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Unter allen Umständen Weihnachten

Von Kerstin Ludwig / 25. Dezember 2013
Christmas Truce 1914-1999, Foto: Tsui, Public Domain

Das Jahr ist wieder einmal vorbei, wieder einmal zu schnell. Jetzt kommt die Zeit des Überflusses an allem: Geschenke, Essen, Familiensinn. Wie ist das eigentlich in anderen Ländern?       Andere Länder, andere Sitten Es mag überraschen, doch die Unterschiede sind gar nicht so groß. In Neuseeland und Australien ist jetzt Sommer. Die Tage […]

Das Jahr ist wieder einmal vorbei, wieder einmal zu schnell. Jetzt kommt die Zeit des Überflusses an allem: Geschenke, Essen, Familiensinn.

Wie ist das eigentlich in anderen Ländern?

 

 

 

Andere Länder, andere Sitten

Es mag überraschen, doch die Unterschiede sind gar nicht so groß.

In Neuseeland und Australien ist jetzt Sommer. Die Tage sind warm, oft heiß. Von einem neuseeländischen Bekannten hörte ich zuletzt, dass er Weihnachten am Strand verbringen wird, mit einem zünftigen Barbecue und Geschenke am Lagerfeuer.

Doch die amerikanische Tradition des Weihnachtsfestes mit schneebedeckten Häusern lässt sich auch dort nicht völlig verdrängen: Die Dekorationen zeigen genau diese Motive, was angesichts der sommerlichen Temperaturen für europäische Augen seltsam gegensätzlich wirkt. Eine Legende besagt, dass Santa Claus in Australien seine Rentiere gegen weiße Känguruhs austauscht.

Für Europäer, die die Feiertage in Down Under verbringen, ist es wohl mit am spannendsten, wenn sie als Santa verkleidete Surfer die Wellen am Bondi Beach abreiten sehen.

In Indien, das überwiegend hinduistisch ist, ist das Weihnachtsfest, das hier Baba Din heißt, dennoch gesetzlicher Feiertag. Statt der Tannenbäume werden Mangobäume festlich geschmückt, und die meisten Schulen haben geschlossen. Das Fest wird mit einem großen Festessen begangen, und es gibt für alle Geschenke, die an einem Bananenbaum hängen. Das erste Geschenk, eine Zitrone, geht an das Familienoberhaupt, ein Glücksbringer für die ganze Familie.

In Grönland, das politisch ein autonomer Bestandteil Dänemarks ist, feiert man das Weihnachtsfest, das hier Julfest heißt, ganz ähnlich wie in Dänemark. Da Bäume auf Grönland rar sind, müssen die Weihnachtsbäume schon lange vorher importiert werden. Die größeren Geschenke werden unter den Weihnachtsbaum gelegt, die kleineren als Schmuck an den Baum gehängt. Am Weihnachtsmorgen besucht man die Christmette, die Kinder ziehen danach von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder. Grönland wirkt zu Weihnachten sehr festlich, denn durch die Nähe zum Nordpol geht im Winter die Sonne nicht mehr auf, es ist den ganzen Tag lang dunkel. Der Weihnachtsmann hat hier einen Hundeschlitten.

Das bulgarische Weihnachtsfest, Roschdestwo Christowo, wird am 25. Dezember gefeiert und markiert das Ende einer Fastenzeit der orthodoxen Kirche, die am 15. November beginnt. Für das Festmahl wird am 24. Dezember eine ungerade Anzahl an Gerichten zubereitet, die keine tierischen Erzeugnisse enthalten sollen, weil der Heilige Abend der letzte Tag der Fastenzeit ist. Zu Beginn des Festmahls wird ein rundes Brot unter den Familienmitgliedern aufgeteilt, in das eine Münze eingebacken wurde. Wer die Münze findet, wird im nächsten Jahr Glück haben, so lautet der Glaube.

 

Weihnachten, das Friedensfest

Doch nicht immer findet Weihnachten in friedlichen Zeiten statt. Frontsoldaten konnten und können ihre Posten nicht verlassen, um Weihnachten mit der Familie zu feiern, da sie sonst als Deserteure bestraft werden.

Eine der berührendsten Weihnachtsgeschichten handelt von der Schlacht um Verdun im Ersten Weltkrieg.

Am Heiligen Abend 1914 verbrüderten sich deutsche, englische und französische Soldaten miteinander. Sie spielten Fußball, sangen Weihnachtslieder und vergaßen für einige wenige Stunden die Schrecken des Stellungskrieges, dessen Narben sich so tief in die Landschaft eingegraben haben, dass sie noch heute, einhundert Jahre später, zu sehen sind.

Dies fand nicht nur an einem Frontabschnitt statt, sondern an vielen. Für einige wenige Stunden schwiegen die Waffen, und man war Mensch. Der Heilige Abend 1914 wurde so zu einer Legende. Den Soldaten wurde bewusst, dass die Feinde gar nicht so verschieden waren, dass sie Menschen mit Hoffnungen und Träumen waren und mit Sorgen – und dass sie Familien hatten, die zu Hause auf sie warteten.

Doch der Frieden währte nicht lange. Schon bald wurde wieder mit Panzergranaten geschossen statt mit Fußbällen.

Weihnachten ist das Fest des Friedens. Wie wohl die Menschen in Gegenden feiern, wo Frieden allenfalls ein schöner Traum ist?

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