Twitter Icon Facebook Icon

debattePolygamie: Heiraten – aber wie viele?

Von Maria Altnau / 27. April 2018
Credits: Unsplash/ Alex; Lizenz CC0

In Deutschland ist das Heiraten mehrerer Partner verboten. In vielen anderen Ländern ist es erlaubt. Warum verpflichten Gesetze zur monogamen Ehe, während andere Völker auch polygam leben? Durch die Zuwanderung der vergangenen Jahre bekommt diese Frage wieder mehr Brisanz.

Die meisten Länder, in denen Polygamie zulässig ist, liegen auf dem afrikanischen Kontinent. Weiter östlich zählen einige Länder aus dem Nahen Osten wie Saudi Arabien und Iran sowie aus dem asiatischen Kulturraum dazu, darunter Indien und Indonesien. Dagegen ist die Vielehe in keinem westlich-industriellen Land legal.

Ein prominentes Beispiel aus der Liste sticht heraus: Der ehemalige südafrikanische Präsident Jacob Zuma hat erst vor wenigen Tagen seine siebte Frau geehelicht. Er gehört der Volksgruppe der Zulu an, in deren Kultur Polygamie traditionell verwurzelt ist. Dass er Staatschef eines Landes werden konnte, in dem Mehrehen zivilrechtlich verboten sind, beweist, dass traditionelle Wertevorstellungen ethnischer Gruppen über dem Gesetz stehen können. Auch amerikanische Mormonen schließen immer noch Mehrehen.

Vielmännerei und Vielweiberei

„Nach der Datenlage der Ethnologen gibt es in Afrika keine Ethnie, bei der überhaupt Monogamie vorkommt“, sagt der Anthropologe Peter Kappeler in einem Zeit-Artikel. Neben der Streuung der Gene sind auch bessere Überlebenschancen beim Betreiben von Landwirtschaft ein Grund für Polygamie. Mehr Ehepartner können mehr arbeiten und so den Ertrag der gesamten Sippschaft steigern.

Die Vielehe unterscheidet zwei Formen. Bei der verbreitetsten Variante, der Polygynie, auch Vielweiberei genannt, hat ein Mann mehrere Ehefrauen. Diese Tradition ist in vielen afrikanischen und asiatischen Kulturkreisen verbreitet. Das Gegenstück dazu nennt sich Polyandrie, Vielmännerei. Diese Form kommt seltener vor. In einer abgelegenen Provinz Chinas ist es allerdings noch immer Tradition, dass mehrere Brüder mit einer Frau verheiratet sind. Einen Rekord will jedoch eine Britin aufgestellt haben, die im Jahr 1922 behauptet hatte, mit 61 Männern verheiratet zu sein.

Wo welche Form der Polygamie verbreitet ist, hängt laut Anthropologen von der Art der Landwirtschaft ab. So ist Vielmännerei eher in Ackerbaukulturen verortet, Vielweiberei hingegen in Kulturen, die Viehzucht betreiben. Die niedrigere Stellung der Frau in voremanzipatorischen Zeiten, die männliche Dominanz sowie die klassische Rolle des Mannes als Ernährer erklären, warum die Vielweiberei deutlich überwiegt.

Schriftensammlungen und Gottes Wille

Von wirtschaftlichen zu religiösen Aspekten. Nach islamischem Recht darf ein Mann bis zu vier Frauen ehelichen. Diese Tradition stammt aus der Zeit, als der Koran abgefasst wurde. Zu dieser Zeit hatten Frauen ohne Vormund mit niedrigem sozialen Status kaum Rechte, wenn sie nicht verheiratet waren. Auch im Judentum gibt es noch einzelne Strömungen, die Polygamie praktizieren, was aber offiziell nicht erlaubt ist. Der Buddhismus toleriert Polygamie. Oft entstanden auch in buddhistischen Gesellschaften polygame Verbindungen aus einer wirtschaftlichen Not.

Die Bibel lehnt Polygamie nicht grundsätzlich ab. Im Alten Testament, dem Zweiten Buch Samuel, wird die Geschichte Davids erzählt, der sich mehrere Nebenfrauen nahm. Allerdings sind Mehrfachehen im Christentum nicht üblich. Im Katholizismus zählt die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als ein Sakrament, das sich die beiden Partner geben und welches das ganze Leben dauert. Das hat unsere Vorstellungen so weit geprägt, dass die Monogamie als Eheform nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im deutschen Rechtssystem verankert ist.

Neue Brisanz durch Zuwanderung

Was wir im westlich-europäischen Kulturraum als befremdlich empfinden, wenn eine Person mehrere Frauen oder Männer ehelicht, verknüpfen wir oft mit unseren Vorstellungen von der einzig wahren Liebe, die Menschen nur in der monogamen Ehe glücklich macht. Nicht zuletzt enden sämtliche Märchen von Schneewittchen bis Dornröschen damit, dass Prinz und Prinzessin sich finden, heiraten und bis an ihr Lebensende zusammenbleiben. Die Ehe ist demnach eine gefestigte Form der Verbindung zweier Menschen, die in unserer Gesellschaft anerkannt ist und durch eine Urkunde, einer Art bürgerlichem Vertrag, besiegelt wird.

Grundsätzlich sind Mehrfachehen in Deutschland verboten, die Strafbarkeit ist jedoch komplizierter. Das Schließen einer weiteren Ehe verstößt gegen Paragraph 1306 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Laut Strafgesetzbuch wird das Eingehen einer Doppelehe mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Es sei denn, die Ehen wurden in Staaten, in denen Mehrfachehen erlaubt sind, legal geschlossen. Dann dürfen sie in Deutschland fortgeführt werden.

In den vergangenen Jahren haben diese Vorschriften eine immer wichtigere Rolle in der Rechtsprechung gespielt. Die neuesten Urteile stehen in Zusammenhang mit Einbürgerungsbegehren von Zuwanderern. Vor zwei Jahren erklärte der damalige Justizminister Heiko Maas gegenüber der Bild-Zeitung: „Niemand, der zu uns kommt, hat das Recht, seine kulturelle Verwurzelung oder seinen religiösen Glauben über unsere Gesetze zu stellen. Deshalb dürfen in Deutschland keine Mehrfach-Ehen anerkannt werden.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte Mitte April dieses Jahres gegenüber der Bild am Sonntag an, dass er die Anerkennung von im Ausland geschlossenen Mehrfachehen abschaffen wolle. „Polygame Ehen sind in Deutschland strafbar. Da ist es doch absurd, dass wir uns mit der Zuwanderung Polygamie ins Land holen. Mit einer bayerischen Bundesratsinitiative wollen wir erreichen, dass im Ausland geschlossene Vielehen bei dauerhaft hier lebenden Ehegatten aufzuheben sind.“

2 Antworten zu “Polygamie: Heiraten – aber wie viele?”

  1. Von Jana am 27. August 2018

    Es soll besser so bleiben!

  2. Von Harry am 2. September 2018

    Ich weiß nicht, welcher vernünftige Grund dagegen spricht, Polygamie zu akzeptieren und auch rechtlich zu sanktionieren. Es sollte letztlich jedem selbst überlassen sein, wie er sein Liebesleben – und damit auch das Eheleben – gestaltet. Solange eine polygame Ehe auf der freiwilligen Zustimmung aller beteiligten basiert, warum soll man sie verbieten? Der einzige Grund für die Ablehnung ist doch die nach wie vor viel zu einflussreiche christliche Prägung unseres Landes in solchen Fragen. Und dass das Christentum von zwischenmenschlichen Beziehungen, die es nicht strikt regulieren kann, nichts hält, dürfte ja hinlänglich bekannt sein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnlicher Artikel

Zufalls Artikel

Hintergrund

Keine krummen Dinger

Im Supermarkt gilt: Eine krumme Gurke kommt dem Kunden nicht in die Tüte. Derartige Gewächse haben keine Chance gegen ihre perfekte Konkurrenz. Immer mehr Menschen kämpfen gegen diese …
Von Madlen Schäfer / 23. Februar 2017

Meist Kommentierter Artikel

#2017plus

Nicht erst, wenn es zu spät ist

Wer sich weiterbilden will, der könnte schon bald Geld dafür bekommen – eine neue FES-Studie zeigt, wie aus der Arbeitslosen- eine Arbeitsversicherung werden könnte. Eine …
Von Alex Wolf / 5. Mai 2017