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proPro Abschaffung: Streitgespräche

Von Luan J. Kreutschmann / 6. August 2015
Guillaume Paumier, CC-BY, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leichtathletiklaufbahn.jpeg

Für eine fiktive Schülerzeitung haben wir Schüler, Eltern und Lehrer – auch fiktiv – befragt, warum sie finden, dass die Bundesjugendspiele unverzichtbar sind, und welche Verbesserungen sie eventuell bräuchten. Den einzelnen O-Tönen haben wir kritische Nachfragen gegenübergestellt.

„Die Bundesjugendspiele sind eine einfache Gelegenheit, Spaß am Sport zu zelebrieren“, sagt Maria Baier, Mutter. „Holt Wettbewerb nicht oft die schlechtesten Charakterzüge eines Menschen hervor?“, fragt Holger, Stufe 12.

Spaß am Sport oder kranker Wettkampf?

„Es gibt auch Menschen, die, wenn überhaupt, nur durch solche Events überhaupt mal irgendwie Sport machen“, sagt ein Vater. „Ist einmal denn wirklich besser als keinmal?“, erwidert Lisa aus der Klasse 6d.

„Überall in Deutschland und an deutschen Schulen im Ausland machen Schüler in weltweiter Verbundenheit zur selben Zeit dieselben Dinge“, sagt Frau Mustermann, Philosophielehrerin. „Und was ist mit der Freiheit?“, fragt Tim, 7a.

Gefährlich und leichtsinnig?

„Kein Risiko, viel Spaß“, sagt Manuel, 5a. „Wie hoch ist die Verletzungsgefahr durch Druck, mangelnde Übung, durch ausfallenden Unterricht und fehlende Ausrüstung?“, fragt Daniel Paul, Vater.

„Der Fitnesstand von Schülern einer Altersklasse in drei exemplarischen Disziplinen wird genauestens erfasst. Eine einzigartige Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen“, sagt Herr Tango, Physik- und Astronomielehrer. „Kann man Daten, die einmal in der Welt sind, dauerhaft vor Missbrauch schützen?“, fragt Melanie, Stufe 11.

„Es geht ja dabei um nichts“, sagt Frau Petersen, Klassenlehrerin der 8c. „Wenn das stimmt, kann man’s dann nicht auch lassen?“, sagt Anja, 9d.

Nötige Benotung?

„Noten sind eh subjektiv. Eine mehr oder weniger subjektiv und mehr oder weniger ungerecht ist auch egal“, sagt Martin, 5c. „Sind Notenvergaben vor außergewöhnlich großem Publikum nicht außergewöhnlich verzerrt?“, fragt Quentin, 6b.

„Die Besten haben Anerkennung verdient“, sagt Pascal, Stufe 11. „Muss es ausgerechnet diese Form von Anerkennung sein?“, fragt seine Mathe-Sitznachbarin Anna.

„Sportfeste sind auch Feste, und Feste soll man feiern, so oft man kann“, sagt Herr Herrmann, Musiklehrer. „Sollten zu einem Fest nicht alle in Feierstimmung sein?“, fragt Milan, 9a.

„Sport ist wichtig, Sportunterricht fällt viel zu oft aus, Sport wird unterschätzt – als Gegenpol ist eine solche Veranstaltung unersetzlich!“, sagt Frau Ansbacher, Schulleiterin. „Ist Sport nur wertvoll, wenn er im Wettbewerb stattfindet?“, fragt Xenia, 9b.

„Unsere Schule wird keine Gelegenheit verstreichen lassen, Talente zu entdecken und zu fördern“, sagt Herr Behrends, stellvertretender Schulleiter. „Ist Talente entdecken und fördern nicht eher eine Aufgabe für jeden Tag, für jede einzelne Schulstunde?“, fragt Marten, Stufe 12.

„Sportlehrer können zeigen, was sie mit richtigem Unterricht aus ihren Schützlingen rausholen können“, sagt Frau Bals, Französischlehrerin. „Fördern die Spiele damit nicht die Profilierungs- und Geltungssucht unter Lehrenden?“, fragt Frau Rottenburg, Sozialkundelehrerin.

Welches Gefühl wiegt schwerer?

„Ein Kind wird beschämt, und 300 andere haben den Erfolg ihres Lebens, der sie nachhaltig bestärkt“, sagt Herr Schnupf, Mathematiklehrer. „Ich habe mich geschämt“, sagt Olga, 10a.

„Man könnte einen Ausgleich für körperlich schwächere Schüler schaffen“, sagt Frau Hameister, Deutschlehrerin. „Haben mental schwächere Schüler kein Recht auf Schutz?“, fragt Nina, Stufe 11.

„Die Kritik kommt irgendwie immer von Kindern, die in ihrer Freizeit außer Chips und Fernsehen keine Hobbys haben und 120 Kilogramm plus 80 Kilogramm Minderwertigkeitskomplexe wiegen, oder von Erwachsenen, die mal solche Kinder waren“, sagt Frau Hafmayr, Schulköchin. „Und wenn schon?“, fragt Felix, 6b.

„Sozialkompetenz! Teamwork! Niederlagen aushalten!“, sagt Frau Troet, Schulpsychologin. „Was ist mit Solidarität? Gerechtigkeit? Sollten Schüler nicht besser statt einer künstlich-pädagogischen eine echte Niederlage ertragen?“, fragt Ayse, 10d.

„Als Sportlehrer bist du über jeden Anlass glücklich, deine Jahresnoten zusammenzukriegen“, sagt Herr Grünbaum, Referendar im Fach Sport. „Ist es nicht der Job eines Sportlehrers, sich kreative Benotungsgelegenheiten einfallen zu lassen?“, fragt Leroy, Stufe 11.

Richtige Vorbereitung auf das Leben?

„Man muss die Kinder realistisch vorbereiten auf diese wettbewerbsorientierte, unmenschliche Gesellschaft“, sagt Herr Mertens, Hausmeister. „Wer, wenn nicht die Jugend, hat ein Recht auf Idealismus, Gerechtigkeit, versuchte Gerechtigkeit, Zuversicht, Hoffnungen und andere pathetische Konzepte?“, fragt Elias, Stufe 12.

„Die Kritik kommt irgendwie immer mit höchsten Ansprüchen an nichts weniger als Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde daher“, sagt Herr Meyer, Informatiklehrer. „Ja“, antwortet die gesamte Stufe 11. „Die Tradition! Die Kultur! Das Abendland!“, sagt glücklicherweise niemand.

 

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