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contraDie Natur lässt sich nicht zähmen

Von Patricia Grähling / 16. September 2016
Credits: Hans/ Pixabay; Lizenz CC0

Der Mensch kann die Natur erklären, er kann sie beeinflussen und teilweise zerstören. Was er nicht kann: die Natur zähmen. Denn sie ist unberechenbar.

Schon früh lernen wir in der Schule, die Natur zu erklären. Im Chemie-Unterricht erfahren wir, wie die Natur und die Umwelt des Menschen, ja der Mensch selbst, zusammengesetzt ist. In Physik lernen wir die Kräfte von Wasser und Feuer kennen. Wir wissen, woraus Wasser besteht und das wir größtenteils aus Wasser bestehen. Wir können dieses mächtige Element erklären und nutzen, aber nicht beherrschen. So können wir kurzfristig zwar mittlerweile Flutkatastrophen erkennen, wir können sie aber weder mittelfristig voraussagen noch verhindern. Bei Flutkatastrophen schlägt die Natur zu, wann sie es möchte. Wir wissen, wieso und wie sie das tut. Wir können es aber nicht verhindern.

Wir lernen im Biologie-Unterricht, wie ein Baum entsteht, wächst und wie er die Erde überhaupt erst zu einem Lebensumfeld für den Menschen macht, indem er Sauerstoff produziert. Der Baum kann also ohne den Menschen sehr gut leben, der Mensch aber nicht ohne den Baum. Und der Mensch hat zu lange gebraucht, um die Wichtigkeit von Bäumen für das eigene Überleben zu erkennen. Durch Raubbau haben wir die Natur geschädigt und auch nicht zuletzt damit Erdrutsche, Erdbeben und andere Katastrophen selbst verursacht. Die Natur schlägt damit zurück, rächt sich für das achtlose Umgehen mit wichtigen Ressourcen. „In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen“, wusste bereits im 19. Jahrhundert der amerikanische Politiker Robert Green Ingersoll. So kommt es etwa in Indonesien immer häufiger zu Waldbränden, weil dort Wälder zur Gewinnung von Palmöl unkontrolliert abgeholzt werden. Eine drastische, aber natürliche Folge des menschlichen Raubbaus.

Menschen verändern das Klima, nicht die Natur

Durch die Eingriffe in die Natur zerstört der Mensch eigentlich nicht mal die Natur. Er zerstört langfristig nur seinen eigene Umwelt, wenn er etwa wichtige Hölzer abholzt oder dazu beiträgt, dass der Meeresspiegel immer schneller steigt. Er unterstützt den Klimawandel, was seinen eigenen Lebensraum erheblich einschränkt. „Schon zwei Grad Temperaturänderung bedeuten, dass sich viele Verbreitungsgrenzen um mehrere Hundert Kilometer nach Norden verschieben“, erklärt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Dadurch verschieben sich auf Dauer nicht nur Lebensräume von Pflanzen und Tieren, sondern auch die von Menschen.

Die Natur selbst ist ständig im Wandel, passt sich an das neue Klima an, verändert sich. In den vielen Epochen der Vergangenheit gab es verschiedene Erdenbewohner und unterschiedliches Klimaphasen wie die Eiszeit. Dinosaurier etwa verschwanden völlig. Die Natur hat sich selbst als System jedoch immer wieder neu hervorgebracht.

Darüber hinaus gibt es auch heute noch Gebiete auf der Erde, die der Mensch der Natur im Grunde nicht abtrotzen und bewohnbar oder urbar machen kann – etwa Nord- und Südpol, tiefe Urwälder und sehr trockene Wüsten. Hier herrscht die Natur und setzt den Menschen ihrer vollen Macht aus. Die Menschen müssen sich hier der Natur vollkommen unterordnen und anpassen, um zu überleben. „Kein Mensch kann seine Mutter besitzen, keiner kann die Erde zu seinem Eigentum machen“, heißt es bei den Ojibwa, einem Indianervolk in Nordamerika.

Jahreszeiten bestimmen das Leben der Menschen mit

Umgekehrt musste der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten lernen, sich an die Natur anzupassen, um überleben zu können. Das Fertigen von Kleidung und der Bau von Häusern wurden notwendig, um sich vor dem Wetter zu schützen. An den Jahreszeiten muss der Mensch sich orientieren, um Nahrung produzieren zu können, denn gerade die Landwirtschaft ist in höchstem Maße abhängig von den Abläufen der Natur. Schon kurze, aber heftige Unwetter zur falschen Zeit oder ein zu trockener Sommer können eine ganze Ernte und damit Existenzen in Gefahr bringen.

Nicht zu unterschätzen ist zuletzt die Wetterfühligkeit des Menschen. Bei schlechtem Wetter ebenso wie in der kalten, dunklen Jahreszeit sind viele Menschen anfälliger für Depressionen. Während mit dem Erwachen der Natur im Frühjahr auch die Stimmung vieler Menschen von Neuem aufblüht.

Der Mensch ist also im höchsten Maße abhängig von der Natur, daher kann er sich nicht zu ihrem Herrscher aufschwingen. Er kann sie nur verstehen lernen und im Einklang mit ihr leben. Das heißt, er muss sich ihr anpassen und kann nur die Lebensräume erschließen, die die Natur ihm zugesteht. Denn schon mehr als einen menschlich besiedelten Ort hat die Natur sich zurückgeholt. So sagte schon der römische Dichter und Satiriker Horaz: „Man kann die Natur mit einer Forke vertreiben, aber sie kehrt immer wieder zurück.“

 

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Debatte | Wer zähmt hier wen?

Pro | Der Mensch entscheidet auch über die Natur

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