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debatteDie Mensch-Maschine: Wer macht uns wirklich fit?

Von Alexander Kloß / 31. Januar 2020
Credits: Photo by Luke Chesser on Unsplash;

Das Interesse an der Beschäftigung mit dem eigenen Körper ist omnipräsent. Doch wie man ein gesundes Leben aus sportlicher Sicht am besten angeht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Vor allem in Sachen Technik-Gadgets.

Kurz nach Neujahr: Seit Monaten das erste Mal wieder joggen, nur um zehn Minuten später deprimiert festzustellen, dass der angestrebte Beachbody wohl noch genauso weit entfernt ist wie der Sommer selbst? So ergeht es vielen. Auswege aus dieser Konditionsmisere gibt es zwar einige. Welche wem am ehesten helfen, ist dagegen für etliche Betroffene weniger offensichtlich. Dass wir in einer Zeit leben, in der selbst Profifußballer öffentlich der übermäßigen Leibesfülle bezichtigt werden und das Thema Körperoptimierung allgegenwärtig ist, macht es nicht gerade einfacher.

Hinzu kommt: Nie zuvor war die Auswahl an Fitnessangeboten so groß wie heute. Tageszeitungen wie Die Welt informieren täglich nicht nur über die neuesten Nachrichten, sondern mindestens so häufig über die neuesten Smartwatches; sogenannte Personal Trainer trifft man nicht mehr, sondern lädt sie sich via App herunter; zugleich schwören Ernährungsberaterinnen wie Renate Schmitt in ihrem Podcast auf Intervallfasten. Allerdings gibt es bei all diesen Lifestyle-Tipps und Ratschlägen zwei sehr unterschiedliche Denkweisen: Während Technikbegeisterte mit allerlei modernen Gadgets versuchen, ihren Körper endgültig unter Kontrolle zu bringen, suchen Minimalisten den Einklang mit sich selbst durch reine Körperarbeit und verzichten dabei bewusst auf besondere technische Hilfsmittel. Doch was – und wer – steckt hinter den verschiedenen Ansätzen?

Generationenprojekt Selbstoptimierung

Wer meint, unter fitnessbegeisterten Zeitgenossen vor allem Sportfanatiker zu entdecken und diese für ein Symptom der Neuzeit hält, der irrt. Moderne sportliche Auffassungen gab es bereits in der Renaissance – in Anlehnung an das athletische Körperbild der Antike. Wie der Historiker Jürgen Martschukat feststellt, ist jedoch der momentane Fitnesshype kein Phänomen des 21. Jahrhunderts, sondern die Wiederkehr eines Trends, der seinen Ursprung vor über 150 Jahren in Charles Darwins Evolutionstheorie hat. Der britische Naturforscher verortete das Konzept der Fitness ursprünglich im Rahmen seiner Theorie der natürlichen Selektion. Später deuteten Sozialwissenschaftler und Industrielle die konzeptionelle „Körperertüchtigung“ zur Forderung einer ständigen Selbstoptimierung um. Viele der damaligen „Leibesübungen“, die heute noch im Körpertraining zum Einsatz kommen, wie die Kniebeuge oder der Seitarmstütz, gehörten somit schon Mitte des 19. Jahrhunderts zum Alltag der Bevölkerung, vor allem unter Städtern.

Optimal trainieren mit Technik?

Eines der aktuell beliebtesten Fitnessprodukte ist die sogenannte Smartwatch. Die digitale Uhr begleitet und unterstützt weltweit gesundheitsbewusste Sportler mit ihren diversen Einstellungsmöglichkeiten, Apps und heißbegehrten Funktionen wie Pulsmesser und Schrittzähler. So misst beispielsweise das Modell „Apple Watch“ nicht nur Körperaktivitäten, sondern fungiert zugleich als persönlicher digitaler Assistent, Social-Media-Updater und nicht zuletzt als Zeittotschläger. Womit der Konzern Apple sowieso wirbt: Dank einheitlicher Software unter Apple-Produkten seien Kompatibilitätsprobleme nahezu ausgeschlossen und ein hohes Maß an Komfort gewährleistet.

Aber auch abseits der Smartwatches sind diverse Produkte für Sportaffine heutzutage auf dem Markt. So verzichten immer mehr Läufer nur ungern auf die Messungen ihres Brustgurtes und manch ein Sportler setzt auf spezielle Trainingsapps, die Ratschläge zu gesunder Ernährung, effektivem Workout bis hin zu geeigneten Schlaftechniken für eine erholsame Nacht geben. Im Gegensatz dazu kann guter, individueller Rat in engem Hautkontakt zu echten Trainern umständlich und teuer werden. Übersehen wird dabei allerdings die hohe Wahrscheinlichkeit, ohne denselben den Überblick über die Vielzahl an Markennamen und Produkttypen zu verlieren, und das Risiko, mit einer uninformierten Entscheidung daneben zu liegen. Bei Preisen im dreistelligen Euro-Bereich – wie bei Apple-Produkten nicht unüblich –, keine guten Aussichten.

Stressabbau statt Fitnesstraining

Wie anders mutet da das Alternativmodell für ein gesundes, widerstandsfähiges Leben an: Der Körper wird dabei als ureigene Kraftquelle verstanden, die von ganz alleine die nötigen Grenzen aufzeigt und die richtigen Signale sendet. So zumindest lässt sich dieser Trend beschreiben, der im Englischen „Mindfulness“ (“Achtsamkeit”) heißt und dem eine gewisse Technikaversion zugrunde liegt. Vorrangiges Ziel hierbei ist, das persönliche Stresslevel durch Rückbesinnung auf die eigene Körperwahrnehmung zu reduzieren. Den optimalen Pfad dahin versprechen verschiedene Praktiken, allen voran Meditation und Yoga.

Doch wie beim Fitnesshype, ist hier ein genauer Blick lohnenswert: „Mindfulness“ ist im Wesentlichen durch den amerikanischen Mediziner Jon Kabat-Zinn begründet. Dieser entwickelte seine Übungen zur Stressbewältigung aus den Lehren des Buddhismus und Hinduismus, entledigte sich jedoch ihrer religiösen Wurzeln. Die Bedeutsamkeit des Leidens spielt hier keine entscheidende Rolle mehr. Aber auch körperliche Anstrengung an sich, wie sie im sportlichen Sinne zum Selbstzweck wird, kommt hier nur unwesentlich zum Tragen. Was bleibt beziehungsweise erreicht werden soll, ist die Konzentration auf das Selbst. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland schätzt, dass mittlerweile fünf Prozent aller Deutschen aktiv Yoga praktizieren und weitere elf Prozent es in der Vergangenheit getan haben. Tendenz stark steigend.

Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag von der
Friedrich-Ebert-Stiftung 2.500 Personen zwischen dem 27. und dem 28.
Februar 2020 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche
Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse
liegt bei 3,7 Prozent.

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