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contraAlles im Leben ist vorherbestimmt

Von Sophia Förtsch / 31. Mai 2022
picture alliance / complize/Shotshop | complize

Erleichtern uns Zufälle das Leben? Diese Frage lässt sich für mich persönlich kurz und einfach beantworten: Nein. Denn für mich existieren Zufälle oder Zufallsmomente nicht, es gibt nur Schicksal!

Ich bin überzeugt: Alles in unserem Leben ist vorherbestimmt und folgt einem klaren Plan. Wir selber kennen diesen Plan nicht, dafür aber das Universum beziehungsweise eine höhere Macht. Viele Gläubige sehen das genauso. Im Buddhismus sind “Glück” und “Unglück” das Resultat früherer Handlungen – bekannt als “Karma”. Im Christentum geht man davon aus, dass der Mensch zwar über einen freien Willen verfügt, aber sein Leben von Gott gelenkt wird.

Nicht nur Religionen beziehen hier klar Stellung. Auch für die Psychologie sind Begebenheiten schicksalhaft. Sie gleichen Lernprozessen, die uns als Menschen wachsen lassen. Fakt für mich ist: Jede Person in unserem Leben, jede getroffene Entscheidung, jedes Handeln und sämtliche Konsequenzen daraus, all das kann kein Zufall sein.

Warum wir Menschen einander begegnen oder uns Dinge widerfahren, positive wie negative, und ob wir dabei von Zufall sprechen oder nicht: Was zählt ist, dass sie uns helfen, uns weiterzuentwickeln.

Fragen, auf die der Zufall keine Antwort bietet

Was bedeutet ein “leichteres Leben”, zufallsbedingt? Bedeutet leichter, dass wir nie durch schwere Zeiten müssen? Dass wir nie oder kaum Fehler machen? Wie kann der Zufall, der de facto nicht existiert, in der Lage sein, irgendeinen Zustand zu erleichtern, also mein Leben zu verbessern? Wodurch und woran wachsen wir dann? Es sind häufig unsere Fehler, die schwierigen Zeiten, für uns unvorhergesehene Situationen, die gestellten Prüfungen, durch die wir reifen.

Die einen sehen in Situationen den Zufall am Werk, die anderen das Wirken von Zusammenhängen oder höheren Mächten. Die einen sind reflektierter, die anderen unbekümmerter. Die einen sehen in allem das Positive, andere sind Schwarzmaler. Es ist eine Frage des Charakters, ob jemand das Leben “leicht” nimmt und vom “Glück geküsst” wird oder der Pessimismus in persona ist. Bei der Frage nach der Lebenseinstellung hat der Zufall kein Mitspracherecht, denn was nicht existiert, hat auch keine Auswirkung.

Aber meinen wir überhaupt das Gleiche, wenn wir von “Zufall“ oder “Schicksal“ sprechen? Unter Zufall versteht man ein Ereignis, ob vorhersehbar oder unbeabsichtigt, dessen Ursache wir uns nicht erklären können. Sogenannte Zufallsbegegnungen sind dafür ein Beispiel. Man bummelt durch die Stadt und trifft scheinbar zufällig auf eine Person, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Einen Zufall könnte man also als einen eher singulären Moment beschreiben, der von allen Dingen losgelöst für sich alleine steht. Genauso gut lässt sich dasselbe Beispiel anführen für (eine glückliche) Fügung, gerade weil es so bedeutsam daherkommt und womöglich folgenschwer ist.

Was will uns das Universum sagen?

Kann es wirklich Zufall sein, wenn einem immer und immer wieder der gleiche Typ Mensch begegnet oder wir diese eine bestimmte Situation immer und immer wieder in unterschiedlichen Versionen durchleben?

In jeder Begegnung, jedem Ereignis steckt ein tieferer Sinn. Mal sind die Menschen ein Geschenk und begleiten uns ein Stück auf unserem Lebensweg. Manche Menschen wiederum sind uns eine Lektion, solange vom Universum erteilt, bis wir endlich die richtigen Schlüsse ziehen.

Laut Duden bedeutet Schicksal: „etwas von einer höheren Macht über jemanden Verhängtes; etwas, das ohne sichtliches menschliches Zutun sich ereignet und unser Leben entscheidend bestimmt.” Für mich drückt sich Schicksalhaftes in Vorgängen aus, die aufeinander aufbauen. Diese Kette von Verknüpfungen ist alles andere als zufällig in Bewegung geraten. Dass ich mein Studium nicht in Dresden aufgenommen habe (wie es eigentlich geplant war), sondern im Nachrückverfahren an der Humboldt-Universität in Berlin angenommen worden bin, ist in meinen Augen kein Zufall, sondern Fügung. Es sollte so sein!

Nachweislich positive Effekte

Einer psychologischen Studie der Universität Münster befand, dass es nachweislich von Vorteil sein kann, an eine Bestimmung im Leben zu glauben. So wurden die Erfahrungen von Menschen untersucht, die ihren Partner verloren hatten. Das Ergebnis: Teilnehmende, die an das Schicksal in ihrem Leben glaubten, konnten den Tod ihres Partners besser verkraften.

Der Glaube an das Schicksal scheint nicht das Leben an sich, aber den Umgang mit schwierigen Lebensereignissen leichter zu machen. Für mich trifft diese Auffassung zu. Und für dich? Diese Sinnfrage zu stellen, lässt sich nicht vermeiden. Wer ehrlich ist, weiß das.



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