiker:innen im Laufe ihres Berufslebens durchschnittlich 860.000 Euro mehr als Facharbeiter:innen mit Berufsausbildung.

Dass ein Studium ein finanzielles Nullsummenspiel sei, stimmt offensichtlich nicht. Die Studienjahre, während derer kein beziehungsweise kaum Geld verdient oder gespart werden kann, werden im Schnitt durch den besseren Verdienst nach dem Studium mehr als kompensiert.

Branche und Studienfach sind entscheidend

Allerdings ist auch richtig, dass es keine Garantie gibt für eine bessere Chance auf ein höheres Einkommen nach einem abgeschlossenen Studium. Natürlich hängen die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt stark von Studienfach und Branche als auch von der jeweiligen Region ab. Es bedarf keiner Statistik, um zu erkennen, dass ein Absolvent der Informatik, der in Bayern bei einem Automobilhersteller einsteigen möchte, wesentlich bessere Gehalts- und Jobaussichten hat als ein Sozialwissenschaftler, der in Mecklenburg-Vorpommern nach einer Stelle im Bereich der politischen Bildung sucht.

Das Einstiegsgehalt von Uniabsolventen liegt laut dem StepStone-Gehaltsreport 2020/21 im Mittel bei circa 45.400 Euro, wobei Masterabsolventen etwa 5.200 Euro mehr verdienen als Bachelorabsolventen. Zum Vergleich: das Einstiegsgehalt bewegt sich je nach Bundesland bei einer Berufsausbildung durchschnittlich in der Spanne zwischen 23.000 und 33.000 Euro.

Selbstverständlich sollten Geld und Jobperspektiven nicht die einzigen Kriterien bei der Berufs- beziehungsweise Studienwahl sein. Viel wichtiger sind die eigene Persönlichkeit und das jeweilige Kompetenzprofil. Jemand, der nur wegen des Geldes Informatik studiert und dann später im Job einen Burnout erleidet, hat nicht nur nicht einkalkulierte Gehaltseinbußen zu verkraften, sondern gefährdet zudem seine Gesundheit.

Kurzfristige Nachteile während der Studienzeit

Trotz der überwiegenden langfristigen Vorteile eines Studiums kann man definitiv während der Studienzeit von einem hohen Armutsrisiko sprechen. Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands gilt jeder dritte Studierende in Deutschland als armutsgefährdet. Und das sogar trotz BAföG, Unterstützung durch Eltern oder Nebenjobs. Im Schnitt müssen demnach Studierende den Monat mit 800 Euro bestreiten.

800 Euro klingen nach viel? Nicht, wenn die Miete schon 500 Euro beträgt und erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass BAföG zur Hälfte eine Schuld darstellt, die nach dem Studium zurückgezahlt werden muss. Armut im Studium ist darum real und BAföG als solches nicht in der Lage, die gesellschaftliche Ungleichheit komplett auszugleichen.

Somit ist es kein Wunder, dass nur noch elf Prozent aller Studierenden BAföG beziehen. Zu viele fallen durch’s Raster. Wer neben dem Studium arbeiten muss, um über die Runden zu kommen, und deswegen seinen Abschluss nicht in Regelstudienzeit erreicht, läuft Gefahr, den Anspruch auf BAföG zu verlieren.

Es bedarf darum vor allem einer Reform des BAföGs, damit junge Erwachsene ohne Nebenjob unbehelligt studieren können. Denn am Ende profitiert eben die Gesellschaft von gebildeten jungen Leuten. Allerdings kann auch eine Ausbildung der richtige Weg sein und sollte als Qualifikation (mehr) Anerkennung finden.

Übrigens: Die Einstiegsgehälter von Bachelorabsolventen an Fachhochschulen liegen wesentlich höher als die ihrer Unikollegen. Ein Grund hierfür ist, dass viele Studierende an Fachhochschulen vorher bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.



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