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proAlles ist Trend, Trend ist alles

Von Paula Meister / 31. Oktober 2022
picture alliance / imageBROKER | Firn

Ob Individualisierung, Digitalisierung oder Globalisierung – das 21. Jahrhundert ist geprägt von Trends, die uns bewusst und unterbewusst beeinflussen. In ihrem Strom schwimmen wir mit oder werden mitgerissen. Entziehen können wir uns kaum.

Trends beeinflussen alle(s)

Machen wir uns nicht vor: Manche Trends sind so allgegenwärtig, dass jede*r von uns Teil davon ist. Doch das Wort „Trend“ wird teilweise verharmlost und mit einer gewissen Geringschätzung verwendet. Mit der Aussage „ist jetzt nur so, weil es gerade im Trend ist“ meinen viele, dass die Sache bald wieder vorbei sei. Vielen ist dabei offensichtlich nicht klar, was der Begriff Trend im Grunde beschreibt. Es handelt sich keineswegs nur um vorüberziehende Phänomene. Sie können auch tiefgreifende Entwicklungsprozesse gesellschaftlicher oder kultureller Veränderungen markieren.

Wie lange und nachhaltig sie wirken, ist laut den Sozialwissenschaften sehr unterschiedlich, weswegen in verschiedene Formen von Trends differenziert wird. Ein Trend kann ein Hype sein, der schnell vorbei ist (wir erinnern uns an die Social Network-App Clubhouse) oder sich als dauerhafte Entwicklung über Jahrzehnte strecken (Stichwort Globalisierung).

Trends kann man nicht ignorieren

Trends sind allgegenwärtig, weil sie durch unterschiedliche Impulse ausgelöst werden. Beispiel: prominente Personen. Heute sind das oft Influencer, wie Kylie Jenner, die 2015 mit ihren Lip Kits mattiertes Übermalen der Lippen zum Trend machte. Andere Trends entstehen aus Protestbewegungen zu bereits existierenden Vorläufern. Allein beim Thema Mode gibt es starke Gegenspieler – siehe Second Hand- und Fast Fashion-Trends. Oder wir werden von unserem sozialen Umfeld beeinflusst, folgen andersartigen Verhaltensweisen oder richten unsere Werte innerhalb unserer Bezugsgruppe (Familie, Freunde, Gemeinschaft) neu aus. Sich dem zu entziehen, ist eigentlich unmöglich.

Schnelllebige Produkt- und Modetrends, die oft nicht länger als ein halbes Jahr halten, stehen zu Recht wegen Ressourcenverschwendung und Nachhaltigkeitsaspekten in der Kritik. Wirkung entfallen lässt sich je nach Zeitspanne. Mittelfristig verändern sich durch soziokulturelle Trends in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren unsere Lebensstile, Werte, Bedürfnisse, aber auch die Art und Weise, wie wir konsumieren. Vermeintliche Schönheitsideale haben oft nur eine kurze Halbwertszeit, obwohl wir uns (leider) oft den Kopf darüber zerbrechen. Zu groß, klein, dick, dünn. Um das Ideal zu erreichen, kaufen wir Produkte, passen unser Verhalten an. Wie in einem Hamsterrad: Schlägt der Trend um, messen wir uns an einer neuen Norm. Trendig daherkommen verwechseln einige mit besonderer Anerkennung.

Trends sind Innovation und Rückschritt zugleich

Wo man hinschaut, geben wir Trends den Vorzug. Auch die Technologie folgt (und setzt) Trends unentwegt. Momentan prägt E-Mobilität den verkehrspolitischen Diskurs. Ebenso präsent sind in den Medien Konsumtrends. Einer davon ist, besonders in Pandemiezeiten, die Nutzung von Lieferdiensten. Globale Trends sprengen ihrerseits mit ihren Dimensionen unseren Erfahrungshorizont. Und Megatrends wirken über Jahrzehnte hinweg. Ein solcher Megatrend ist die veränderte Wissenskultur. Immer mehr Menschen verfügen über einen hohen Bildungsstand und haben Zugang zu Informationen. Wissenschaft ist für immer weniger Menschen ein rein abstraktes Phänomen. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt, unser Wertesystem und die Gesellschaft als Ganzes.

Dass unser Leben unter dem Einfluss von Trends steht, ist nicht per se schlecht. Dennoch sind Trends Entwicklungen, die negative Auswirkungen haben können, die oft ausgeblendet werden. Durch die Globalisierung werden immer mehr Arbeitskräfte in Billiglohnländern ausgebeutet und die Umwelt wird durch die gestiegenen Lieferwege (Mobilität) zunehmend belastet. Im Zuge der Urbanisierung werden städtische Infrastrukturen überstrapaziert, während das soziale Leben auf dem Land verödet.

Trends sollte man nicht unterschätzen

Die Wirkung von Trends zu unterschätzen, kann gefährlich sein. Es kommt darauf an, so früh wie möglich ihre Chancen, aber auch die Risiken und Probleme zu erkennen. Insbesondere damit Trends nicht für Marketingstrategien „missbraucht“ werden. Beim Thema Nachhaltigkeit geht es vielen Unternehmen nicht um tiefgreifende ökologische Veränderungen, sondern darum, ihr Produkt als „grün“ zu platzieren und zu verkaufen. So jagt ein Greenwashing-Aufreger den nächsten.

Verlaufen langfristige Trends dagegen gerichtet und stabil, geben sie einen Ausblick, womit wir zukünftig rechnen müssen. Dass wir neue und existierende Trends frühzeitig ausmachen, kann immerhin für die Zukunftsfähigkeit unserer Lebensmodelle entscheidend sein. Nur so können wir bei möglichen negativen Konsequenzen rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Trends können grundlegend für unsere Entscheidungen sein. Aber abhängig machen davon sollten wir uns nicht. Wir sollten sie steuern und nicht von ihnen gesteuert werden, sonst sind wir ihnen am Ende machtlos ausgeliefert.



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